Notfallmappe und Kinder-Hausapotheke auf dem Küchentisch, Großvater sortiert die Unterlagen
Notfallmappe und Kinder-Hausapotheke auf dem Küchentisch, Großvater sortiert die Unterlagen

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Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten Händen

Beitrag von Jürgen Busch
AKTUALISIERT AM 03.08.2026 · 8 MIN. LESEZEIT · Kategorie: Großeltern
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Kurz gesagt: Großeltern sind nicht sorgeberechtigt. Ohne eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern steht Oma in der Notaufnahme und darf nichts entscheiden. Wichtiger als jede Hausapotheke ist deshalb eine Notfallmappe: Vollmacht, Kopie der Versichertenkarte, Impfpass, Telefonnummern von Eltern, Kinderarzt und Giftnotruf. Die Ausstattung selbst kostet 40 bis 80 Euro — Fieberthermometer, Pflaster, Kühlkompresse, Zeckenzange. Medikamente gehören nicht dazu; die bringen die Eltern mit.

Dieser Beitrag ist der unspektakulärste im ganzen Cluster und der, den ich am wichtigsten finde.
Nicht wegen der Pflaster — sondern wegen eines Blattes Papier, das die meisten Großeltern nicht haben.

Der Punkt, den fast niemand auf dem Schirm hat

Großeltern haben kein Sorgerecht. Das klingt selbstverständlich, hat aber eine Folge, an die im Alltag niemand denkt: Wenn mit dem Enkelkind etwas passiert und ein Arzt eine Behandlung durchführen will, die über die reine Notfallversorgung hinausgeht, müssen die Eltern gefragt werden. Sind sie nicht erreichbar — im Flugzeug, im Kino, im Funkloch — wird es kompliziert.

Die Lösung ist eine formlose, von beiden Eltern unterschriebene Einverständniserklärung. Darin steht sinngemäß, dass das Kind während des Aufenthalts bei den Großeltern im Bedarfsfall ärztlich untersucht und behandelt werden darf und dass die Großeltern notwendige Erstmaßnahmen veranlassen dürfen. Dazu die Versichertendaten und die Erreichbarkeit der Eltern.

Das ist keine Sorgerechtsvollmacht und ersetzt sie auch nicht — bei längeren Aufenthalten oder Auslandsreisen fragst Du besser vorher bei der Krankenkasse nach. Für den Alltag reicht es und nimmt allen Beteiligten das mulmige Gefühl.

Fertig zum Ausdrucken:
Auf Seite 2 der Übernachtungs-Checkliste findest Du genau diesen Notfallzettel — mit Feldern für Kind, Telefonnummern und der Erklärung zum Unterschreiben.

Was in die Notfallmappe gehört

  • Die unterschriebene Einverständniserklärung beider Eltern.
  • Kopie der Krankenversichertenkarte — Vorder- und Rückseite.
  • Impfpass oder eine Kopie davon, wichtig vor allem beim Tetanusschutz.
  • Telefonnummern: Mutter, Vater, Kinderärztin oder Kinderarzt, Giftnotruf des eigenen Bundeslandes.
  • Allergien und Unverträglichkeiten, schriftlich, nicht aus dem Gedächtnis.
  • Medikamente mit Dosierung und Uhrzeit, von den Eltern aufgeschrieben.
  • Besonderheiten wie Asthma, Krampfanfälle oder starke Ängste.

Bewahre die Mappe dort auf, wo Du sie im Stress findest — in einem Aktenordner im Büro, in einem bestimmten Küchenregal oder im obersten Schubfach im Flurschrank. Und aktualisiere sie einmal im Jahr; denn die Daten wie Telefonnummern und Gewicht ändern sich.

Die Nummern, die immer gelten

112 ist der Notruf für Rettungsdienst und Feuerwehr — kostenlos, aus jedem Netz, auch ohne Guthaben. 116 117 erreicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst, wenn die Praxis geschlossen hat und es kein Notfall ist.

Der Giftnotruf hat dagegen keine bundesweit einheitliche Nummer — er ist nach Bundesländern organisiert. Suche Dir diese zuständige Nummer einmal heraus und schreib sie auf den Notfallzettel. Im Ernstfall solltest Du nicht suchen, und eine falsche Nummer ist schlimmer als eine leere Zeile.

💡 Opa-Tipp: Speichere die Nummern zusätzlich im Handy und schreib sie auf einen Zettel an den Kühlschrank. Handys sind im Zweifel leer oder liegen im anderen Zimmer — und wer aufgeregt ist, vertippt sich sehr schnell.

Die Kinder-Hausapotheke

Hier halte ich mich bewusst kurz und bleibe bei der Ausstattung. Welches Fiebermittel in welcher Dosierung ein Kind bekommt, entscheidet der Kinderarzt und nicht eine Website — und schon gar nicht der Großvater aus Erfahrung mit den eigenen Kindern vor dreißig Jahren.

Was sinnvollerweise im Schrank liegt: ein Fieberthermometer, Pflaster in kindgerechten Größen, sterile Kompressen und eine Mullbinde, eine Kühlkompresse aus dem Gefrierfach, eine Zeckenzange oder -karte, eine Splitterpinzette, Wunddesinfektion und Einmalhandschuhe.

Medikamente gehören nicht in die Hausapotheke für Enkel. Sie bringen die Eltern mit, in der gewohnten Darreichungsform, mit schriftlicher Dosierung. Alles andere ist ein Risiko — auch wenn es gut gemeint ist.

Und ein Punkt, den man leicht übersieht: Deine eigene Hausapotheke gehört bei Kinderbesuch weggeschlossen. Blutdrucksenker und Schlaftabletten sehen aus wie Bonbons. Mehr dazu im Ratgeber Zuhause kindersicher machen.

Zwei Dinge, die im Schrank liegen sollten

Wichtig zur Einordnung: Ich habe diese Produkte nicht selbst geprüft, und dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Auswahl beruht auf Bewertungen bei Amazon und den Herstellerangaben.

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Was es kostet

Fieberthermometer 8 bis 20 Euro, ein kindgerechtes Erste-Hilfe-Set 20 bis 50 Euro, Kühlkompresse und Zeckenzange zusammen unter 15 Euro. Die Notfallmappe selbst kostet nichts außer einer halben Stunde und einem Gespräch mit den Eltern. Zusammen 40 bis 85 Euro — dies sollte es den Großeltern eindeutig wert sein!

❓ Häufige Fragen zur Notfallmappe

Dürfen Großeltern für ihr Enkelkind medizinische Entscheidungen treffen?

Nein, Großeltern sind nicht sorgeberechtigt. Über die reine Notfallversorgung hinaus brauchen Ärzte die Zustimmung der Eltern. Deshalb ist eine formlose, von beiden Eltern unterschriebene Einverständniserklärung sinnvoll — sie ersetzt aber keine Sorgerechtsvollmacht.

Was gehört in die Notfallmappe?

Die unterschriebene Einverständniserklärung, eine Kopie der Versichertenkarte, der Impfpass, die Telefonnummern von Eltern, Kinderarzt und Giftnotruf, außerdem Allergien, Medikamente mit Dosierung und Besonderheiten wie Asthma oder Krampfanfälle. Einmal im Jahr aktualisieren.

Wie lautet die Nummer des Giftnotrufs?

Es gibt keine bundesweit einheitliche Nummer — der Giftnotruf ist nach Bundesländern organisiert. Such die für Dich zuständige Nummer einmal heraus und schreib sie auf den Notfallzettel. Rettungsdienst und Feuerwehr erreichst Du immer unter 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Welche Medikamente sollten Großeltern vorrätig haben?

Keine. Medikamente bringen die Eltern mit, in der gewohnten Darreichungsform und mit schriftlicher Dosierung. Welches Mittel ein Kind in welcher Menge bekommt, entscheidet der Kinderarzt. In den Schrank gehören nur Verbandsmaterial, Fieberthermometer, Kühlkompresse und Zeckenzange.

Was kostet eine Kinder-Hausapotheke?

Zwischen 40 und 85 Euro: Fieberthermometer 8 bis 20 Euro, ein kindgerechtes Erste-Hilfe-Set 20 bis 50 Euro, Kühlkompresse und Zeckenzange zusammen unter 15 Euro. Die Notfallmappe selbst kostet nur eine halbe Stunde und ein Gespräch mit den Eltern.

Wo bekomme ich eine Vorlage für den Notfallzettel?

Auf Seite 2 der Übernachtungs-Checkliste von grossvater.de steht ein fertiger Notfallzettel zum Ausdrucken — mit Feldern für Kind, Allergien, Medikamente, Telefonnummern und der Einverständniserklärung zum Unterschreiben.