Weihnachtslieder singen mit Enkelkindern am Klavier
Adventskranz mit vier brennenden Kerzen auf einem festlich gedeckten Tisch, daneben eine Tasse und ein aufgeschlagenes Liederheft mit Noten; im Hintergrund ein geschmückter Weihnachtsbaum

Symbolbild, mit KI erstellt. Zwölf Lieder, kein Instrument, keine Probe — mehr braucht es nicht.

Welche Weihnachtslieder kann man mit Enkeln singen? Die alten. Zwölf Lieder aus dem 19. Jahrhundert decken alles ab, was man braucht — und sie sind gemeinfrei, dürfen also abgeschrieben, kopiert und verteilt werden. Die Auswahl auf dieser Seite ist nach Alter sortiert: Was ein Zweijähriger schon mitsingt, steht oben.

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten Händen

Beitrag von Jürgen Busch
AKTUALISIERT AM 20.09.2026 · 7 MIN. LESEZEIT · Kategorie: Familie · Newsletter anmelden
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Singen mit Enkeln scheitert selten am Kind. Es scheitert daran, dass der Erwachsene sich schämt.

Das ist der eigentliche Punkt dieser Seite. Ein Vierjähriger hört nicht, ob Du falsch singst — er hört, dass Du singst. Kinder in diesem Alter haben kein Urteil über Stimmen, sie haben nur eines über Mitmachen. Wer wartet, bis er es gut kann, fängt nie an.

Unten stehen zwölf Lieder, sortiert nach dem Alter, ab dem Kinder sie wirklich mitsingen können — nicht nach Beliebtheit. Dazu bei jedem eine Bemerkung, worauf es beim Singen ankommt.

Worum es hier geht: ums Selbersingen — welches Lied zu welchem Alter passt, wie man mit Enkeln anfängt und was hilft, wenn die Stimme nicht mehr so will. Wenn Du Aufnahmen suchst, die sich zum Mitsingen eignen, steht das auf Weihnachtslieder zum Mitsingen: welche Aufnahmen taugen.

Zwölf Lieder, nach Alter sortiert

Alle zwölf sind gemeinfrei — die Dichter und Komponisten sind seit weit über siebzig Jahren tot. Man darf sie also abschreiben, ausdrucken und in der Familie verteilen, ohne jemanden zu fragen.

Lied Ab Text von
1 · Kling, Glöckchen, klingelingeling ab 2 Karl Enslin, um 1850
2 · Lasst uns froh und munter sein ab 3 Volkslied, 19. Jahrhundert
3 · Schneeflöckchen, Weißröckchen ab 3 Hedwig Haberkern, um 1869
4 · Alle Jahre wieder ab 3 Wilhelm Hey, 1837
5 · Morgen kommt der Weihnachtsmann ab 4 Hoffmann von Fallersleben, 1835
6 · Ihr Kinderlein, kommet ab 5 Christoph von Schmid, um 1798
7 · O Tannenbaum ab 4 Ernst Anschütz, 1824
8 · Stille Nacht, heilige Nacht ab 5 Mohr und Gruber, 1818
9 · O du fröhliche ab 5 Johannes Daniel Falk, 1816
10 · Süßer die Glocken nie klingen ab 6 Friedrich Wilhelm Kritzinger
11 · Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen ab 5 Hermann Kletke, 1841
12 · Leise rieselt der Schnee ab 5 Eduard Ebel, 1895

Wenn Du nur drei lernen willst: „Kling, Glöckchen“ für die Kleinsten, „O Tannenbaum“ für alle zusammen, „Stille Nacht“ für den Moment vor der Bescherung. Damit kommt man durch jeden Advent.

Lied 1 · ab 2 Jahren

Kling, Glöckchen, klingelingeling

Text Karl Enslin, um 1850

Das erste Lied überhaupt. Kurze Zeilen, viel Wiederholung, und das „klingelingeling“ können auch die singen, die noch nicht sprechen. Wer eine kleine Glocke dazu in die Hand bekommt, ist beschäftigt und stolz.

Lied 2 · ab 3 Jahren

Lasst uns froh und munter sein

Volkslied, 19. Jahrhundert

Nikolauslied, gehört an den 5. Dezember. Sehr kleiner Tonumfang, das schafft jede Kinderstimme. Gut zum Klatschen.

Lied 3 · ab 3 Jahren

Schneeflöckchen, Weißröckchen

Text Hedwig Haberkern, um 1869

Streng genommen ein Winterlied, kein Weihnachtslied — und trotzdem das, was die Kleinsten am liebsten singen. Lässt sich mit den Händen als Schneefall begleiten.

Lied 4 · ab 3 Jahren

Alle Jahre wieder

Text Wilhelm Hey, 1837

Vier kurze Zeilen je Strophe, ruhige Melodie. Das Lied, mit dem man abends aufhört, wenn es lauter war als geplant.

Lied 5 · ab 4 Jahren

Morgen kommt der Weihnachtsmann

Text Hoffmann von Fallersleben, 1835

Die Melodie kennt jedes Kind — es ist dieselbe wie bei „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ nicht, sondern die des ABC-Liedes. Genau deshalb geht es so leicht.

Lied 6 · ab 5 Jahren

Ihr Kinderlein, kommet

Text Christoph von Schmid, um 1798

Etwas längere Zeilen, dafür eine der schönsten Melodien. Wenn nur eine Strophe gelingt, ist das genug — die erste reicht völlig.

Lied 7 · ab 4 Jahren

O Tannenbaum

Text Ernst Anschütz, 1824

Kann jeder mitsingen, auch die Gäste, die sonst nicht singen. Die Melodie stammt aus einem alten Volkslied und ist älter als der Text.

Lied 8 · ab 5 Jahren

Stille Nacht, heilige Nacht

Mohr und Gruber, 1818

Das Lied für den Moment vor der Bescherung. Achtung, die Tonlage: Wer zu hoch anfängt, kommt in der Mitte nicht mehr mit. Lieber tiefer beginnen, als es sich richtig anfühlt.

Lied 9 · ab 5 Jahren

O du fröhliche

Text Johannes Daniel Falk, 1816

Feierlich, groß, mit einem Schluss, der trägt. Das Lied, das man singt, wenn alle im Kreis stehen.

Lied 10 · ab 6 Jahren

Süßer die Glocken nie klingen

Text Friedrich Wilhelm Kritzinger, 1826–1890

Anspruchsvoller in der Melodieführung. Schön, wenn jemand zweite Stimme kann — muss aber nicht sein.

Lied 11 · ab 5 Jahren

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Text Hermann Kletke, 1841

Beschreibt genau das, was gerade im Raum passiert. Deshalb funktioniert es am Baum besser als jedes andere.

Lied 12 · ab 5 Jahren

Leise rieselt der Schnee

Text und Melodie Eduard Ebel, 1895

Sehr ruhig, sehr leise zu singen. Das letzte Lied des Abends, wenn die Kinder schon müde sind.

Die Tonlage — der häufigste Fehler

Fast jeder fängt zu hoch an. Man setzt den ersten Ton da, wo die Sprechstimme liegt, und merkt erst in der Mitte, dass es nach oben nicht mehr weitergeht. Dann wird es gepresst, und spätestens dann hören die Kinder auf.

Der einfache Trick: Fang tiefer an, als es sich richtig anfühlt. Bei „Stille Nacht“ etwa liegt der höchste Ton weit über dem ersten — wer den ersten Ton bequem findet, kommt oben nicht mehr hin. Lieber ein paar Töne tiefer beginnen; unten fehlt selten etwas.

Kinderstimmen liegen höher als unsere. Das ist der zweite Grund, warum es klemmt: Was für einen Männerbass angenehm ist, ist für ein Kind zu tief zum Mitsingen. Ein Kompromiss in der Mitte ist besser als beides richtig.

Wenn die eigene Stimme nicht mehr trägt

Mit siebzig klingt die Stimme anders als mit vierzig. Sie wird brüchiger, der Umfang kleiner, und hohe Töne kommen nicht mehr so, wie man sie im Kopf hat. Das ist kein Grund, es zu lassen — es ist ein Grund, anders zu verteilen.

Was hilft: Nur den Refrain übernehmen und die Strophen den Enkeln überlassen. Eine Strophe tiefer ansetzen als gewohnt, notfalls eine Quinte. Halblaut mitsingen statt zu tragen — die Kinder brauchen keine Lautstärke, sie brauchen Verlässlichkeit. Und wer gar nicht mehr singen mag, spricht den Text im Takt mit. Das funktioniert besser, als es klingt, und bei „Lasst uns froh und munter sein“ merkt es niemand.

Wenn Du eine Aufnahme zum Mitsingen im Hintergrund brauchst: Unter Weihnachtslieder zum Mitsingen steht, welche Aufnahmen sich eignen und warum Instrumentalfassungen dabei oft besser funktionieren als gesungene.

Wie Kinder mitkommen

Eine Strophe reicht

Fast alle diese Lieder haben drei, vier oder mehr Strophen. Die erste ist die, die alle können. Wer alle Strophen durchzieht, verliert die Runde in der zweiten. Lieber ein Lied dreimal als drei Lieder einmal — Wiederholung ist bei Kindern kein Mangel, sondern der Weg.

Etwas in die Hand

Wer noch nicht singen kann, kann klingeln. Eine Glocke, ein Holzlöffel auf einem Topfdeckel, zwei Kochlöffel gegeneinander: Kinder unter drei machen selten den Text mit, aber immer den Rhythmus. Damit gehören sie dazu.

Wer nicht improvisieren mag: Zwei Sets, die genau dafür gemacht sind und bei denen nichts dabei ist, was nach zehn Minuten kaputt oder langweilig wird.

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Bewegung dazu

Bei „Schneeflöckchen“ die Hände von oben nach unten rieseln lassen, bei „Kling, Glöckchen“ klingeln, bei „Alle Jahre wieder“ die Hände falten. Kinder merken sich Bewegungen schneller als Wörter — und singen den Text dann nebenbei mit.

Nicht auf Kommando

„Jetzt sing doch mal etwas vor“ ist der sicherste Weg, dass ein Kind verstummt. Singen funktioniert nebenbei: beim Plätzchenausstechen, im Auto, beim Anziehen. Wer anfängt und nicht darauf wartet, dass die anderen einsteigen, hat nach zwei Zeilen meistens Gesellschaft.

Wann man singt

Gelegenheit Was passt Warum
Beim Backen Kling, Glöckchen · Schneeflöckchen Nebenbei, ohne Publikum — die entspannteste Form
Am Nikolausabend Lasst uns froh und munter sein Das einzige Lied, das genau an diesen Tag gehört
Beim Anzünden der Kerze Alle Jahre wieder · Leise rieselt der Schnee Ruhige Lieder für einen ruhigen Moment
Vor der Bescherung Stille Nacht · O du fröhliche Der einzige Moment im Jahr, in dem alle mitsingen
Am Telefon oder per Video Kling, Glöckchen · O Tannenbaum Kurz, bekannt, verzeiht Verzögerung in der Leitung

Woher die Texte kommen

Alle zwölf Lieder auf dieser Seite sind gemeinfrei: Die Texte und Melodien stammen aus dem 19. Jahrhundert, die Urheber sind seit weit mehr als siebzig Jahren tot. Man darf sie abschreiben, ausdrucken, kopieren und verteilen.

Bei neueren Liedern ist das anders. „In der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski ist von 1987 und geschützt — singen darf man es im Familienkreis natürlich, den Text ins Internet stellen oder vervielfältigen nicht. Dasselbe gilt für „Last Christmas“ und alles andere aus dem Radio.

Wer die vollständigen Texte der alten Lieder sucht: Sie stehen in jedem Liederbuch, das älter ist als man selbst — und die Bücher aus dem eigenen Regal sind ohnehin die schöneren, weil die Kinder darin blättern können.

Ein Stern über dem Stall — Titelbild des Weihnachtshefts

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter singen Kinder mit?

Rhythmus ab etwa eineinhalb Jahren, einzelne Wörter ab zwei, ganze Zeilen ab drei. Wer noch nicht mitsingt, macht trotzdem mit — mit einer Glocke oder mit den Händen. Warten, bis ein Kind „so weit ist“, verkehrt die Sache.

Ich kann nicht singen. Soll ich es trotzdem tun?

Ja. Kleine Kinder haben kein Urteil über Stimmen, sie haben eines über Mitmachen. Die Vorstellung, man müsse schön singen, ist die häufigste Ursache dafür, dass in Familien gar nicht gesungen wird.

Braucht man ein Instrument?

Nein, und meistens stört es sogar. Wer Klavier oder Gitarre spielt, ist mit dem Instrument beschäftigt statt mit den Kindern. Eine Glocke in Kinderhand bringt mehr als jede Begleitung.

Welche Lieder gehen am Telefon?

Kurze und sehr bekannte: „Kling, Glöckchen“ und „O Tannenbaum“. Alles Langsame und Mehrstimmige geht schief, weil die Leitung verzögert und man aneinander vorbeisingt. Besser abwechselnd singen als gleichzeitig.

Darf ich die Liedtexte ausdrucken und verteilen?

Bei den zwölf Liedern hier ja — sie sind gemeinfrei. Bei modernen Liedern nein: „In der Weihnachtsbäckerei“ etwa ist geschützt. Im Familienkreis singen darf man alles, vervielfältigen nicht.

Wie bringt man Jugendliche zum Mitsingen?

Gar nicht durch Bitten. Aber fast immer dadurch, dass die Kleinen anfangen — ein Fünfzehnjähriger singt „O du fröhliche“ mit, wenn seine kleine Schwester es ernsthaft tut, und niemand ihn dabei ansieht.

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Beitrag aus der Kategorie: FamilieVerantwortlicher Autor: Jürgen BuschInhalt des Beitrages habe ich auf Richtigkeit überprüft am 20. September 2026.