Fast jedes Enkelkind hat heute mehrere Großeltern — väterlicherseits und mütterlicherseits, oft dazu Stiefgroßeltern. Zwischen den Großeltern-Paaren entstehen leicht Konkurrenz, Eifersucht und Streit. Es geht aber auch anders: Dieser Ratgeber zeigt, wie aus Rivalität ein gutes Miteinander zum Wohl der Enkel wird.
Kurz erklärt: väterlicherseits & mütterlicherseits
Großeltern väterlicherseits sind die Eltern des Vaters — also Oma und Opa von Papas Seite. Großeltern mütterlicherseits sind die Eltern der Mutter — Oma und Opa von Mamas Seite. Beide Paare gehören gleichberechtigt zur Familie des Enkelkindes; dazu kommen in vielen Familien noch Stiefgroßeltern aus neuen Beziehungen.
📑 Inhalt
👨👩👧 Die Beziehung zwischen den Großeltern-Paaren

In einer Welt, in der mehr als jede zweite Ehe geschieden wird, gibt es naturgemäß mehrere Großeltern: auf der einen Seite die „natürlichen“ Großeltern, auf der anderen die Stiefgroßeltern aus neuen Beziehungen. Während sich die Enkel ihren Lieblingsgroßeltern zuwenden, müssen die Erwachsenen oft mehr schlecht als recht miteinander auskommen.
Es bilden sich Rivalitäten, weil Kind und Enkel häufiger bei „den anderen“ sind. Doch es geht auch anders: Mit ähnlichen Interessen und Einstellungen verbringen verschiedene Großeltern durchaus freundschaftlich Zeit miteinander.
⚖️ Besser keine Rivalitäten aufbauen
Die einen nehmen das Enkelkind mit in den Urlaub, die anderen gehen ins Schwimmbad. Die einen laden zum Eis ein, die anderen schenken 100 Euro. Wenn Großeltern versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen und die Zuneigung der Enkel zu erkaufen, wird es schwierig. Kurzfristig finden die Enkel die großzügigen Großeltern toll — langfristig lernen sie nur, dass sich Forderungen bei der richtigen Person erfüllen lassen. Das bringt Erziehungsprobleme und Unmut in die Familie.
Großeltern sollten sich daher fragen, was sie mit einem Geschenk für das Enkelkind erreichen wollen: die Beziehung verbessern — oder die anderen übertrumpfen?
Ein Beispiel aus dem Familienalltag
Oma Ilse und Opa Werner nehmen Enkel Georg mit in den Urlaub und wollen sogar das Studium finanzieren. Oma Ella und Opa Fritz dagegen kommen mit ihrer Rente gerade so über die Runden und schenken nur Kleinigkeiten — haben aber, als Georg klein war, viel Zeit mit ihm verbracht.
Beide Paare haben Wertvolles gegeben: die einen Geld, die anderen Zeit und Erinnerungen. Trotzdem fühlen sich Ella und Fritz minderwertig. Besser wäre, aufeinander zuzugehen und anzuerkennen, was die jeweils anderen leisten.
Ideal ist es, sich bei Geschenken mit den Eltern abzustimmen — vielleicht sogar gemeinsam zu schenken, damit sich kein Paar benachteiligt fühlt. Bemerken die Eltern, dass Rivalität überhandnimmt, sollten sie ein klärendes Gespräch suchen, auch auf die Gefahr eines Streits hin.
📞 Kein oder ständiger Kontakt zu den anderen Großeltern
Manche Großeltern wünschen gar keinen Kontakt zu den anderen. Sind die Eltern etwa geschieden und ein Elternteil will nichts mehr mit den früheren Schwiegereltern zu tun haben, schläft der Kontakt meist ein — das lässt sich kaum durch Kommunikation ändern. Bestand vorher ein gutes Verhältnis, spricht aber nichts dagegen, es weiter zu pflegen.
Spätestens bei Familienfesten wird es heikel: Wenn man sich sonst meidet und kein Gespräch in Gang kommt, wird der Anlass unangenehm. Daher ist es sinnvoll, wenigstens höflich miteinander umzugehen.
Umgekehrt ist es schwierig, wenn ein Paar ständig einseitig Kontakt sucht. Hier können die Eltern vermitteln und deutlich machen, dass die Kontaktversuche zu viel sind. Hilft das nicht, müssen Oma und Opa selbst ein klärendes Gespräch führen — im Wissen, dass die anderen beleidigt reagieren könnten.
💥 Mögliche Streitpunkte zwischen Großeltern-Paaren
Im Mittelpunkt der Streitigkeiten stehen die Enkelkinder und das, was „die anderen“ ihnen zukommen lassen: zu viele Geschenke, zu viel Erlaubtes. Vielleicht darf das Enkelkind bei Oma 2 länger aufbleiben, als Oma 1 es gutheißt. Oder Opa 1 lässt den Enkel mit der Säge hantieren, obwohl er dafür nach Meinung von Oma 2 noch zu jung ist.
Häufig sind die Streitpunkte für sich genommen Kleinigkeiten — dahinter stehen Rivalitäten, die auf dem Rücken der Enkel ausgetragen werden. Das endet erst, wenn die Eltern ein Machtwort sprechen oder die Großeltern beginnen, das Vorhandensein der „anderen“ als Pluspunkt zu sehen.
💔 Was passiert mit den Großeltern, wenn sich die Eltern trennen?
Eine Trennung ist eine Ausnahmesituation für die ganze Familie. Großeltern, die nichts von der belastenden Lage mitbekommen haben, sind oft wie vor den Kopf geschlagen. Typischerweise stellen sie sich hinter das eigene Kind und sehen die Schuld beim Schwiegerkind — was es für die Enkel schwer macht, wenn plötzlich Mama oder Papa „allein schuld“ sein soll.
Wichtig ist, dass sich Großeltern heraushalten und nicht Partei ergreifen. Welche Gründe auch immer zur Trennung führten — es ist nicht ihre Aufgabe, die Ursachen zu klären. Sie sollen vielmehr eine Stütze für die Enkel sein, unparteiisch bleiben und für Stabilität sorgen. Vielleicht können sie mehr mit den Enkeln unternehmen und sie von der häuslichen Situation ablenken. Das gilt für beide Großeltern-Paare, die nun ihre Rivalitäten besonders zurückstellen müssen.
Womit Großeltern rechnen müssen: Der Weg zum Enkelkind führt weiterhin über das eigene Kind und das Schwiegerkind. Dieser Weg kann steinig werden, wenn ein Elternteil auch die Eltern des Ex-Partners ablehnt. Im Interesse des Enkelkindes lohnt es sich daher, zu beiden Elternteilen ein gutes Verhältnis zu pflegen.
😔 Hilfe, unser Kind mag uns nicht mehr!
Eltern werden zu Großeltern, bleiben aber immer Mama und Papa. Es tut weh, wenn der Kontakt zum eigenen Kind weniger wird und es sich verstärkt den Schwiegereltern zuwendet — vielleicht spricht es diese sogar mit „Mama“ und „Papa“ an. Verständlicherweise fühlt man sich zurückgesetzt. Spricht man die Tochter darauf an, reagiert sie womöglich verärgert und unterstellt Eifersucht.
Vorwürfe helfen hier nicht — sie lassen das Kind sich noch weiter zurückziehen. Was hilft, ist echtes Interesse: häufiger anrufen, im Gespräch nach Neuigkeiten fragen, auch nach denen, die die Schwiegereltern betreffen. Eifersucht oder Missgunst sollten dabei nicht durchscheinen. Werdet selbst aktiv, unternehmt Neues und berichtet davon. Und bei Familienfeiern: keine Rivalität, sondern Gemeinsamkeiten suchen. So schließt sich der Familienkreis und die Tochter steht nicht mehr als Spielball dazwischen.
🤝 Das kennzeichnet eine gute Beziehung zwischen Großeltern-Paaren
Niemand verlangt, dass die Großeltern-Paare beste Freunde werden — obwohl auch das vorkommt. Man trifft sich zu Spieleabenden, geht zu Konzerten oder fährt gemeinsam in den Urlaub. Gerade im Alter, wenn alte Kontakte weniger werden, kann eine funktionierende Beziehung zu den anderen Großeltern ein Gewinn sein. Klar ist aber auch: Nicht alle können beste Freunde sein, und manchmal versteht man sich menschlich einfach nicht.
Großeltern sollten die Chancen bei Familienfeiern und Enkel-Geburtstagen nutzen, um Kontakt aufzubauen. In Patchwork-Familien mit vielen Beteiligten ist das nicht immer leicht, doch meist finden sich Paare, die sich gut verstehen. Eine gute Großeltern-Beziehung lebt von offener Kommunikation ohne Vergleich und Wettbewerb: Es geht um die Vorteile, die das Enkelkind von beiden Seiten erhält — und darum, die Meinung der anderen zu respektieren.
❓ Häufige Fragen
Was bedeutet Großeltern väterlicherseits und mütterlicherseits?
Großeltern väterlicherseits sind die Eltern des Vaters (Oma und Opa von Papas Seite). Großeltern mütterlicherseits sind die Eltern der Mutter (Oma und Opa von Mamas Seite). Beide Paare gehören gleichberechtigt zur Familie des Enkelkindes.
Was tun bei Konkurrenz und Eifersucht zwischen Großeltern?
Sich nicht über Geschenke übertrumpfen, sondern anerkennen, was die anderen leisten — die einen geben Zeit, die anderen finanzielle Sicherheit. Hilfreich ist, Geschenke mit den Eltern abzustimmen oder gemeinsam zu schenken, damit sich kein Paar benachteiligt fühlt.
Mein Enkel findet „die andere Oma“ besser — was kann ich tun?
Zuneigung lässt sich nicht erkaufen, aber durch gemeinsame Zeit und echtes Interesse aufbauen. Wer auf Wettbewerb verzichtet und stattdessen verlässlich da ist, bleibt für das Enkelkind wertvoll — unabhängig vom Geldbeutel.
Wie sollten sich Großeltern bei einer Trennung der Eltern verhalten?
Sich heraushalten, nicht Partei ergreifen und für die Enkel ein ruhender Pol sein. Ein gutes Verhältnis zu beiden Elternteilen sichert den weiteren Kontakt zum Enkelkind — gerade weil der Weg zum Enkel über die Eltern führt.
Wie sollten sich die Großeltern-Paare zueinander verhalten?
Sie müssen keine besten Freunde werden, aber offen und ohne Vergleich kommunizieren. Familienfeiern und Enkel-Geburtstage sind gute Gelegenheiten, Gemeinsamkeiten zu finden und die Leistungen der anderen Seite zu respektieren.
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Beitrag von Jürgen Busch · Themenschwerpunkt: Familie · Zuletzt geprüft am 25.06.2026

