Mein wöchentliches Tagebuch: kleine Momente aus dem Alltag mit meinen Enkeln. Jede Woche veröffentliche ich mindestens einen neuen Eintrag.

Opas Tagebuch: Eine Armbanduhr und die einzige Schultüte Südtirols

Kinderarm mit blauer Armbanduhr auf einem aufgeschlagenen Buch

Die Uhr aus Südtirol, ein paar Wochen später am Küchentisch. Unser eigenes Foto — Gesichter zeigen wir hier nicht, und was er da liest, bleibt unscharf.

Fünf Enkelkinder, fünf Einschulungen. Bei der fünften, in Südtirol, haben wir wieder die Eltern gefragt, was sollen wir schenken. Diesmal war es eine Armbanduhr — und unser Enkelkind war das einzige Kind weit und breit mit einer Schultüte.

Das Bild ganz oben ist ein paar Wochen später entstanden, an einem ganz gewöhnlichen Nachmittag. Kein Festtag, kein Anlass — die Uhr ist einfach am Arm, während er in einem Buch liest, das mit Schule nicht das Geringste zu tun hat. Genau daran erkennt man ein gelungenes Geschenk: Man sieht es nicht mehr im Geschenkpapier, sondern im Alltag.

Der Einwand, den ich von anderen Großeltern kenne, lautet: Dann ist doch die Überraschung weg. Ist sie nicht. Überrascht werden soll das Kind — und das Kind weiß nicht, dass wir die Eltern gefragt haben.

Warum die Einschulung erst im September war

Wer Enkel in Südtirol hat, plant anders. Die Sommerferien dauern dort vom 17. Juni bis zum 6. September 2026, der erste Schultag war der 7. September. Das sind einundachtzig Tage — fast drei Monate.

Warum das so ist, darüber wird vor Ort gern gestritten. Was man hört: ein Land, das von Landwirtschaft und Tourismus lebt, hatte lange gute Gründe, die Kinder im Sommer nicht in der Schule zu haben — auf dem Hof und im Betrieb wurde jede Hand gebraucht. Ob das heute noch trägt, darüber diskutieren sie dort selbst.

Für uns hatte es einen ganz praktischen Vorteil: Der Termin lag lange nach allen deutschen Einschulungen. Wir konnten in Ruhe nach Südtirol anreisen, ohne dass sich dieser Termin mit der Einschulung in Hamburg überschnitten hätte.

Die einzige Schultüte weit und breit

Dann standen wir da. Und unser Enkelkind hatte als einziges Kind eine Schultüte im Arm.

Der erste Gedanke war ein kleiner Schreck: Haben wir etwas falsch gemacht? Der zweite war Stolz. Der dritte kam erst zu Hause, als ich nachgelesen habe — und der war der interessanteste.

Die Schultüte ist nämlich kein allgemeiner Brauch, sondern ein deutscher. Sie taucht um 1810 in Sachsen auf, 1817 in Jena, 1852 erscheint in Dresden ein „Zuckertütenbuch für alle Kinder“. Ab 1910 wird sie im Erzgebirge industriell hergestellt. Und dann geht es langsam: 1932 war sie im süddeutschen Sprachraum noch unbekannt, in Westbayern setzte sie sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch. In Österreich und der Schweiz gibt es sie nur vereinzelt.

Über die Grenze nach Italien ist sie nie gewandert. Die anderen Eltern hatten also nichts vergessen — der Brauch ist dort schlicht nie angekommen. Wer eine Schultüte mitbringt, bringt ein Stück Herkunft mit.

Kirche statt Turnhalle, Restaurant statt Kaffeetafel

Der offizielle Teil fand nicht in der Schule statt, sondern in der Kirche. Kein Mikrofon in der Aula, keine Nummern auf Stuhlreihen — ein Gottesdienst für die Schulanfänger, mit allem, was dazugehört.

Gefeiert wurde danach in einem italienischen Restaurant mit Blick in die Berge. Und da ist mir etwas aufgefallen, das ich vorher nicht gewusst hätte: Der Ort macht das Programm überflüssig. Wir hatten keine Spiele vorbereitet, keine Schatzsuche, keine Bastelstation. Die Kinder waren draußen, die Erwachsenen saßen lange, und niemand hat etwas vermisst.

Wer daheim in einem Wohnzimmer oder Garten feiert, braucht mehr Struktur — dafür haben wir den Komplett-Guide zur Einschulungsfeier mit Ideen, Spielen und Checkliste. Aber wenn Ihr die Wahl habt: Ein Ort, an dem Kinder von allein etwas zu tun finden, ist mehr wert als jede Programmplanung.

Was wir nach fünf Einschulungen anders machen

  • Ein Geschenk statt drei. Ein gutes Ding wird benutzt. Drei mittelmäßige werden gezählt.
  • Vorher die Eltern fragen. Sie wissen, was gewünscht ist, und sie wissen, was die anderen schon schenken.
  • Etwas, das mitwächst. Eine Uhr, ein Werkzeug, ein Instrument, ein guter Füller. Nichts, was zum Schuljahresende verbraucht ist.
  • Lieber Qualität als Menge. Das gleiche Geld, anders verteilt.
  • Und einmal etwas, das man nicht auspacken kann. Ein Gutschein für einen Tag zu zweit. Der wird später erinnert, wenn die Uhr längst zu klein ist.

Wenn Ihr noch sucht: Wir haben die Ideen gesammelt unter Geschenke zur Einschulung für das Enkelkind — und speziell für Enkelsöhne unter Einschulungsgeschenke für Jungs. Wie der ganze Tag abläuft und wo Großeltern sich einbringen können, steht in unserem Fahrplan zur Einschulung.

😄 Opas Witz zum Schluss: Fragt die Lehrerin am ersten Schultag: „Wer kann mir sagen, wie viel Uhr es ist?“ Meldet sich unser Enkel, schaut lange auf sein Handgelenk und sagt: „Neu.“

📖 Teil meines Opa-Enkel-Tagebuchs — alle Wocheneinträge stehen in der Übersicht.

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Opas Tagebuch: „Nicht jetzt!“ — doch, genau jetzt

Drei Generationen unter dem Ballonbogen – Familienfoto zur Einschulung, Gesichter mit Herzen unkenntlich gemacht

Familienfoto zur Einschulung der jüngsten Enkeltochter, August 2026. Die Herzen sind Absicht: Nicht jeder möchte im Internet zu sehen sein.

„Nein, nicht jetzt!“ — kein Satz fällt auf unseren Familienfeiern verlässlicher als dieser. Warum ich trotzdem jedes Mal auf dem gemeinsamen Foto bestehe und wieso danach immer noch ein zweites gemacht wird. Aus meinem Opa-Enkel-Tagebuch.

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten HändenBeitrag von Jürgen Busch

Opa-Enkel-Tagebuch · Wocheneintrag

Es gibt einen Satz, der bei uns auf jeder Familienfeier fällt, so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich sage meistens: „So, wir müssen noch ein gemeinsames Familienfoto machen.“ Und irgendjemand antwortet immer: „Nein, nicht jetzt!“

Nicht jetzt — die Kinder spielen gerade. Nicht jetzt — der Kaffee ist noch heiß. Nicht jetzt — ich unterhalte mich gerade so schön. Ich kenne alle Varianten, ich habe sie alle schon gehört. Und ich bestehe trotzdem darauf, jedes Mal. Denn ich weiß, was man erst mit den Jahren lernt:

Das Foto, das man nicht gemacht hat, fehlt für immer.

Unsere Kinder kennen unsere Vermögenssituation.

Bei uns gibt es feste Anlässe, an denen fast immer ein Familienfoto entsteht, ob es passt oder nicht: Weihnachten, Ostern, Silvester, die Einschulungen, die runden Geburtstage und einmal im Jahr das große Familientreffen, das bei uns immer an einem anderen Ort stattfindet.

Erst Cheese, dann Quatsch

Über die Jahre hat sich ein Ritual entwickelt, mit dem selbst die größten Fotomuffel mitmachen. Es werden immer zwei Fotos gemacht.

Das erste ist das ordentliche: Alle schauen in die Kamera, keiner blinzelt, es wird „Cheese“ gesagt. Das ist dann das Bild für den Bilderrahmen und fürs Fotobuch.

Und dann kommt das zweite: das Quatschfoto. Grimassen, Hasenohren, die Zunge raus, einer springt, einer fällt fast um. Ich verspreche Euch: Auf dieses Kommando hin stellt sich jedes Familienmitglied sofort freiwillig auf. Die Kinder lieben es sowieso — aber schaut einmal, was mit den Erwachsenen passiert. Wer eben noch „Nicht jetzt“ gesagt hat, macht die albernste Figur von allen. Und das eigentliche Geheimnis: Das beste Bild entsteht meistens dazwischen — in der Sekunde, in der alle über das Quatschfoto lachen und keiner mehr posiert.

Das Foto oben ist von der Einschulung der jüngsten Enkeltochter in diesem August — drei Generationen unter einem Ballonbogen. Die Herzen habe ich über die Gesichter gelegt, denn nicht jeder in der Familie möchte im Internet zu sehen sein, und das respektiere ich natürlich sofort. Aber Ihr seht auch so, worum es geht.

Und was passiert nach dem Klick?

Das ist die Frage, an der die meisten Familienfotos scheitern — nicht an der Aufnahme, sondern danach. Meine Empfehlung: Die Bilder sollten unbedingt noch am selben Abend in die Familiengruppe gepostet werden. Die schönsten Aufnahmen des Jahres wandern dann in unser Fotobuch.

📊 Wusstest Du schon?

Das Zentrale Testamentsregister gibt es erst seit dem 1. Januar 2012. Anfang 2022 waren dort bereits über 22 Millionen Urkunden verzeichnet, und das Register gleicht rund eine Million Sterbefälle im Jahr ab. Wer sein handschriftliches Testament in die amtliche Verwahrung gibt, muss sich um den Registereintrag übrigens nicht selbst kümmern — das Gericht meldet es weiter.
Quelle: Bundesnotarkammer, Meldung vom 03.01.2022 · Zentrales Testamentsregister, Hilfebereich. Abgerufen am 16.08.2026.

Auf den meisten Familienfotos fehlt immer dieselbe Person: die, die fotografiert. Selbstauslöser oder Serienbild-Funktion lösen das Problem — Handy anlehnen, zehn Sekunden, und zum ersten Mal sind wirklich alle auf dem Bild. Auch der Fotograf.

👉 Zum Nachmachen: So wird das Familienfoto zur leichtesten Übung des Tages.

Erstens: Kündigt immer beide Fotos an — erst das ordentliche, dann das Quatschfoto. Wer weiß, dass der Spaß gleich kommt, hält das „Cheese“ gern durch.

Zweitens: Nutzt den Selbstauslöser oder bittet jemanden — damit auch der Fotograf einmal mit auf dem Bild ist. Sonst fehlt auf allen Fotos eines Jahrzehnts immer derselbe Mensch.

Drittens: Noch am selben Abend in die Familiengruppe posten — und die schönsten Bilder des Jahres ins Fotobuch. Ein Foto, das keiner je wiedersieht, ist fast so schade wie eines, das nie gemacht wurde.

Wer es genauer wissen will: Ich habe aufgeschrieben, welche Bilder einer Familie später wirklich fehlen — es sind übrigens meistens nicht die gestellten Fotos — und wie man Familienfotos so aufbewahrt, dass sie auch in zwanzig Jahren noch da sind.

😄 Opas Witz zum Schluss: Sagt die Oma beim Betrachten der Handybilder: „Früher haben wir unsere Fotos entwickeln lassen.“ Fragt der Enkel: „Und? Was ist aus ihnen geworden?“ — Mehr davon in unserer Sammlung mit Witzen für Kinder.

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