Oma mit mehreren Enkelkindern – darf man einen Lieblingsenkel haben?

Hand aufs Herz: Fast alle Großeltern haben zeitweise einen Lieblingsenkel. Darf man das überhaupt — und wann wird aus einer harmlosen Vorliebe eine Ungleichbehandlung, die Spannungen in der Familie auslöst? Dieser Beitrag hilft, sich selbst ehrlich zu prüfen und allen Enkelkindern gerecht zu werden.

Jürgen Busch

Beitrag von Jürgen Busch
25.06.2026 · Kategorie: Großeltern
FacebookInstagramPinterest

💛 Darf ich einen Lieblingsenkel haben?

Omas Lieblingsenkel – Bevorzugung eines Enkelkindes

Manche kennen es aus der eigenen Kindheit, andere ertappen sich selbst dabei: das Lieblingskind. Familienforscher sind sich einig — Abstreiten hilft nicht. Wohl jede Mutter, jeder Vater, jede Oma und jeder Opa hat zeitweise einen Liebling. Man fühlt sich dem einen Kind näher als dem anderen, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Daran ändert nichts, dass ein Lieblingsenkel zugleich eine Benachteiligung der anderen bedeutet. Es stellt sich also die Frage: Wie viel Ungleichbehandlung ist in Ordnung — und darf ich überhaupt einen Lieblingsenkel haben?

⚖️ Kann Liebe gerecht verteilt werden?

In der Theorie müssen alle Enkelkinder gleich geliebt werden. In der Praxis mag Oma den willensstarken, emotionalen Jungen vielleicht weniger als das folgsame, nette Enkelmädchen. Ein häufiger Grund laut Psychologen: Großeltern (und Eltern) vergleichen sich mit den Kindern und suchen nach Gemeinsamkeiten — das Kind, das einem selbst am ähnlichsten scheint, wird oft bevorzugt.

Die gute Nachricht: Ja, Liebe lässt sich gerecht verteilen. Dafür braucht es ein Bewusstsein für die feinen Formen der Ungleichbehandlung. Wer sie erkennt, kann sie ausgleichen — vielleicht mit anderen gemeinsamen Unternehmungen, anderen Gesprächen. Wichtig ist, dass sich jedes Enkelkind gleichermaßen angenommen und geliebt fühlt.

🔍 Liebe ich meine Enkelkinder gleich? — der Selbstcheck

Diese Frage lässt sich nur mit einem gehörigen Maß an Selbstreflexion beantworten. Oma und Opa sollten den Alltag mit den Enkeln einmal kritisch betrachten:

  • Darf ein Kind etwas, das das andere nicht darf?
  • Werden kleine Fehler und Missgeschicke unterschiedlich stark kritisiert?
  • Trägt man einem Kind etwas nach?
  • Steht ein Kind stärker unter Beobachtung als ein anderes?
  • Wird mit einem Kind mehr unternommen, mehr geredet?

Aus den Antworten zeigen sich oft Unterschiede, die in der vermeintlichen Gleichbehandlung verborgen lagen.

⚠️ Was die Bevorzugung eines Enkelkindes bewirkt

Forscher haben nachgewiesen, dass Ungleichbehandlung im Kindesalter Folgen für den späteren Erwachsenen hat. Ein Kind, das sich in der Familie zurückgesetzt fühlt, kann später eher unter depressiven Verstimmungen leiden und tritt weniger selbstbewusst auf — ein Mangel, der sich oft schon im Kindesalter zeigt.

Zurückgesetzte Kinder streben nach Aufmerksamkeit — und sei es negative, mit Schimpfen und genervten Reaktionen. Insgesamt wird so die gesunde Entwicklung zu einem selbstbewussten, emotional starken Menschen gestört. Grund genug, genau hinzuschauen.

🤹 Wie werde ich mehreren Enkelkindern gerecht?

Es ist gar nicht so schwer. Wichtig ist, die vermeintlichen Gemeinsamkeiten mit der eigenen Person weniger in den Fokus zu rücken. Auch wenn Oma eher ruhig ist, ist die quirlige Enkeltochter ein Gewinn — sie bringt Leben ins Haus, fragt Löcher in den Bauch und regt zum Nachdenken an. Jedes Kind ist auf seine Weise ein Gewinn; Großeltern sollten vor allem emotional neutral bleiben, auch gegenüber Enkeln, die gern mal aus der Reihe tanzen.

Bei den Aktivitäten mit den Enkeln — vom Backen der Lieblingskekse bis zum gemeinsamen Basteln und Werken — sollten Großeltern auf Gleichbehandlung achten. Interessenbedingte Unterschiede gibt es immer: Mag Enkel Nr. 1 nicht ins Schwimmbad, Enkel Nr. 2 aber schon, unternimmt man mit dem einen eben etwas anderes. So genießt jedes Kind seine Exklusiv-Zeit mit den Großeltern.

Wichtig: sich dabei nicht unter Druck setzen. Will ein Kind partout nichts unternehmen, dann eben nicht — auf alle Unternehmungen zu verzichten, wäre dem anderen Kind gegenüber genauso unfair.

👥 Ungleichbehandlung von erwachsenen Kindern

Haben Oma und Opa einen Lieblingsenkel, setzt sich das oft über das Kindesalter hinaus fort. Die Ungleichbehandlung erwachsener Kinder führt zu noch stärkeren Spannungen: Nicht nur wenden sich die „zurückgesetzten“ Kinder ab, auch unter den Geschwistern wachsen die Konflikte. Schnell stehen unterstellte Erbansprüche im Raum — und im schlimmsten Fall zerbricht die Familie.

Großeltern sollten sich daher früh eingestehen, dass sie einen Liebling haben, und rechtzeitig gegensteuern. Denn die Ungleichbehandlung erwachsener Kinder ist für die anderen genauso schmerzhaft wie im Kindesalter.

Kurz zusammengefasst

Wohl alle Großeltern haben mal einen Lieblingsenkel. Solange das kein Dauerzustand ist und sich niemand zurückgesetzt fühlt, ist das völlig okay — mal ist das eine, mal das andere Enkelchen der Liebling. Entscheidend ist, dass in Summe alle die gleiche Aufmerksamkeit bekommen und sich gleich geliebt fühlen. Jedes Kind hat ein Recht darauf, der absolute Liebling zu sein.

❓ Häufige Fragen

Darf ich als Oma oder Opa einen Lieblingsenkel haben?

Ja — fast alle Großeltern haben zeitweise einen Liebling, das ist menschlich. Problematisch wird es erst, wenn die Bevorzugung dauerhaft ist und sich andere Enkel zurückgesetzt fühlen. Wichtig ist, dass sich in Summe jedes Kind gleich geliebt fühlt.

Woran merke ich, dass ich ein Enkelkind bevorzuge?

Hilfreich sind ehrliche Fragen: Darf ein Kind mehr als das andere? Kritisiere ich Fehler unterschiedlich stark? Trage ich einem Kind etwas nach? Unternehme oder rede ich mit einem Kind mehr? Die Antworten machen feine Ungleichbehandlungen sichtbar.

Was bewirkt die Bevorzugung eines Enkelkindes?

Zurückgesetzte Kinder können später eher unter geringem Selbstwert und depressiven Verstimmungen leiden und suchen verstärkt nach Aufmerksamkeit. Das kann die gesunde emotionale Entwicklung stören — deshalb lohnt es sich, früh gegenzusteuern.

Wie werde ich mehreren Enkelkindern gerecht?

Indem man jedem Kind eigene Exklusiv-Zeit schenkt, die zu seinen Interessen passt, emotional neutral bleibt und sich nicht unter Druck setzt. Unterschiedliche Aktivitäten sind in Ordnung, solange in Summe alle gleich viel Zuwendung erhalten.

Ist Ungleichbehandlung bei erwachsenen Kindern auch ein Problem?

Ja, oft sogar stärker. Sie verschärft Spannungen unter den Geschwistern, lässt zurückgesetzte Kinder sich abwenden und führt schnell zu Streit über vermutete Erbansprüche. Die Folgen sind für die Betroffenen genauso schmerzhaft wie in der Kindheit.

🧭 Teil unseres Themenschwerpunkts Familienkonflikte & Spannungen.

Folge Opa Jürgen

Neue Beiträge, Bastelideen und Tipps rund um Oma, Opa & Enkel — folge grossvater.de auf Social Media:

Facebook
Instagram
Pinterest

Beitrag von Jürgen Busch · Themenschwerpunkt: Großeltern · Zuletzt geprüft am 25.06.2026