Hinterlegungsschein des Nachlassgerichts beim Amtsgericht Hamburg über ein eigenhändiges Testament, auf einem Holztisch liegend; persönliche Angaben sind geschwärzt

Der Hinterlegungsschein des Amtsgerichts Hamburg. Persönliche Angaben sind unkenntlich gemacht.

Es gibt Dinge, die man vor sich herschiebt, weil sie unangenehm klingen — und die sich hinterher als das Gegenteil herausstellen. Bei mir war das das Testament. Heute liegt es an einem sicheren Ort, und der Teil, vor dem ich den meisten Respekt hatte, war am Ende der leichteste.

Aus meinem Opa-Enkel-Tagebuch.

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten HändenBeitrag von Jürgen Busch

Opa-Enkel-Tagebuch · Wocheneintrag

Mein Testament liegt in der besonderen amtlichen Verwahrung beim Nachlassgericht des Amtsgerichts Hamburg. Und es steht im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer.

Das eine ohne das andere wäre nur halb gemacht. Das Register verwahrt nichts — es weiß nur, dass es ein Testament gibt und wo es liegt. Verwahrt wird beim Gericht. Stirbt jemand, gleicht das Register den Sterbefall ab und benachrichtigt das zuständige Nachlassgericht. Die Urkunde findet also von allein ihren Weg. Niemand muss in Schubladen suchen, niemand muss sich an einen Satz erinnern, den ich vor Jahren einmal gesagt habe.

Genau darum ging es mir. Ein Testament im Schreibtisch ist kein Testament, sondern ein Zettel, den jemand finden muss.

Was ich rückblickend für den wichtigsten Teil halte, steht allerdings in keinem Formular: die Reihenfolge der Gespräche.

Zuerst habe ich mit meiner Frau gesprochen. Bevor irgendetwas aufgeschrieben wurde, mussten wir beide wissen, was wir eigentlich wollen. Aus diesem Gespräch ist dann etwas entstanden, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Ich habe aufgeschrieben, was geholfen hat und was eher hinderlich gewesen wäre. Daraus ist ein eigener Beitrag geworden — Mit den Kindern übers Erben sprechen.

Danach kamen die Kinder. Offen und sachlich — beides gehört zusammen, und beides ist schwerer, als es klingt. Offen heißt: keine Andeutungen. Sachlich heißt: keine Vorwürfe, in keine Richtung.

In diesen Gesprächen ist eine Einigung über die Verteilung erzielt worden. Und noch etwas, das mir am Ende wichtiger ist als das Papier beim Amtsgericht:

Unsere Kinder kennen unsere Vermögenssituation.

Das ist kein Nebensatz. Der häufigste Erbstreit entsteht nicht am Geld, sondern daran, dass jemand aus dem Testament erfährt, was er zu Lebzeiten hätte hören sollen. Eine ungleiche Verteilung, die vorher erklärt wurde, hält jeder aus. Dieselbe Verteilung, nach der Beerdigung vorgelesen, ist eine Kränkung.

📊 Wusstest Du schon?

Das Zentrale Testamentsregister gibt es erst seit dem 1. Januar 2012. Anfang 2022 waren dort bereits über 22 Millionen Urkunden verzeichnet, und das Register gleicht rund eine Million Sterbefälle im Jahr ab. Wer sein handschriftliches Testament in die amtliche Verwahrung gibt, muss sich um den Registereintrag übrigens nicht selbst kümmern — das Gericht meldet es weiter.
Quelle: Bundesnotarkammer, Meldung vom 03.01.2022 · Zentrales Testamentsregister, Hilfebereich. Abgerufen am 16.08.2026.

👉 Zum Nachmachen: Drei Schritte, in dieser Reihenfolge.
Erstens mit dem Partner reden, bevor irgendetwas aufgeschrieben wird.
Zweitens das Testament errichten — handschriftlich geht, es muss nur vollständig von Hand geschrieben und unterschrieben sein.
Drittens es beim Nachlassgericht in die besondere amtliche Verwahrung geben. Das kostet einmalig 82 Euro, dazu rund 13 bis 16 Euro für den Registereintrag, den das Gericht dann selbst veranlasst. Danach die Kinder zusammenholen. Nicht umgekehrt.

😄 Opas Witz zum Schluss: Fragt der Enkel: „Opa, erbe ich eigentlich mal dein Fahrrad?“ Sage ich: „Wenn du weiter so bremst — ja, aber ohne Bremsen.“ Mehr davon gibt es bei den Witzen für Kinder.

Bis zur nächsten Woche — euer Opa Jürgen

📖 Teil meines Opa-Enkel-Tagebuchs — alle Wocheneinträge stehen in der Übersicht.

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Mit den Kindern übers Erben sprechen

Der Leitfaden, der aus unserem Gespräch entstanden ist.

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Acht Ziele, acht Mittel — und jeweils der Haken dazu.

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Testament, Pflichtteil, Schenkung — die Übersicht.

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