Im Alter noch einmal die große Liebe finden — schön! Doch eine neue Ehe verändert die Erbfolge oft tiefgreifend, und genau darüber macht sich in der Verliebtheit kaum jemand Gedanken. Hier erkläre ich Dir, was ohne Testament passiert, wie sich das Erbe der Kinder verschiebt und wie Du sowohl Deinen neuen Partner als auch Deine Kinder fair absichern kannst.
ℹ️ Bitte beachte: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Für Deinen konkreten Fall sind ein Notar oder ein Fachanwalt für Erbrecht die richtige Adresse. Alle Angaben gelten für Deutschland, Stand 2026.
📑 Inhalt
💍 Wie eine neue Ehe die Erbfolge ändert
Mit der Heirat wird der neue Ehepartner automatisch gesetzlicher Erbe und pflichtteilsberechtigt. Ohne Testament erbt er bei der üblichen Zugewinngemeinschaft die Hälfte des Nachlasses — die andere Hälfte teilen sich die Kinder. Vor der Heirat hätten die Kinder noch alles geerbt.
Ein Beispiel
Herr Friedrich hinterlässt ein Haus (400.000 €) sowie Bargeld und Wertpapiere (120.000 €). Seine zweite Ehefrau hat Anspruch auf die Hälfte — also 260.000 €, und damit auch auf den halben Wert des Hauses. Die Kinder, die in diesem Haus aufgewachsen sind, müssen die Witwe nun auszahlen oder das Elternhaus verkaufen. Hätte Herr Friedrich nicht erneut geheiratet, hätten die Kinder alles geerbt.
⚠️ Das Risiko fürs Familienvermögen
Heikel wird es, wenn der neue Partner Deinen Anteil erbt und später selbst verstirbt: Dann fließt Dein Vermögen über ihn an seine Erben — also etwa an die Kinder, die er mit in die Ehe gebracht hat. So kann am Ende ein erheblicher Teil Deines Vermögens bei Menschen landen, mit denen Du gar nicht verwandt bist, während Deine eigenen Kinder das Nachsehen haben. Genau das lässt sich mit den folgenden Gestaltungen verhindern.
🏡 Das Elternhaus sichern
Gerade Immobilien sind schwierig, weil ihr Wert nicht in bar vorliegt. Eine bewährte Lösung: Du überträgst das Haus per Testament den Kindern und räumst Deinem neuen Partner zugleich ein Wohnrecht oder einen Nießbrauch ein. So ist der Partner abgesichert und kann im gemeinsamen Heim wohnen bleiben, während den Kindern das Elternhaus erhalten bleibt.
🔒 Nacherbschaft: beide Seiten absichern
Eine elegante Variante ist die Vor- und Nacherbschaft. Dein Partner wird Vorerbe: Er darf das Vermögen nutzen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, es aber nicht verschenken, verkaufen oder weitervererben. Nach seinem Tod fällt dieser Teil an Deine Kinder als Nacherben. So ist der Partner zu Lebzeiten versorgt — und Dein Vermögen bleibt für die eigenen Kinder gesichert.
📝 Per Testament die Erbquote anpassen
Mit einem Testament kannst Du die Quoten in gewissem Rahmen selbst bestimmen — zum Beispiel Deinem Kind 60 statt der gesetzlichen 50 Prozent zuwenden. Die Grenze ist der Pflichtteil des neuen Ehegatten, der nicht entzogen werden kann.
Wie hoch dieser Pflichtteil ausfällt, hängt vom Güterstand ab. Neben Kindern liegt er bei der Zugewinngemeinschaft rechnerisch zwischen einem Achtel (sogenannter kleiner Pflichtteil) und einem Viertel des Nachlasses (großer Pflichtteil) — je nachdem, wie der Zugewinnausgleich berücksichtigt wird. Hier lohnt sich anwaltlicher Rat.
Ein Beispiel
Peter hat ein Kind aus erster Ehe und heiratet Luise. Er möchte sein Kind zum Alleinerben machen. Luise kann dann ihren Pflichtteil verlangen — mindestens ein Achtel, je nach Zugewinnausgleich bis zu einem Viertel des Nachlasses. Den Rest erhält Peters Kind.
📜 Was wird aus dem alten gemeinsamen Testament?
Hattest Du mit Deinem früheren Partner ein gemeinschaftliches Testament (etwa ein Berliner Testament) und seid ihr geschieden, wird dieses mit der Rechtskraft der Scheidung in der Regel unwirksam. Du kannst dann frei neu verfügen. Anders ist es nur, wenn ausdrücklich vereinbart wurde, dass das Testament fortgelten soll (§ 2268 Abs. 2 BGB) — dann musst Du es beim Aufsetzen eines neuen Testaments berücksichtigen.
❓ Häufige Fragen
Wie viel erbt der neue Ehepartner ohne Testament?
Bei der üblichen Zugewinngemeinschaft die Hälfte des Nachlasses, wenn Kinder vorhanden sind. Die andere Hälfte teilen sich die Kinder.
Kann ich meinen neuen Ehepartner vom Erbe ausschließen?
Ganz ausschließen nicht — ihm bleibt der Pflichtteil. Neben Kindern liegt dieser bei Zugewinngemeinschaft zwischen einem Achtel und einem Viertel des Nachlasses. Per Testament kannst Du den Rest aber Deinen Kindern zuwenden.
Erben die Kinder meines neuen Partners automatisch von mir?
Nein. Durch die Heirat werden die Kinder Deines Partners nicht zu Deinen gesetzlichen Erben — Stiefkinder erben nicht von Dir. Sie könnten höchstens indirekt profitieren, wenn Dein Partner Dein Vermögen erbt und es später an sie weitervererbt.
Was passiert mit dem Berliner Testament aus erster Ehe nach einer Scheidung?
Es wird mit der rechtskräftigen Scheidung in der Regel unwirksam. Etwas anderes gilt nur, wenn ausdrücklich vereinbart wurde, dass es fortbestehen soll (§ 2268 Abs. 2 BGB).
Wie sichere ich das Elternhaus für meine Kinder?
Indem Du die Immobilie per Testament den Kindern überträgst und Deinem neuen Partner ein Wohnrecht oder einen Nießbrauch einräumst. Alternativ schützt eine Vor- und Nacherbschaft das Vermögen für die Kinder.
Geht mein geschiedener Ex-Partner leer aus?
Ja. Mit der rechtskräftigen Scheidung entfallen das gesetzliche Erbrecht und der Pflichtteil des früheren Ehepartners. Ohne ausdrückliche Regelung in einem Testament erbt er nichts.
Haftungsausschluss
Die Informationen in diesem Beitrag sind allgemeiner Natur und dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar und behandeln nicht die Fragen oder Probleme Deines individuellen Falls. Wenn Du Rat für Deine persönliche Situation brauchst, wende Dich bitte an einen qualifizierten Anwalt oder Steuerberater.
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Beitrag von Jürgen Busch · Themenschwerpunkt: Erben & Vererben · Inhalt auf Richtigkeit überprüft am 10. Juli 2026


