Kinderlärm in der Wohnung
Kinder machen halt Lärm in der Wohnung

Was tun bei Kinderlärm in Mietwohnungen?

Oma und Opa leben in einem eigenen Haus mit Grundstück? Dann stellt sich das Problem des Kinderlärms vielleicht im Garten, sofern nicht auf tolerante und kinderliebe Nachbarn gezählt werden kann. Doch in einer Mietwohnung sieht das anders aus!
Hier sind die Regeln des menschlichen Zusammenlebens einzuhalten und dazu gehört eben auch die gegenseitige Rücksichtnahme.

Nachbarn müssen Kinderlärm grundsätzlich dulden

Die Tendenz der Gerichte geht zu mehr Toleranz Kindern gegenüber, was Lärm durch Spielen, Poltern und Schreien angeht. Kinderlärm ist im Allgemeinen zu dulden, so die Gerichte.
Dabei gehören zum üblichen Kinderlärm nicht nur Spielgeräusche, sondern auch das Toben des trotzigen Zweijährigen muss hingenommen werden. Nächtliches Weinen gehört dazu, auch das gelegentliche Türenschlagen oder ein scheinbar nicht enden wollendes Brüllen, weil das Fläschchen nicht rechtzeitig fertig war, ist zu tolerieren.

Der Deutsche Mieterbund in Berlin erklärt, dass das Spielen und Schreien von Kindern zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung gehört. Auch Stampfen, Rennen, Fahrten mit dem Bobbycar sowie umfassende Spieltürme sind erlaubt.

Doch bei allen Rechten, die Kinder haben, sollte doch das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme gelten. Zumal Oma und Opa sicherlich Wert auf eine gute Nachbarschaft legen, welche auf Dauer Bestand haben soll.

Kinderlärm ist keine schädliche Umwelteinwirkung!

Kinderlärm wird als „Ausdruck kindlicher Entfaltung“ entsprechend der Landesimmissionsschutzgesetze definiert. Er wird hier als „sozialadäquat“ und somit als zulässig bezeichnet. Damit wiederum ist Kinderlärm nicht als schädliche Umwelteinwirkung zu sehen, gegen welche nur schwer vorzugehen ist.

Der Bundesgerichtshof ging vor einigen Jahren der Frage nach, wie stark der Lärm von Kindern in einem Mietshaus sein darf. Er führte in seiner Urteilsbegründung aus, dass üblicher Kinderlärm grundsätzlich hinnehmbar sei. Allerdings sind eventuelle Grenzen der Tolerierbarkeit im Einzelfall zu bestimmen.

Wichtig seien hier unter anderem die

  • Qualität
  • Art
  • Dauer
  • Zeit

der Geräusche. Auch das Alter und der Gesundheitszustand des Kindes seien zu berücksichtigen (Urteil vom 22.08.2017, Az.: VIII ZR 226/16).

Müssen Ruhezeiten eingehalten werden?

Meist werden Ruhezeiten von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr vereinbart, teilweise sind zusätzliche Ruhezeiten von 13:00 bis 15:00 Uhr im Mietvertrag festgehalten.
Wie rechtlich bindend die Ruhezeiten am Tage sind, ist immer wieder Thema von Gerichtsverhandlungen. Doch die Tatsache, dass in Ruhezeiten nicht Rasen gemäht oder Trompete spielen geübt werden darf, ist für die Beurteilung von Kinderlärm nicht wichtig.

Nicht immer lassen sich Kinder auf Zimmerlautstärke „herunterregeln“, allerdings dürfen die Nachbarn erwarten, dass nicht unbedingt laute Spielgeräusche während dieser Zeit in anderen Wohnungen zu hören sind.
Weinen, Lachen oder andere kindertypische Geräusche sind jedoch hinzunehmen.

Rechte der Nachbarn: Kein rücksichtsloses Verhalten hinnehmen

Kinder sollen sich frei entfalten können, dennoch sind gesellschaftliche Regeln zu akzeptieren. Nachbarn müssen daher auch kein rücksichtsloses Verhalten hinnehmen, das durch vermeidbaren Lärm gekennzeichnet ist.
Fahrten mit dem Roller auf Laminatboden oder das Springen von Stühlen auf das Parkett fallen darunter und ist nicht als kindertypischer Lärm hinzunehmen.

Oma und Opa sollten dafür sorgen, dass diese Immissionen nicht mehr entstehen. Ein gelegentliches Trampeln der Kleinen fällt aber nicht darunter.

Fühlen sich die Nachbarn gestört, sollten sie das Gespräch mit den Großeltern der kleinen Lärmverursacher suchen. Hilft das nichts, kann sich der Nachbar an den Vermieter wenden. Von diesem können Oma und Opa eine Abmahnung erhalten, im letzten Schritt droht sogar die Kündigung der Wohnung.
Dies gilt aber nur, wenn der Lärm tatsächlich vermeidbar wäre und nicht nur vom stänkernden Nachbarn subjektiv als solcher empfunden wird.

Mieter können zudem eine Mietminderung wegen des Lärms durchsetzen, wobei hier 10 Prozent als angemessen gelten. Dies aber nur, wenn es sich um vermeidbaren Kinderlärm innerhalb der Ruhezeiten handelt (Urteil des AG Neuss, Az.: WuM 88 264).

Eine Lärmbelästigung, die von einem Spielplatz ausgeht, muss hingenommen werden! Das gilt auch für den Lärm, der in Opas Garten entsteht, wenn die Enkel draußen toben.

Urteile zum Thema Kinderlärm

Die angebliche Lärmbelästigung durch Kinder beschäftigt die Gerichte immer wieder.
Auch die folgenden Urteile sind diesbezüglich ergangen:

  • Schreien eines Babys gehört zum hinnehmbaren Kinderlärm (Urteil des AG Bergisch-Gladbach vom 18.05.1982, Az.: 26 C 17(82)
  • Kinderlärm von Spielplätzen und Außenflächen ist hinzunehmen (Urteil des VerwG Neustadt vom 06.07.2007, Az.: 5 L 477/07.NW)
  • Spielplätze von Schulen dürfen auch außerhalb der Schulzeiten genutzt werden (Urteil des OVerwG Koblenz vom 27.09.2012, Az.: 7 K 985/11.KO)
  • Neubau eines Spielplatzes ist kein Verstoß gegen das Rücksichtnahmegebot (Urteil des VerwG Koblenz vom 06.11.2012, Az.: 1 K 642/12.KO und Urteil des VerwG Trier vom 23.01.2008, Az.: 5 K 505/07.TR)
  • Kinderlärm ist kein Kündigungsgrund (Urteil des LG Wuppertal vom 29.07.2008, Az.: 16 S 25/08)

Autor dieses Beitrages: Jürgen Busch
Aus dem Themenbereich: Großeltern

Großeltern Kategorie Übersicht

Unsere Beiträge zum Thema „Großeltern“

Unsere Kategorien:

Sämtliche Themen von A-Z
Sämtliche Themen von A-Z