
Symbolbild, mit KI erstellt — keine realen Personen. Ein Ordner, ein Nachmittag im Monat — und die Familie muss im Ernstfall nicht suchen.
Wenn morgen etwas passiert — wüsste Deine Familie, wo Deine Vollmacht liegt, welche Medikamente Du nimmst, bei welcher Bank Du bist und wer den Hund nimmt? Die meisten von uns haben all das im Kopf, in drei Schubladen und einem Schuhkarton. Ein Notfallordner bringt es an einen Ort: nicht die Passwörter, nicht die Kontostände, sondern den Wegweiser, damit Ehepartner, Kinder oder ein Bevollmächtigter in den ersten Tagen handeln können. Hier steht, was hineingehört, was nicht, wo er stehen sollte — und eine Checkliste mit zwölf Registern zum Ausdrucken.
Hinweis: Diese Seite gibt Erfahrungen und allgemeine Informationen weiter — sie ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Angaben nach BGB, FamFG und den Empfehlungen der Verbraucherzentralen, Stand September 2026.
Kurz gesagt: Ein Notfallordner ist ein Wegweiser, kein Tresor: Er sagt, wo Unterlagen liegen und wer zuständig ist. Zwölf Register — von den Vollmachten über Gesundheit, Bank und Versicherungen bis zu den Enkeln —, ein Deckblatt mit den wichtigsten Nummern und eine Notfallkarte für die Brieftasche. Keine PINs, keine Passwörter. Ein Register pro Woche, und nach drei Monaten ist er fertig. Die Checkliste gibt es unten als PDF.
📋 Inhalt dieser Seite
Warum der Ordner wichtiger ist als das Testament
Das Testament regelt, was nach dem Tod geschieht. Der Notfallordner regelt die Zeit davor — und die ist für die Familie oft schwieriger: der Krankenhausaufenthalt, die Reha, die Wochen, in denen jemand die Post öffnen, die Miete überweisen und mit der Krankenkasse telefonieren muss. Wer dann nicht weiß, ob es eine Vorsorgevollmacht gibt und wo sie liegt, verliert Tage. Wer die Medikamentenliste nicht findet, gefährdet die Behandlung. Wer nicht weiß, dass ein Dauerauftrag für das Junior-Depot läuft, lässt das Konto ins Minus rutschen.
Der Ordner ist deshalb kein Vorsorgedokument im rechtlichen Sinn — er ist der Index zu allen anderen. Und er ist das, was Angehörige am häufigsten vermissen, wenn es so weit ist.
Die zwölf Register: was hineingehört
| Register | Was hinein soll (Auswahl) | Wofür es im Ernstfall gebraucht wird |
|---|---|---|
| 1 Persönliche Unterlagen | Ausweiskopie, Geburts- und Heiratsurkunde, Rentenversicherungsnummer, Krankenkassenkarte, Schwerbehindertenausweis, Pflegegrad | Behörden, Krankenhaus, Rentenversicherung |
| 2 Vollmachten und Verfügungen | Wo die Originale von Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsverfügung liegen; Bankvollmachten; Registernummer im Vorsorgeregister | Die ersten 48 Stunden — wer darf handeln? |
| 3 Gesundheit | Haus- und Fachärzte, aktueller Medikamentenplan, Allergien, Implantate, Diagnosen, Krankenkasse, Zusatzversicherungen, Pflegedienst | Notaufnahme, Klinik, Pflege |
| 4 Bank und Geld | Liste der Konten (Bank, Kontoart, wer verfügen darf), Depots, Sparverträge, Daueraufträge und Lastschriften, Kredite, Schließfach | Rechnungen weiter bezahlen, nichts platzen lassen |
| 5 Versicherungen | Je Police: Versicherer, Nummer, Ansprechpartner, Ablageort | Fristen für Meldungen einhalten |
| 6 Renten und Einkünfte | Rentenbescheide, Betriebsrente, Mieteinnahmen, letzter Steuerbescheid, Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein | Rentenversicherung, Finanzamt, Steuererklärung |
| 7 Wohnen und Eigentum | Mietvertrag oder Grundbuch, Versorger mit Kundennummern, Zweitschlüssel, Auto, Haustiere | Wohnung, Strom, Tiere versorgen |
| 8 Verträge und Abos | Handy, Zeitungen, Streaming, Vereine, Hausnotruf — mit Kündigungsfristen | Kündigen, was nicht mehr gebraucht wird |
| 9 Testament und Bestattung | Wo das Testament hinterlegt ist, Schenkungen mit Datum, Bestattungswünsche, Vorsorgevertrag, Benachrichtigungsliste | Der Erbfall — siehe Erben-Ratgeber |
| 10 Digitaler Nachlass | Liste der Online-Konten ohne Passwörter, wo der Passwortmanager liegt, Handy-PIN: wer sie kennt | Konten schließen, Fotos retten — siehe Digitaler Nachlass |
| 11 Für die Enkel | Notfallkontakte der Eltern, Arzt-Vollmacht für die Enkel, was für die Enkel angelegt ist | siehe unten |
| 12 Menschen und Adressen | Familie, Freunde, Nachbarn, wer den Schlüssel hat, Pfarrer, Handwerker, Anwalt, Notar | Die Anrufliste für den ersten Tag |
Jedes Register bekommt ein Trennblatt und, wo es passt, eine Kopie des Dokuments — oder nur den Hinweis, wo das Original liegt. Ein dicker Ordner ist kein Ziel; ein vollständiger Wegweiser schon.
Was nicht hineingehört
- Passwörter, PINs, TANs. Der Ordner soll gefunden werden — auch von Menschen, denen Ihr nicht alles anvertrauen würdet. Hinein gehört nur: „Passwörter im Passwortmanager, Zugang kennt Tochter Anna.“
- Kontostände und Vermögensaufstellungen. Die Bank nennt sie dem Bevollmächtigten. Im Ordner reicht die Liste der Konten.
- Originale, die anderswo besser liegen. Das Testament gehört in die amtliche Verwahrung beim Amtsgericht (rund 75 Euro einmalig) oder zum Notar; im Ordner steht nur, wo. Die Vorsorgevollmacht dagegen sollte greifbar sein — bei der bevollmächtigten Person oder im Ordner selbst, nie im Bankschließfach.
- Alte Fassungen. Wer die Patientenverfügung erneuert, vernichtet die alte. Zwei widersprüchliche Dokumente im Ordner sind schlimmer als keins.
Wo der Ordner steht — und wer es weiß
Nicht im Schließfach, nicht im Keller hinter den Weckgläsern, nicht „irgendwo im Büro“. Der beste Platz ist ein fester, sichtbarer Ort im Wohnbereich — das Regal im Flur, die unterste Schublade des Sekretärs —, den zwei Menschen kennen: der Ehepartner und ein Kind. Bei Ehepaaren empfehle ich zwei Ordner nebeneinander, einen je Person; vieles ist gemeinsam, aber Vollmachten, Verfügungen und Wünsche sind persönlich.
Die Notfallkarte: Ein Zettel im Portemonnaie neben dem Ausweis: „Ich habe eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung. Bevollmächtigt ist …, Telefon …, der Notfallordner liegt …“ Wer Euch nach einem Sturz findet, weiß dann, wen er anruft. Die Karte ist Teil der Checkliste unten.
Das Enkel-Register: was Großeltern besonders brauchen
Register 11 gibt es in keinem Muster der Verbraucherzentralen — es ist das Großeltern-Register. Wer regelmäßig Enkel betreut, trägt Verantwortung, die im Notfall in beide Richtungen wirkt: Was ist mit dem Enkelkind, wenn uns etwas passiert, während es bei uns ist? Und was ist mit dem, was wir für die Enkel aufgebaut haben?
- Notfallkontakte der Eltern jedes Enkelkindes — Handy, Arbeitsstelle, eine zweite Person. Wenn Oma mit dem Enkel im Krankenhaus landet, müssen die Rettungskräfte wissen, wen sie anrufen.
- Vollmacht der Eltern für Arztbesuche. Großeltern dürfen ohne Vollmacht keine Behandlung des Enkelkindes veranlassen — außer im akuten Notfall. Ein formloses, unterschriebenes Blatt der Eltern („Wir bevollmächtigen …, in unserer Abwesenheit ärztliche Behandlungen für unser Kind … zu veranlassen“) plus Kopie der Versichertenkarte des Kindes gehört in den Ordner — und eine Kopie ins Handschuhfach.
- Kinderarzt, Allergien, Medikamente der Enkel, die bei Euch übernachten.
- Was für die Enkel angelegt ist — Junior-Depot, Sparbuch, Versicherung, Dauerauftrag — mit dem Hinweis, wer davon weiß. Sonst läuft der Dauerauftrag ins Leere oder das Sparbuch wird nie gefunden. Wie man das anlegt: Sparen für Enkelkinder.
- Erinnerungsstücke: Wer die Taschenuhr bekommen soll und wer die Briefmarkensammlung — kein Testament, nur ein Wunsch, der Streit erspart.
Checkliste zum Ausdrucken
📄 Notfallordner-Checkliste (PDF, 4 Seiten)
Deckblatt mit den wichtigsten Nummern, die zwölf Register mit Ankreuzkästchen, zwei Notfallkarten für die Brieftasche und die sieben Regeln für den Ordner. Ausdrucken, in einen Ordner heften, losgehen.
Checkliste herunterladen (PDF)
Kostenlos, ohne Anmeldung. Alle Vorlagen von grossvater.de: Zum Ausdrucken.
Einmal im Jahr: der Ordner-Tag
Ein Notfallordner veraltet leise. Deshalb ein fester Termin im Jahr — ich empfehle den Tag, an dem der Rentenanpassungsbescheid kommt, Anfang Juli. Dann werden Rentenbescheid, Medikamentenplan, Versicherungsliste und Kontakte nachgezogen, das Datum kommt aufs Deckblatt, und die Patientenverfügung bekommt ihre Bestätigungsunterschrift. Nach großen Ereignissen — Umzug, Todesfall, neues Enkelkind, neue Diagnose — außer der Reihe.
Und dann das Wichtigste: Einmal die Kinder durch den Ordner führen. Eine halbe Stunde am Küchentisch, Register für Register. Es ist kein angenehmes Gespräch, aber es ist eines, für das Euch die Kinder später dankbar sein werden — und die Enkel auch.
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❓ Häufige Fragen
Was gehört in einen Notfallordner?
Alles, was Angehörige brauchen, um in den ersten Tagen zu handeln: Wo Vollmachten und Verfügungen liegen, Ärzte und Medikamente, Konten und Versicherungen mit Ansprechpartnern, Renten, Verträge, Wohnung, Testament-Hinterlegung, digitaler Nachlass, Kontakte — und bei Großeltern ein eigenes Register für die Enkel. Keine Passwörter und keine PINs.
Wo bewahrt man den Notfallordner auf?
An einem festen Ort in der Wohnung, den Ehepartner und ein Kind kennen — nicht im Bankschließfach, weil dort im Ernstfall niemand herankommt. Eine Notfallkarte in der Brieftasche verweist auf den Ordner und die bevollmächtigte Person.
Gehört das Testament in den Notfallordner?
Nur der Hinweis, wo es liegt. Das Original gehört in die amtliche Verwahrung beim Amtsgericht oder zum Notar — so ist sicher, dass es gefunden und eröffnet wird. Die Vorsorgevollmacht dagegen sollte im Ordner oder bei der bevollmächtigten Person greifbar sein.
Wie oft sollte man den Notfallordner aktualisieren?
Einmal im Jahr an einem festen Termin, dazu nach jedem großen Ereignis: Umzug, Todesfall, neues Enkelkind, neue Bank, neue Diagnose. Das Datum der letzten Prüfung gehört aufs Deckblatt.
Brauchen Großeltern eine Vollmacht für Arztbesuche mit dem Enkelkind?
Ja, außer im akuten Notfall. Eine formlose, von den Eltern unterschriebene Vollmacht mit Kopie der Versichertenkarte des Kindes reicht in der Praxis; sie gehört in den Notfallordner und als Kopie ins Auto.
Quellen und Stand
Empfehlungen der Verbraucherzentralen und des Bundesministeriums der Justiz zu Vorsorgedokumenten und ihrer Aufbewahrung · §§ 2248, 2258a BGB, § 347 FamFG (besondere amtliche Verwahrung von Testamenten, Gebühr 75 € nach GNotKG KV 12100) · Bundesnotarkammer: Zentrales Vorsorgeregister. Die Checkliste ist eine eigene Zusammenstellung für Großeltern und ersetzt keine Rechtsberatung. Geprüft am 02.09.2026.
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Haftungsausschluss
Die Inhalte dieser Seite habe ich mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen zusammengestellt. Sie geben allgemeine Informationen und persönliche Erfahrungen wieder und ersetzen keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Steuerliche Freibeträge, Gesetze und Fördermöglichkeiten ändern sich zudem laufend – trotz sorgfältiger Recherche kann ich daher keine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben übernehmen.

