Es gibt wenige Abende im Jahr, an die sich Enkelkinder so genau erinnern wie an den Martinsumzug. Draußen ist es früh dunkel und kalt, in der Hand wackelt die selbst gebastelte Laterne, vorn singt eine Blaskapelle falsch und herzlich, und irgendwo riecht es nach Punsch. Sankt Martin ist kein großes Fest mit Geschenken – und gerade darum passt es so gut zu Oma und Opa. Es braucht nichts als Zeit, ein Licht und eine Geschichte.
Diese Seite ist das Dach über allem, was auf grossvater.de zu Sankt Martin gehört: die Geschichte vom Mantel und dem Bettler, die Laternen zum Basteln, der Weckmann für den Nachmittag danach und die kleinen praktischen Dinge, an die man als Großvater am Umzugsabend denken sollte. Du kannst der Reihe nach durchgehen oder dir herausgreifen, was ihr in diesem Jahr braucht.
Kurz gesagt: Sankt Martin wird am 11. November gefeiert – 2026 fällt der Martinstag auf einen Mittwoch. Gedacht wird an Martin von Tours, der als römischer Soldat seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Zum Fest gehören Laternenumzug, Martinslieder und ein Hefegebäck in Menschenform, das je nach Gegend Weckmann, Stutenkerl oder Dambedei heißt.
Wann ist Sankt Martin?
Der Martinstag liegt fest auf dem 11. November – er verschiebt sich nicht wie Ostern. Die Umzüge in Kindergärten, Schulen und Gemeinden finden allerdings oft ein paar Tage davor oder danach statt, meist an einem Abend, an dem möglichst viele Eltern und Großeltern Zeit haben. Frag also früh im Kindergarten nach dem genauen Termin, wenn du mitgehen möchtest.
| Jahr | Martinstag | Wochentag |
|---|---|---|
| 2026 | 11. November | Mittwoch |
| 2027 | 11. November | Donnerstag |
| 2028 | 11. November | Samstag |
Warum genau dieser Tag? Martin von Tours starb am 8. November 397 und wurde am 11. November in Tours beigesetzt. Sein Leichnam wurde in einer Lichterprozession in die Stadt gebracht – daran erinnern die Laternen bis heute. Praktischer Nebeneffekt für die Menschen früherer Jahrhunderte: Um den 11. November endete das bäuerliche Jahr, Pachten und Zinsen wurden fällig, Verträge geschlossen. Danach wurde gefeiert und gut gegessen, bevor die Fastenzeit vor Weihnachten begann. Der Gänsebraten und das süße Gebäck haben also ganz irdische Wurzeln.
Die Geschichte vom geteilten Mantel
Alles beginnt mit einer einzigen Szene, und die kann sich schon ein Dreijähriger vorstellen: Ein Soldat reitet im Winter auf ein Stadttor zu. Dort sitzt ein Mann, der friert und fast nichts anhat. Der Soldat hat kein Geld bei sich, aber einen warmen Mantel. Also nimmt er sein Schwert und schneidet ihn mitten durch.
Mehr braucht es nicht, damit Kinder verstehen, worum es geht. Alles andere – wer Martin war, warum er später Bischof wurde, was die Gänse damit zu tun haben – kommt später und nur, wenn gefragt wird. Ich habe die Geschichte deshalb in einer Fassung zum Vorlesen aufgeschrieben, mit einer Kurzversion für die Kleinsten und den Antworten auf die Fragen, die danach fast immer kommen.
Wenn dir das Vorlesen ohnehin liegt: Wie man Kindern überhaupt gut Geschichten erzählt – frei, ohne Buch, mit Pausen an den richtigen Stellen – habe ich in einem eigenen Beitrag gesammelt: Wenn Opa und Oma Geschichten erzählen.
Laternen basteln – der größte Teil der Vorfreude
Der Umzug dauert eine halbe Stunde. Das Basteln davor kann sich über mehrere Nachmittage ziehen, und genau da liegt für Großeltern die schönere Hälfte des Festes. Welche Laterne zu deinem Enkel passt, hängt weniger vom Motiv ab als vom Alter: Bei den Kleinsten wird gerissen und geklebt, bei den Größeren gemessen, geschnitten und gesägt.
Was auf den Tisch kommt: Weckmann und Martinsgans
Zum Martinstag gehört Gebäck in Menschenform – ein süßer Hefeteigkerl mit Rosinenaugen und einer Tonpfeife im Arm. Wie er heißt, verrät ziemlich genau, wo man aufgewachsen ist: Im Rheinland und im Süden ist es der Weckmann, in Westfalen und im Norden der Stutenkerl, in der Pfalz und in Südhessen der Dambedei, in der Schweiz der Grittibänz. Genau darüber lässt sich mit Enkelkindern wunderbar streiten, während der Teig geht.
Ehrlich gesagt ist der Kerl traditionell eher ein Nikolausgebäck – im Rheinland wird er aber seit Langem auch zum Martinstag gebacken, und viele Bäckereien legen ihn ab Anfang November ins Fenster. Für einen Bastelnachmittag ist das ohnehin die praktischere Frage: Der Teig muss gehen, und in dieser Wartezeit lässt sich prima eine Laterne kleben.
Die Martinsgans lasse ich bewusst außen vor. Ein ganzer Gänsebraten ist ein Projekt für Erwachsene und dauert Stunden, in denen Kinder sich langweilen. Wenn es etwas Herzhaftes sein soll, ist eine Kürbis- oder Kartoffelsuppe die klügere Wahl: Sie lässt sich am Vormittag vorbereiten und steht nach dem Umzug in zehn Minuten dampfend auf dem Tisch, wenn alle durchgefroren nach Hause kommen.
Der Umzug: was in Opas Tasche gehört
Ein Laternenumzug ist ein wackeliges Unternehmen. Es ist dunkel, es ist kalt, das Papier ist feucht, und irgendwann reißt eine Laterne genau an der Stelle ein, an der man sie festhält. Nach ein paar Jahren Erfahrung ist meine Umzugstasche darum immer gleich gepackt:
- Ersatzbatterien für das LED-Licht – und wenn möglich ein zweites Licht komplett. Nichts trübt einen Abend so schnell wie eine dunkle Laterne.
- Malerkrepp oder Klebeband, klein aufgerollt. Damit lässt sich ein eingerissener Laternenrand in zehn Sekunden retten, ohne dass es hässlich wird.
- Ein Stück Basteldraht für den Fall, dass die Aufhängung ausreißt – der häufigste Schaden von allen.
- Taschentücher und ein Pflaster, weil beides an dunklen, kalten Abenden immer gebraucht wird.
- Eine Thermoskanne mit warmem Apfelsaft oder Kakao und ein paar Kekse. Nach zwanzig Minuten Singen sind kleine Kinder erstaunlich hungrig.
- Eine Taschenlampe in der Jackentasche – nicht für den Weg, sondern um im Dunkeln überhaupt etwas reparieren zu können.
- Ein Reflektor oder Leuchtclip an der Jacke des Enkels. Umzüge führen oft über Straßen, und ein dunkel angezogenes Kind ist zwischen den Laternen schlecht zu sehen.
Der wichtigste Tipp: Verabredet vorher einen Treffpunkt für den Fall, dass ihr euch verliert – am besten etwas Unbewegliches am Ausgangspunkt, den Kirchturm oder das Kindergartentor. Bei zwei oder drei Enkeln unterschiedlichen Alters hat sich bei uns das Partner-System bewährt: Der Große nimmt den Kleinen an die Hand, und ich gehe hinter beiden. So habe ich alle im Blick, ohne ständig zu rufen.
Zur Kleidung nur so viel, weil es abends im November unterschätzt wird: Zwiebellook statt einer dicken Jacke, feste Schuhe mit rutschfester Sohle für nasse Blätter, eine Mütze – und Handschuhe, mit denen man greifen kann. Dicke Fäustlinge und ein glatter Laternenstab passen nicht zusammen; das Kind zieht die Handschuhe nach fünf Minuten aus.
Nach dem 11. November: die Laterne darf bleiben
Das Traurigste am Martinsfest ist der Tag danach, wenn die Laterne im Flur steht und niemand mehr weiß, wohin mit ihr. Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, sie nicht wegzuräumen: Mit einem LED-Teelicht darin wird aus der Laterne ein Nachtlicht fürs Kinderzimmer, das noch wochenlang leuchtet. Hängt sie an einem Haken an der Zimmerdecke oder am Fensterrahmen, hält sie deutlich länger, als wenn sie auf dem Boden herumsteht.
Zwei Dinge helfen der Haltbarkeit: Das Transparentpapier von innen mit ein wenig Sprühlack oder Haarspray fixieren, damit es nicht wellt – und wirklich nur LED-Licht verwenden, wenn die Laterne im Kinderzimmer bleibt. Eine echte Kerze hat dort nichts zu suchen, auch nicht für zehn Minuten.
Häufige Fragen
Wann ist Sankt Martin 2026?
Der Martinstag ist immer der 11. November, 2026 fällt er auf einen Mittwoch. Die Umzüge in Kindergärten und Gemeinden finden aber oft an einem anderen Abend in derselben Woche statt – am besten früh nach dem genauen Termin fragen.
Was feiert man an Sankt Martin eigentlich?
Gedacht wird an Martin von Tours, der um 316 geboren wurde und als römischer Soldat am Stadttor von Amiens seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Später wurde er Bischof von Tours. Er starb am 8. November 397 und wurde am 11. November beigesetzt – daher das Datum.
Warum gehört eine Gans zu Sankt Martin?
Der Legende nach versteckte sich Martin in einem Gänsestall, weil er nicht Bischof werden wollte – das Schnattern der Gänse verriet ihn. Dazu kommt ein handfester Grund: Um den 11. November endete das Bauernjahr, es wurde abgerechnet und noch einmal reichlich gegessen, bevor die Fastenzeit vor Weihnachten begann.
Warum tragen Kinder Laternen?
Martins Leichnam wurde in einer Lichterprozession nach Tours gebracht. Früher zogen Kinder mit ausgehöhlten Runkelrüben und Kürbissen durch die Straßen, später mit Papierlaternen. Aus dieser Lichterprozession ist der Umzug geworden, wie wir ihn heute kennen.
Kerze oder LED in der Laterne?
Für Kinder ist LED-Licht fast immer die bessere Wahl: Es wird nicht heiß, geht bei Wind nicht aus und kann nichts entzünden. Echte Kerzen nur bei älteren Kindern und nur unter Aufsicht – und nie in einer Laterne, die anschließend im Kinderzimmer stehen soll.
Was ist Martinssingen?
In vielen Gegenden – vor allem im Norden und Westen – ziehen Kinder am Martinstag von Tür zu Tür, singen Martinslieder und bekommen Süßigkeiten oder Obst. Regional heißt das auch Schnörzen, Gripschen oder Dotzen. Es ist der ältere Bruder des Laternenumzugs.
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