Aus meinem Opa-Enkel-Tagebuch.
Auf dem Küchentisch steht ein Karton nach Südtirol. Meine Eltern haben nach dem Krieg Pakete aus Amerika bekommen, später haben wir welche in die DDR geschickt — und diese Woche habe ich beim Packen an die vergangenen Zeiten gedacht.
Auf dem Küchentisch steht ein offener Karton. Das meiste liegt schon drin: ein Holzpuzzle, zwei Bücher, ein Quizspiel, bunte Bauklötze. Ganz oben kommt noch ein Brief dazu, den ich mit der Hand geschrieben habe. Dann geht der Deckel zu. Das Paket geht nach Südtirol.
Pakete packen ist in unserer Familie eine alte Angelegenheit. Ich bin die dritte Generation, die das tut — nur hat sich die Richtung zweimal gedreht.
Nach dem Krieg bekamen meine Eltern Pakete aus den Vereinigten Staaten. CARE-Pakete hießen sie. Drin war das, was es nicht gab: Schweineschmalz, Honig, Kakao, Vollmilchpulver, Schokolade, Aprikosen in der Dose. Meine Mutter hat später vom Kaugummi erzählt, den sie zum ersten Mal im Leben in der Hand hielt.
Zehn Millionen CARE-Pakete kamen nach Deutschland
Das erste CARE-Paket erreichte Deutschland am 15. Juli 1946. Insgesamt gingen rund zehn Millionen davon nach Deutschland, weltweit über hundert Millionen — allein nach Berlin bis 1960 drei Millionen. Ein Paket brachte etwa 40.000 Kilokalorien mit, genug für eine Familie um über mehrere Wochen zu überleben. Gegründet hatten das Hilfswerk 22 amerikanische Wohlfahrtsverbände.
Dann kam die Zeit, in der wir die Pakete packten. Ein Teil unserer Verwandtschaft lebte in der DDR, und zu jedem Geburtstag, zu Weihnachten, manchmal einfach so ging ein Paket über die Grenze. Kaffee. Schokolade. Strumpfhosen. Dinge, die bei uns im Regal damals standen und aber drüben halt nicht.
Das war kein beliebiges Verschicken. Zwölf Sendungen im Jahr waren erlaubt, mehr nicht. Es gab Mengengrenzen — zeitweise 250 Gramm Kaffee und 300 Gramm Schokolade pro Paket. Konserven waren ab 1955 verboten, Medikamente nur mit Rezept, Kleidung brauchte eine Bescheinigung. Und man wusste: Das Paket wird geöffnet. Nicht vielleicht, sondern wahrscheinlich. Was dem Zoll nicht passte, wurde einbehalten, ersatzlos.
Und es ging auch in die andere Richtung. Aus der DDR kam zurück, was es dort gab und bei uns so nicht: selbstgebackener Stollen zu Weihnachten, Nussknacker und Schwibbögen, Bücher, gehäkelte Decken. Und Baumkuchen — der ließ sich gut verschicken; der aus Salzwedel hatte bei uns einen besonderen Ruf. Auch dafür gab es eine Vorschrift: Was aus der DDR in den Westen ging, durfte ab 1955 nicht mehr als dreißig Mark wert sein.
Meine Großmutter hat mir einmal einen echten Baumkuchen versprochen. Geschickt hat sie ihn nie. Der Wille zählte trotzdem — und dass ich mich bis heute daran erinnere, sagt mehr über Pakete als jede Portotabelle.
In den fünfziger Jahren gingen schätzungsweise vierzig Millionen solcher Pakete pro Jahr von West nach Ost, in den achtziger Jahren waren es noch knapp fünfundzwanzig Millionen. Jedes einzelne davon hat jemand an einem Küchentisch gepackt. So wie ich jetzt.
Und nun sitze ich hier mit einem Karton für mein Enkelkind in Südtirol. Keine Grenze, kein Zoll, keine Mengengrenze — Italien ist ein EU-Land und damit ist Südtirol ein ganz normaler Versandort. Das letzte Paket hat übrigens über zwanzig Euro gekostet und war fast zwei Wochen unterwegs.
Zwanzig Euro für einen Karton, in dem Dinge liegen, die zusammen kaum mehr wert sind. Und zwei Wochen für eine Strecke, die ich mit dem Auto an einem Tag fahre. Da habe ich angefangen nachzurechnen.
Am Zoll liegt es jedenfalls nicht, den gibt es innerhalb der EU nicht. Es ist die Übergabe: Die Post bringt das Paket bis nach Italien und gibt es dort an einen Partner ab, der es austrägt. Jede Übergabe kostet Zeit, und in der Sendungsverfolgung entsteht genau dort das Loch, in dem man tagelang nichts sieht. Kommt die Vorweihnachtszeit dazu und war beim ersten Zustellversuch niemand zu Hause, liegt der Karton schnell eine Woche in einer Filiale im Tal, ohne dass irgendetwas kaputt wäre. Er liegt eben.
Ein Paket nach Italien — online frankiert
| Anbieter | klein | mittel | groß | Laufzeit |
|---|---|---|---|---|
| Deutsche Post / DHL | 14,49 € | 17,49 € | 22,49 € | 2–4 Werktage |
| GLS | 9,70 € | 16,00 € | 21,00 € | 2–3 Tage |
| Hermes | 8,99 € | 15,49 € | 20,49 € | 6–8 Werktage |
| DPD | 13,40 € | 19,30 € | 23,50 € | 2 Werktage |
Stand: 14. Oktober 2026, jeweils der Preis bei Buchung im Internet. Bei der Post zählt das Gewicht (bis 2, bis 5 und bis 10 Kilo), bei GLS, Hermes und DPD die Größe des Kartons. Am Schalter oder im Shop wird es überall ein bis drei Euro teurer. Die Laufzeiten sind unverbindliche Angaben der Anbieter, keine Zusagen. Preise ändern sich — vor dem Verschicken bitte selbst nachsehen.
Hermes ist zwar am billigsten, gibt aber selbst sechs bis acht Werktage an.
Ich nehme künftig GLS — nicht wegen der paar Euro, sondern weil GLS in Italien mit eigenem Netz zustellt, statt das Paket an einen Partner weiterzureichen. Und: Bei GLS, Hermes und DPD zählt die Größe des Kartons, nicht das Gewicht. Kompakt und schwer packen ist dort günstiger als groß und luftig.
Frankiere online statt am Schalter, das spart bis zu drei Euro, und gib unbedingt Handynummer und E-Mail des Empfängers mit an — nur dann kann der Zusteller im Ausland anrufen oder umleiten, statt das Paket liegen zu lassen.
Eins hat sich in drei Generationen nicht geändert, und das ist der eigentliche Grund, warum ich das hier aufschreibe. Meine Mutter hat den Kaugummi aufgehoben, statt ihn zu kauen, weil das Kaugummi nicht ihre Sache war. Unsere Verwandten in der DDR haben wegen des Kaffees auf die Pakete gewartet.
Mein Enkel wird das Quizspiel in drei Tagen auswendig können. Den Brief, den ich dazugelegt habe, hebt vielleicht seine Mutter auf. Deshalb kommt in jedes Paket etwas Handgeschriebenes. Das kostet nichts, wiegt nichts — und es ist häufig das Einzige, was den Eltern Freude bereitet.
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Bis zur nächsten Woche – euer Opa Jürgen
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