

Symbolbild, mit KI erstellt — keine reale Person. Vorlesen ist die Disziplin, in der Großeltern kaum zu schlagen sind: Sie nehmen sich Zeit für die Pausen.
Irgendwann an Heiligabend wird es still, und jemand muss die Geschichte erzählen. Meistens ist das der Moment, in dem alle auf Oma oder Opa schauen. Und meistens ist das auch der Moment, in dem man merkt, dass man sie zwar hundertmal gehört, aber noch nie selbst erzählt hat.
Auf dieser Seite steht die Weihnachtsgeschichte in zwei Fassungen: einer ausführlichen zum Vorlesen und einer sehr kurzen für die ganz Kleinen. Dazu die Fragen, die Kinder dabei zuverlässig stellen — mit ehrlichen Antworten, auch dort, wo die ehrliche Antwort lautet: Das weiß niemand genau.
Was ist die Weihnachtsgeschichte? Die Weihnachtsgeschichte erzählt von der Geburt Jesu in Betlehem. Maria und Josef müssen wegen einer Volkszählung nach Betlehem reisen, finden dort keine Unterkunft und kommen in einem Stall unter, wo das Kind zur Welt kommt und in eine Futterkrippe gelegt wird. Engel verkünden die Geburt zuerst den Hirten auf dem Feld. Erzählt wird das im Lukasevangelium; von den Sterndeutern aus dem Morgenland berichtet das Matthäusevangelium. Für Kinder ab etwa vier Jahren ist die Geschichte gut verständlich.
Auf dieser Seite
Die Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen
Diese Fassung dauert vorgelesen etwa fünf Minuten und ist für Kinder ab vier Jahren gedacht. Die Sätze sind bewusst kurz gehalten — sie lassen sich beim Vorlesen leicht verlangsamen.
Vor langer, langer Zeit lebten in einem kleinen Ort namens Nazaret ein Mann und eine Frau. Der Mann hieß Josef und war Zimmermann. Die Frau hieß Maria, und sie erwartete ein Kind.
Eines Tages kam ein Bote in die Stadt und rief eine Nachricht des Kaisers aus: Alle Menschen im Land sollten gezählt werden. Und jeder musste dafür in die Stadt reisen, aus der seine Familie ursprünglich stammte. Josefs Familie kam aus Betlehem. Betlehem war weit weg.
So machten sich Maria und Josef auf den Weg. Sie gingen viele Tage. Die Straßen waren staubig, die Nächte kalt, und Maria wurde müde, denn ihr Kind sollte bald geboren werden.
Als sie endlich in Betlehem ankamen, war die Stadt voller Menschen. Alle waren wegen der Zählung gekommen. Josef klopfte an eine Tür und fragte nach einem Zimmer. Kein Platz. Er klopfte an die nächste. Auch kein Platz. Und an die nächste. Überall dasselbe: Es war kein Platz mehr in der Herberge.
Schließlich zeigte ihnen jemand einen Stall. Dort war es warm, es roch nach Heu und nach Tieren, und dort war Platz. In dieser Nacht wurde Marias Kind geboren. Sie wickelte es in Tücher und legte es in eine Futterkrippe, denn ein Bett gab es nicht. Sie nannten das Kind Jesus.
Nicht weit von Betlehem lagen Felder, und auf den Feldern waren Hirten. Sie passten in der Nacht auf ihre Schafe auf, damit kein Tier verloren ging. Es war dunkel und still.
Plötzlich wurde es hell. Ein Engel stand vor ihnen. Die Hirten erschraken furchtbar. Doch der Engel sagte: „Fürchtet Euch nicht! Ich bringe Euch eine große Freude. Heute ist in Betlehem ein Kind geboren, das für alle Menschen da ist. Ihr werdet es finden, in Tücher gewickelt, in einer Krippe liegend.“
Und auf einmal waren da viele Engel, und sie sangen. Die Hirten sahen einander an. Dann liefen sie los, ließen ihre Schafe zurück und suchten den Stall. Sie fanden ihn, und sie fanden Maria und Josef und das Kind in der Krippe — genau so, wie der Engel es gesagt hatte. Und die Hirten erzählten allen, was sie erlebt hatten.
Weit im Osten, viele Tagesreisen entfernt, hatten Gelehrte in derselben Nacht einen neuen Stern am Himmel entdeckt. Sie waren Sterndeuter und wussten viel über den Himmel. Dieser Stern, so glaubten sie, bedeutete: Ein besonderer König ist geboren.
Also packten sie Geschenke ein und machten sich auf die Reise. Sie folgten dem Stern. Sie reisten lange, durch fremde Länder, bis der Stern über einem Haus stehen blieb. Dort fanden sie das Kind. Sie knieten nieder und legten ihre Geschenke hin: Gold, Weihrauch und Myrrhe — kostbare Dinge, wie man sie einem König bringt.
Und so kam es, dass in dieser einen Nacht die Ärmsten und die Reichsten am selben Ort standen: Hirten, die nichts hatten als ihre Schafe, und Gelehrte aus fernen Ländern. Beide waren gekommen, um ein Kind zu sehen, das in einer Futterkrippe lag.
Beim Vorlesen: Die drei Stellen, an denen Kinder mitgehen, sind das vergebliche Anklopfen, das Erschrecken der Hirten und der Moment, in dem die Sterndeuter ihre Geschenke hinstellen. Dort lohnt sich eine Pause. Und beim Anklopfen darf man ruhig dreimal wirklich klopfen — auf die Sessellehne, auf den Tisch. Kleine Kinder klopfen dann mit.
Kurze Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen (ab 3 Jahren)
Für Kinder unter vier Jahren ist die lange Fassung zu viel. Diese hier dauert eine knappe Minute und reicht völlig:
Maria und Josef mussten weit reisen. Als sie ankamen, war es Nacht, und alle Häuser waren voll. Kein Zimmer war mehr frei. Da fanden sie einen Stall. Dort war Stroh, und dort waren Tiere, und dort war es warm. In dieser Nacht wurde ihr Baby geboren. Es hieß Jesus. Weil es kein Bettchen gab, legte Maria es in die Futterkrippe. Draußen auf dem Feld saßen Hirten bei ihren Schafen. Ein Engel kam zu ihnen und sagte: Freut Euch, ein Kind ist geboren! Da liefen die Hirten zum Stall und schauten das Baby an. Und alle waren froh.
Wer mag, hält beim Erzählen die Krippenfiguren in der Hand und stellt sie nacheinander auf. Für dieses Alter ist das Sehen wichtiger als das Zuhören.
Woher die Geschichte kommt
Die Weihnachtsgeschichte, wie wir sie kennen, stammt aus zwei verschiedenen Quellen — und das erklärt einiges an ihr:
Beide Erzählungen werden heute meist zu einer verbunden — in Krippenspielen, in Kinderbüchern und auch in der Fassung oben. Wer genau liest, merkt: Die Hirten und die Sterndeuter kommen ursprünglich nicht in derselben Geschichte vor.
Drei Dinge, die fast jeder für biblisch hält, stehen so gar nicht in den Evangelien:
- Ochs und Esel. In keinem der beiden Evangelien werden Tiere im Stall erwähnt. Sie kamen später in die Darstellungen — die Krippe legt sie nahe, denn eine Futterkrippe steht dort, wo Tiere fressen.
- Die Zahl drei. Bei Matthäus steht nicht, wie viele Sterndeuter kamen. Weil drei Geschenke genannt werden, wurden im Lauf der Zeit drei Personen daraus. Auch dass sie Könige waren, steht dort nicht.
- Der 24. Dezember. In der Bibel steht kein Datum. Der Termin wurde erst Jahrhunderte später festgelegt.
Warum das für Großeltern nützlich ist: Diese drei Punkte sind wunderbares Material für ältere Enkel, die anfangen, alles zu hinterfragen. Statt die Geschichte zu verteidigen, kann man sie gemeinsam untersuchen — das nimmt dem Zweifel die Schärfe und macht aus einem „Stimmt doch gar nicht!“ ein Gespräch.
Was Kinder fragen — und was man antworten kann
„Warum war kein Platz für sie?“
Weil wegen der Zählung sehr viele Menschen gleichzeitig unterwegs waren und alle eine Unterkunft brauchten. Man kann es gut mit etwas vergleichen, das Kinder kennen: wie wenn alle gleichzeitig in den Urlaub fahren und kein Hotelzimmer mehr frei ist.
„War es nicht eklig im Stall?“
Eine ehrliche Antwort ist die beste: Wahrscheinlich hat es gerochen, und schön war es sicher nicht. Aber es war warm und trocken, und darauf kam es in einer kalten Nacht an. Kinder finden diesen Gedanken meist einleuchtender als jede Beschönigung.
„Gab es den Stern wirklich?“
Das weiß niemand sicher. Es gibt Vermutungen — ein Komet, ein besonders heller Planet — aber beweisen lässt sich keine davon. Man darf einem Kind ruhig sagen: „Das weiß ich nicht.“ Das ist keine Schwäche, sondern zeigt, dass man Fragen ernst nimmt.
„Warum bekommen wir Geschenke, wenn Jesus Geburtstag hat?“
Die klassische Erklärung: Weil an diesem Tag ein Geschenk in die Welt gekommen ist — und weil man sich deshalb gegenseitig beschenkt. Die Sterndeuter haben es vorgemacht.
„Ist das eine wahre Geschichte?“
Die schwierigste Frage, und die Antwort hängt davon ab, was in Eurer Familie geglaubt wird. Ein Weg, der in beide Richtungen offen bleibt: „Das ist eine Geschichte, die Menschen seit zweitausend Jahren erzählen, weil sie ihnen wichtig ist. Manche glauben, dass alles genau so passiert ist, andere nicht. Wichtig ist, was sie uns sagen will.“ Und was sie sagen will, versteht auch ein Kind: Etwas Großes kann an einem ganz kleinen, ärmlichen Ort anfangen.
Wichtig ist dabei die Absprache mit den Eltern — besonders, wenn in der Familie anders geglaubt wird als bei Euch. Die religiöse Erziehung ist Sache der Eltern; Großeltern erzählen, sie entscheiden nicht.
So erzählst Du sie lebendig
Vorlesen kann jeder. Was einen Abend besonders macht, sind ein paar Kleinigkeiten:
- Licht aus, Kerze an. Eine einzige Kerze verändert die Aufmerksamkeit im Raum mehr als jede Stimmlage.
- Langsamer als gewohnt. Der häufigste Fehler beim Vorlesen ist das Tempo. Lieber zu langsam — Kinder brauchen Zeit, um sich die Bilder zu machen.
- Die Krippenfiguren mitspielen lassen. Wer eine Krippe hat, stellt die Figuren beim Erzählen nacheinander auf. Kleine Kinder dürfen das übernehmen — dann hören sie zu, weil sie auf ihren Einsatz warten.
- Mitmachen erlauben. Klopfen an der Herbergstür, das Erschrecken der Hirten, das Blöken der Schafe — all das dürfen die Kinder machen.
- Ein eigener Satz am Ende. „Als ich so alt war wie Du, hat mir das mein Vater erzählt.“ Das ist der Satz, an den sich die Kinder später erinnern — nicht an den Wortlaut der Geschichte.
Wer die Geschichte lieber nachspielen als vorlesen möchte: Das Erzähltheater Kamishibai ist genau dafür gemacht. Weitere Geschichten zum Vorlesen sammeln sich unter Geschichten für Kinder, passende Bücher unter Vorlesebücher. Und im November steht die Martinsgeschichte bereit — sie funktioniert nach demselben Muster.
Häufige Fragen
Was ist die Weihnachtsgeschichte?
Die Weihnachtsgeschichte erzählt von der Geburt Jesu in Betlehem: Maria und Josef reisen wegen einer Volkszählung dorthin, finden keine Unterkunft und kommen in einem Stall unter, wo das Kind geboren und in eine Futterkrippe gelegt wird. Engel verkünden die Geburt den Hirten auf dem Feld. Erzählt wird das im Lukasevangelium; die Sterndeuter aus dem Morgenland kommen im Matthäusevangelium vor.
Ab welchem Alter verstehen Kinder die Weihnachtsgeschichte?
Ab etwa vier Jahren können Kinder der ausführlichen Fassung folgen. Für Dreijährige eignet sich eine Kurzfassung von unter einer Minute, am besten begleitet von Krippenfiguren zum Anschauen und Aufstellen.
Kommen Ochs und Esel in der Bibel vor?
Nein. In keinem der beiden Evangelien werden Tiere im Stall erwähnt. Sie kamen erst später in die Darstellungen der Weihnachtsgeschichte, vermutlich weil eine Futterkrippe dort steht, wo Tiere fressen.
Waren es wirklich drei Könige?
Im Matthäusevangelium steht weder eine Zahl noch dass es Könige waren. Dort ist von Sterndeutern aus dem Morgenland die Rede. Weil drei Geschenke genannt werden – Gold, Weihrauch und Myrrhe -, wurden im Lauf der Zeit drei Personen daraus.
Wie erzählt man Kindern die Weihnachtsgeschichte lebendig?
Mit gedämpftem Licht und einer Kerze, deutlich langsamer als gewohnt, und mit Elementen zum Mitmachen: an der Herbergstür klopfen, Krippenfiguren nacheinander aufstellen lassen. Ein persönlicher Satz am Ende – etwa wer einem die Geschichte selbst zum ersten Mal erzählt hat – bleibt Kindern länger im Gedächtnis als der Wortlaut.
Was antwortet man, wenn ein Kind fragt, ob die Geschichte wahr ist?
Eine Antwort, die in beide Richtungen offen bleibt: Es ist eine Geschichte, die Menschen seit zweitausend Jahren erzählen, weil sie ihnen wichtig ist. Manche glauben, dass alles genau so geschehen ist, andere nicht. Entscheidend ist ihre Aussage – dass etwas Großes an einem kleinen, ärmlichen Ort anfangen kann. Die religiöse Erziehung bleibt dabei Sache der Eltern.
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