Opas Tagebuch: Opa, was wünschst Du Dir zum Geburtstag?

Fünf Kürbisse vom Hof Bartels auf meinem Terrassentisch – mein Geburtstagswunsch in diesem Jahr.
Aus meinem Opa-Enkel-Tagebuch.
Jedes Jahr dieselbe Frage am Telefon: „Opa, was wünschst Du Dir zum Geburtstag?“ In diesem Jahr habe ich eine Antwort – und sie liegt in fünf Kürbissen auf meinem Gartentisch.
Ende Oktober habe ich Geburtstag. Und jedes Jahr, ungefähr ab Mitte des Monats, beginnt in der Familie das große Rätselraten. Was schenkt man einem Mann, der seit Jahrzehnten alles hat, was er braucht, und der auf die Frage nach einem Wunsch meistens „Nichts“ sagt? Ich weiß inzwischen, dass dieses „Nichts“ für meine Kinder das schwierigste Wort des Jahres ist.
In diesem Jahr ist es anders, denn in diesem Jahr kommen alle. Die ganze Familie, mit allen fünf Enkelkindern – auch das aus Südtirol. Das passiert nicht oft, und deshalb habe ich mir zum ersten Mal seit Langem wirklich etwas gewünscht. Kein Paket, keinen Gutschein, nichts, was man einpacken müsste.
Ich wünsche mir, dass jedes meiner fünf Enkelkinder einen Kürbis für Halloween vorbereitet. Ausgehöhlt, geschnitzt oder bemalt, mit Gesicht oder ohne – das sollen sie selbst entscheiden. Und wenn alle fünf fertig sind, wünsche ich mir ein einziges Bild: meine fünf Enkelkinder, jedes mit seinem Kürbis in der Hand. Das ist mein Geschenk. Mehr nicht.
Die Kürbisse habe ich schon besorgt. Fünf Stück, orange und rund, jeder ein bisschen anders, einer mit einer kleinen Narbe, einer mit einem besonders langen Stiel. Sie stehen auf dem Tisch auf der Terrasse und warten.
Wo die fünf Kürbisse herkommen
Gekauft habe ich sie beim Hof Bartels, an der Verkaufsstelle an der Holsteiner Chaussee – das ist die Bundesstraße 4 zwischen Schnelsen und Bönningstedt, gleich am Hamburger Stadtrand. Wer dort im Oktober vorbeifährt, kann die Stelle nicht verfehlen: Am Feldrand ist aus Hunderten von Kürbissen eine Treppe aufgeschichtet, oben ein Herz aus Stroh und Sonnenblumen, davor eine Pfütze, in der sich das Ganze spiegelt.

Die Kürbistreppe an der Holsteiner Chaussee
Der Kürbis ist eine Beere – und die Rübe war zuerst da
Botanisch gesehen ist der Kürbis eine Beere, wegen seiner harten Schale eine sogenannte Panzerbeere – und damit die größte Beere, die es gibt. Und lange bevor Halloween aus Amerika zu uns kam, gab es in vielen Gegenden Deutschlands die Rübengeister: ausgehöhlte Runkelrüben mit einer Kerze darin, die Kinder im Herbst vor die Fenster stellten. Der Kürbis ist also nur die größere Rübe.
Die Vielfalt am Feldrand – und was sie mit Nachhaltigkeit zu tun hat
Neben der Treppe liegt eine lange Reihe im Gras: gestreifte, geriffelte, graugrüne, weiße, winzig kleine und solche, die aussehen wie eine fliegende Untertasse. Hokkaido, Butternut, Muskat, Spaghettikürbis, Patisson, Bischofsmützen, Zierkürbisse in zwanzig Mustern. Als Kind kannte ich genau eine Sorte: den gelben Kürbis, den meine Mutter süßsauer eingelegt hat.

Vielfalt der Kürbisse: zwanzig Sorten in einer Reihe, direkt neben dem Acker.
Diese Reihe ist für mich das eigentliche Bild des Tages, und ich werde den Enkeln am Geburtstag erklären, warum. Ein Hof, der zwanzig Sorten anbaut und am Feldrand verkauft, tut vieles von dem, was man nachhaltige Landwirtschaft nennt. Die Vielfalt der Sorten bleibt erhalten, statt dass nur die eine wächst, die sich am besten stapeln und lagern lässt. Der Weg vom Acker zum Käufer ist nicht so weit entfernt, nicht dreitausend Kilometer. Der Kürbis wird gekauft, wenn er reif ist, und nicht im März aus dem Kühlhaus geholt. Und das Geld bleibt bei dem Hof, der die Arbeit hatte – nicht beim Zwischenhandel.
Dazu kommt, dass vom Kürbis nichts übrig bleibt. Das Fruchtfleisch, das die Enkel beim Aushöhlen herausholen, wird am Geburtstag zur Suppe. Die Kerne rösten wir mit etwas Salz im Ofen. Und die geschnitzten Kürbisse landen nach Halloween auf dem Kompost, nicht in der Tonne. Was Großeltern sonst noch tun können, damit solche Höfe bleiben – vom Hofladen über den Ernteanteil bis zur Baumpatenschaft –, habe ich auf meiner zweiten Website aufgeschrieben: Nachhaltige Landwirtschaft: Wie Großeltern sie mit ihren Enkeln unterstützen können.
Der Plan für den Geburtstagsnachmittag
Mein Plan ist einfach. Auf dem Gartentisch liegt Zeitungspapier, daneben fünf Esslöffel, ein paar Schüsseln, Filzstifte und die Schnitzmesser für die Großen. Die Kleinen bemalen, die Großen schnitzen, die Eltern dürfen helfen, aber nicht übernehmen. Wenn es dunkel wird – und Ende Oktober wird es früh dunkel –, kommt in jeden Kürbis ein Teelicht, und dann stellen sich alle fünf dahinter. Dieses Foto wünsche ich mir für meinen digitalen Bilderrahmen.
Wie das Schnitzen genau geht, wer ab welchem Alter was macht und wie der Kürbis länger als drei Tage hält, steht jetzt in einem eigenen Beitrag – mit sechs Gesichtern zum Ausdrucken: Kürbis schnitzen mit Kindern. Die Enkel sind meine Versuchsgruppe.
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Bis zur nächsten Woche – euer Opa Jürgen
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Ein Eintrag aus dem Opa-Enkel-Tagebuch von grossvater.de.
Überprüft am 18. Oktober 2026.



