Zwei Enkelkinder sitzen mit dem Großvater auf dem Teppich vor dem geschmückten Weihnachtsbaum, die Großmutter beugt sich zu ihnen, die Eltern sitzen im Hintergrund auf dem Sofa

Symbolbild, mit KI erstellt — keine realen Personen. Der Teil des Abends, an den sich Kinder später erinnern, kostet nichts und steht in keinem Programm.

Wie gestaltet man Heiligabend mit Enkelkindern? Mit wenigen festen Punkten und viel Luft dazwischen. Kinder brauchen an diesem Abend keine volle Stunde Programm, sondern drei oder vier Dinge, die jedes Jahr gleich ablaufen — und einen Erwachsenen, der die Ruhe behält, wenn die Vorfreude kippt. Alles andere ist Beiwerk.

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten Händen

Beitrag von Jürgen Busch
AKTUALISIERT AM 16.08.2026 · 9 MIN. LESEZEIT · Kategorie: Familie
FacebookInstagramPinterest

Heiligabend ist der Tag im Jahr, an dem die meisten Familien am meisten erwarten — und am wenigsten planen. Beides zusammen ist der Grund, warum der Abend so oft anders läuft als gedacht.

Als Großvater hat man dabei eine besondere Rolle. Man ist nicht derjenige, der das Essen auf den Tisch bringen muss, nicht derjenige, der die Geschenke besorgt hat, und meistens auch nicht derjenige, der abends aufräumt. Man hat als Einziger Zeit. Genau das ist der Beitrag, den man leisten kann — und er ist mehr wert als jedes Geschenk unter dem Baum.

Diese Seite beschreibt den Abend so, wie er bei uns funktioniert hat, und sie sagt an den Stellen, wo es klemmt, auch warum.

Der Rhythmus des Abends

Ein Kind erlebt Heiligabend nicht als Ablauf, sondern als Wartezeit mit Unterbrechungen. Wenn die Unterbrechungen jedes Jahr dieselben sind, wird aus dem Warten ein Ritual — und Rituale halten Kinder erstaunlich lange aus.

Wann Was Warum es an dieser Stelle steht
Nachmittags Etwas Auswärtiges — Spaziergang, Krippenspiel, Friedhofsgang, Kirche Bringt die Kinder aus dem Haus, während drinnen vorbereitet wird. Frische Luft senkt die Anspannung spürbar.
Vor der Bescherung Ein fester kleiner Punkt — ein Lied, ein Gedicht, eine Geschichte, eine Kerze Der Moment, der den Abend markiert. Er darf kurz sein, aber er muss jedes Jahr kommen.
Bescherung Nach einer festen Regel, nicht nach Zuruf Wer verteilt, wer packt zuerst aus — das vorher zu klären spart jedes Jahr denselben Streit.
Danach Freie Zeit Hier gehört kein Programm mehr hin. Die Kinder sind bei ihren Sachen, und das ist richtig so.
Später Abend Essen und Ausklang Bei kleinen Kindern besser vor der Bescherung — siehe unten.

Die einzige Regel, die wirklich zählt. Weniger Punkte, dafür jedes Jahr dieselben. Ein Abend mit drei Fixpunkten, die seit zehn Jahren gleich sind, trägt weiter als einer mit acht neuen Ideen. Wiederholung ist bei Kindern kein Mangel an Fantasie, sondern die Quelle der Vorfreude.

Die schwerste Stunde — und was sie füllt

Zwischen „wir sind zu Hause“ und „es kann losgehen“ liegt die Stunde, in der ein Kind am ehesten kippt. Es ist aufgeregt, es darf noch nicht, und alle Erwachsenen sind beschäftigt. Wer diese Stunde füllt, hat den Abend gerettet — und das ist meistens Opas Aufgabe, weil er als Einziger nichts anderes zu tun hat.

Was dafür taugt, hat drei Eigenschaften: Es lässt sich jederzeit abbrechen, es braucht keine Vorbereitung, und es funktioniert im Sitzen.

Vier Dinge für die Wartestunde

Vorlesen. Eine kurze Geschichte, nicht das ganze Buch. Eine fertige zum Vorlesen steht bei den kurzen Weihnachtsgeschichten, vierundzwanzig weitere zum Ausdrucken hier.

Ein Quiz. Funktioniert ab etwa sechs Jahren und bindet auch die großen Geschwister ein — Fragen für mehrere Altersstufen stehen im Weihnachtsquiz.

Singen. Zwei Lieder, mehr nicht. Welche schon Zweijährige mitsingen, steht bei den Weihnachtsliedern nach Alter.

Ein Spiel am Tisch. Etwas, das in zehn Minuten zu Ende ist — eine Auswahl gibt es bei den Weihnachtsspielen.

Was in dieser Stunde nicht taugt: alles, was die Kinder allein lässt. Ein Tablet füllt die Zeit zwar zuverlässig, aber es holt sie aus dem Abend heraus — und zurück kommen sie schlechter gelaunt, als sie gegangen sind.

Die Bescherung

Hier entscheidet sich, ob der Abend als schön oder als anstrengend in Erinnerung bleibt. Drei Dinge helfen.

Eine Reihenfolge, die vorher feststeht

Wer verteilt, wer fängt an, wird nacheinander oder gleichzeitig ausgepackt — das sind Fragen, die man vor dem Abend beantwortet, nicht davor. Ob jedes Kind einzeln drankommt oder alle gleichzeitig losreißen dürfen, ist Geschmackssache; nur festgelegt sollte es sein. Eine bewährte Variante: Das jüngste Kind darf zuerst, die älteren bekommen dafür das Amt des Verteilens — damit haben sie eine Aufgabe statt Wartezeit.

Ein Geschenk aufheben

Wenn alles auf einmal aufgemacht wird, ist nach zwölf Minuten alles vorbei und ein leises Gefühl von Leere bleibt. Ein Paket zurückhalten und später am Abend geben verlängert den Abend um eine ganze Stunde. Das eignet sich besonders für etwas, das man gemeinsam anfangen kann — ein Spiel, ein Buch, ein Bausatz.

Die Reaktion nicht einfordern

Der Satz, der jedes Jahr fällt und jedes Jahr schadet, lautet: „Na, freust Du Dich denn gar nicht?“ Kinder reagieren im Trubel oft nicht so, wie der Schenkende hofft — nicht aus Undankbarkeit, sondern weil sie überreizt sind. Die Freude kommt oft erst am nächsten Morgen, wenn niemand zuschaut. Wer das weiß, nimmt es nicht persönlich.

Absprache mit den Eltern. Was Ihr schenkt, gehört vorher abgestimmt — nicht wegen der Doppelung, sondern wegen der Größe. Ein Großelterngeschenk, das alles andere unter dem Baum in den Schatten stellt, ist für die Eltern eine Zumutung und für das Kind auf Dauer keine Freude.

Was Großeltern an diesem Abend wirklich beitragen

Es gibt drei Dinge, die an Heiligabend nur Großeltern leisten können, und keines davon steht auf einer Einkaufsliste.

Erstens: Zeit ohne Auftrag. Während die Eltern zwischen Küche, Baum und Telefon pendeln, kann Opa sich auf den Teppich setzen. Das klingt nach wenig und ist das Meiste.

Zweitens: die Geschichten von früher. Wie Weihnachten war, als es kaum etwas gab. Was es zu essen gab. Was Du selbst als Kind bekommen hast und wie lange Du darauf gewartet hast. Kinder hören so etwas erstaunlich lange zu — vorausgesetzt, es kommt als Erzählung und nicht als Vergleich. Der Unterschied liegt in einem einzigen Satz: „Damals hatten wir einen Apfel“ ist eine Geschichte. „Ihr wisst gar nicht, wie gut es Euch geht“ ist ein Vorwurf, und danach hört keiner mehr zu.

Drittens: Ruhe. An einem Abend, an dem alle ein bisschen zu viel wollen, ist der Erwachsene, der nichts muss, der wertvollste im Raum.

Das Essen — und die Frage nach dem Wann

In vielen Familien gibt es Streit darüber, ob vor oder nach der Bescherung gegessen wird. Beides hat gute Gründe, aber sie hängen am Alter der Kinder.

Reihenfolge Passt zu Was dafür spricht
Erst essen, dann bescheren Familien mit kleinen Kindern Nach der Bescherung bekommt ein aufgeregtes Kind keinen Bissen mehr herunter. Wer vorher isst, hat satte Kinder und einen entspannten Abend.
Erst bescheren, dann essen Familien mit größeren Kindern Das Warten wird kürzer, und die Erwachsenen können danach in Ruhe sitzen, während die Kinder spielen.

Und zum Aufwand: Das traditionelle Essen an Heiligabend ist in weiten Teilen Deutschlands Würstchen mit Kartoffelsalat — nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil der 24. Dezember lange ein Fasttag war und das große Essen auf den ersten Feiertag gehörte. Wer sich also das Sechs-Gänge-Menü spart, folgt keiner Abkürzung, sondern der älteren Sitte.

Wo es typischerweise kracht

Drei Reibungspunkte und was hilft

Mehrere Großelternpaare wollen dabei sein. Der Abend hat nur einen 24. Dezember. Statt ihn zu zerteilen, hilft ein Turnus über die Jahre — oder die Verabredung, dass eine Seite Heiligabend bekommt und die andere den ersten Feiertag, mit Wechsel im nächsten Jahr. Wichtig ist nur, dass die Regel vorher steht und nicht im Dezember ausgehandelt wird.

Die Eltern haben andere Vorstellungen als Ihr. Das ist ihr Recht. Es ist ihr Abend, ihre Kinder und ihre Wohnung. Was Ihr beisteuern könnt, ist ein Angebot — keine Bedingung. Wer als Großelternteil auf eigenen Bräuchen besteht, gewinnt vielleicht das Jahr und verliert die Einladung.

Ein Kind ist überdreht und nichts hilft. Rausgehen. Zwei Runden um den Block, ohne Diskussion, ohne Strafe, einfach mit. Das wirkt zuverlässiger als jedes Gespräch und nimmt der Situation die Zuschauer.

Wenn die Enkel noch sehr klein sind

Unter drei Jahren gilt fast alles oben Gesagte nicht. Ein Zweijähriger versteht Weihnachten nicht, er spürt nur, dass alle anders sind als sonst — und das ist für ihn eher beunruhigend als schön.

Was dann hilft: früher anfangen und kürzer machen. Bescherung am Nachmittag statt am Abend. Ein Geschenk statt fünf. Und die Bereitschaft, den Abend abzubrechen, wenn das Kind fertig ist — die Erwachsenen können danach immer noch feiern.

Das Geschenkpapier ist besser als das Geschenk. Bei Kleinkindern ist das keine Redensart, sondern die Regel. Wer das einkalkuliert, spart Geld und Ärger: ein gutes Geschenk und viel Papier schlägt fünf Geschenke jedes Mal.

Häufige Fragen

Wann sollte die Bescherung stattfinden?

In den meisten Familien zwischen 17 und 18 Uhr. Bei Kindern unter drei Jahren lieber am Nachmittag — später sind sie überreizt und haben nichts mehr davon.

Sollen wir vor oder nach der Bescherung essen?

Mit kleinen Kindern vorher: Nach der Bescherung bekommt ein aufgeregtes Kind keinen Bissen mehr herunter. Mit größeren Kindern spricht mehr dafür, zuerst zu bescheren und danach in Ruhe zu essen.

Was schenken Großeltern am besten?

Vorher mit den Eltern abstimmen — nicht wegen der Doppelung, sondern wegen der Größe. Ein Geschenk, das alles andere unter dem Baum in den Schatten stellt, bringt die Eltern in eine unmögliche Lage.

Wie füllt man die Wartezeit vor der Bescherung?

Mit etwas, das jederzeit abgebrochen werden kann: vorlesen, zwei Lieder singen, ein kurzes Quiz, ein Spiel am Tisch. Nicht mit einem Bildschirm — danach sind die Kinder schwerer wieder im Abend.

Was tun, wenn mehrere Großelternpaare Heiligabend beanspruchen?

Einen Turnus über die Jahre verabreden, statt den Abend zu zerteilen. Wichtig ist, dass die Regel im Sommer steht und nicht im Dezember ausgehandelt wird.

Mein Enkel reagiert kaum auf sein Geschenk. Habe ich etwas falsch gemacht?

Sehr wahrscheinlich nicht. Kinder sind an diesem Abend überreizt und reagieren oft erst Stunden später. Nachfragen macht es schlimmer — abwarten hilft.

Zurück zur Übersicht

Weihnachten mit Enkelkindern — der Überblick: Advent, Basteln, Backen, Spiele und Bräuche.

🎄 Passend zum Abend

Videoanruf am Heiligabend

Wenn nicht alle am selben Tisch sitzen: Zeitpunkt, Ablauf und Notfallplan.

Zwölf Weihnachtslieder

Nach Alter sortiert — was ein Zweijähriger schon mitsingt, steht oben.

Kurze Weihnachtsgeschichte

Zum Vorlesen in der Wartestunde, in unter zehn Minuten erzählt.

Das Weihnachtsquiz

Fragen für mehrere Altersstufen, auch zum Ausdrucken.

Beitrag aus der Kategorie: FamilieVerantwortlicher Autor: Jürgen BuschInhalt des Beitrages habe ich auf Richtigkeit überprüft am 16. August 2026.