Ältere Frau liest entspannt im Sessel, am Handgelenk ein unauffälliges Notrufarmband, auf dem Beistelltisch die Basisstation

Ein Hausnotruf ist ein Knopf am Handgelenk oder an einer Kette, der auf Druck eine Sprechverbindung zu einer Zentrale herstellt — rund um die Uhr, ohne dass jemand ein Telefon suchen oder eine Nummer wählen muss. Die Pflegekasse zahlt seit dem 1. April 2026 dafür 27 Euro im Monat, ab Pflegegrad 1. Der Marktpreis liegt bei den meisten Anbietern in derselben Größenordnung — für das Basisgerät zahlt man mit Zuschuss also oft gar nichts.

Diese Seite erklärt, was der Zuschuss abdeckt und was nicht, warum ich Ihnen hier keine Preisliste zeige, und woran ein Hausnotruf in der Praxis am häufigsten scheitert. Das ist nämlich selten die Technik.

Warum auf dieser Seite nichts zu kaufen ist

Auf vielen Seiten dieser Website empfehle ich Dinge und verdiene daran eine kleine Provision. Auf dieser nicht.

Ein Hausnotruf ist keine Anschaffung, die man nach einem Vergleichstest im Internet erledigt. Er hängt an einem Vertrag, an einer Zentrale in erreichbarer Nähe und daran, wer im Ernstfall den Schlüssel hat. Wer das für Sie entscheidet, sollte kein Werbetext sein.

Was der Hausnotruf leistet — und was nicht

Der Knopf löst in einer Notrufzentrale einen Anruf aus. Die Zentrale meldet sich über eine Freisprechanlage in der Wohnung, fragt nach, und entscheidet dann: Angehörige verständigen, Bereitschaftsdienst schicken oder Rettungswagen rufen. Die meisten Anbieter hinterlegen dafür einen Wohnungsschlüssel, damit niemand die Tür aufbrechen muss.

Das ist die ganze Leistung. Ein Hausnotruf erkennt keinen Sturz, er wählt nicht selbstständig, und er misst nichts. Er wartet darauf, dass jemand drückt. Genau hier liegt seine Schwäche: Wer nach einem Sturz bewusstlos ist oder den Knopf abgelegt hat, wird von ihm nicht gefunden.

Für diesen Fall gibt es Geräte mit automatischer Sturzerkennung — Uhren, Sensoren, in manchen Wohnungen auch Radar. Sie sind eine Ergänzung, kein Ersatz, — mehr dazu auf der Seite Notrufuhr und Sturzerkennung im Vergleich.

Was er kostet

Die Anbieter rechnen in zwei Posten: eine einmalige Einrichtungsgebühr und einen Monatspreis. Beides schwankt regional erheblich, weil die Verbände ihre Preise pro Kreisverband festlegen. Verlässliche bundesweite Zahlen gibt es deshalb nicht — auch die großen Vergleichsportale schreiben „ab ca.“ und „regional unterschiedlich“.

Posten Größenordnung Anmerkung
Basispaket, monatlich rund 25 bis 40 Euro Gerät, Sender, Zentrale rund um die Uhr
Einrichtung, einmalig meist zweistellig wird von vielen Anbietern erlassen, wenn man fragt
Schlüsselhinterlegung Aufpreis oder inklusive je nach Anbieter sehr unterschiedlich geregelt
Bereitschaftsdienst rund 30 bis 80 Euro zusätzlich jemand kommt vorbei, statt nur zu telefonieren
Mobilgerät für unterwegs Aufpreis anderes Gerät, nicht dasselbe wie zu Hause

Der wichtigste Satz zum Preis: Fragen Sie beim Kreisverband vor Ort nach, nicht auf der Bundesseite. Und fragen Sie ausdrücklich, ob die Einrichtungsgebühr entfällt — das ist erstaunlich oft der Fall.

Was die Pflegekasse zahlt

27 Euro im Monat, seit dem 1. April 2026 — vorher waren es 25,50 Euro. Voraussetzung ist ein Pflegegrad, und zwar bereits Pflegegrad 1. Rechtsgrundlage ist § 40 SGB XI, der Hausnotruf zählt dort als technisches Pflegehilfsmittel.

Die drei Dinge, an denen es hakt

Erstens: Der Zuschuss deckt das Basispaket ab, nicht die Zusatzleistungen. Bereitschaftsdienst, Mobilgerät und Sturzsensor zahlen Sie selbst.

Zweitens: Sie müssen ihn beantragen. Viele Anbieter machen das für Sie, aber niemand tut es von allein.

Drittens: Ohne Pflegegrad kein Zuschuss. Wer noch keinen hat, sollte den Antrag auf Einstufung zuerst stellen — Pflegegrad 1 ist niedrigschwelliger, als die meisten denken.

Wenn Sie ohnehin gerade beim Thema Zuschüsse sind: Die Pflegekasse zahlt auch für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen — Türverbreiterung, ebenerdige Dusche, Treppenlift — bis zu 4.180 Euro je Maßnahme. Das ist ein anderer Topf und ein eigener Antrag. Einen Überblick, welche Technik im Haus sonst noch hilft, gibt der Ratgeber Smart Home für Senioren.

Welcher Anbieter?

Die großen sind Malteser, Johanniter, DRK, ASB und Caritas, dazu regionale Anbieter und einige gewerbliche. Alle liefern im Kern dasselbe: Gerät, Sender, Zentrale.

Der letzte Test der Stiftung Warentest zu Hausnotrufsystemen stammt von 2018. Es gibt keinen neueren. Wer Ihnen eine aktuelle Testsieger-Empfehlung präsentiert, hat sie nicht von dort.

Worauf es tatsächlich ankommt, lässt sich in vier Fragen fassen:

Frage Warum sie zählt
Wie weit ist die nächste Einsatzzentrale? Entscheidet, wie lange es dauert, bis jemand vor der Tür steht
Wer hat den Schlüssel — und wo liegt er? Ohne Schlüssel kommt niemand hinein, auch der Rettungsdienst nicht ohne Weiteres
Reicht das Funksignal bis in Bad und Keller? Genau dort passieren die Stürze. Lassen Sie das bei der Einrichtung ausprobieren
Wie ist die Kündigungsfrist? Nach einem Umzug ins Heim will man nicht noch ein Jahr zahlen

Woran es in der Praxis scheitert

Nicht am Gerät. Sondern daran, dass der Knopf in der Schublade liegt.

Das ist der häufigste Befund, und er hat einen nachvollziehbaren Grund: Wer den Knopf trägt, trägt ein Zeichen. Es sagt jedem Besucher, dass hier jemand wohnt, dem man das Alleinsein nicht mehr ganz zutraut. Viele legen ihn deshalb ab — beim Besuch, beim Einkauf, und irgendwann ganz.

Was hilft, wenn der Knopf liegen bleibt

Nicht überreden. Wer sich das Ding nicht anziehen will, hat einen Grund, und der ist selten technisch.

Zwei Dinge helfen erfahrungsgemäß: die Armbandvariante statt der Halskette — sie sieht aus wie eine Uhr und stört beim Schlafen weniger. Und die Tagestaste: ein Knopf, den man einmal am Tag drückt, damit die Zentrale weiß, dass alles in Ordnung ist. Das dreht die Sache um. Aus einem Gerät für den Notfall wird eines für den Alltag.

Hausnotruf oder Notrufuhr?

Die Frage kommt fast immer. Kurz beantwortet:

Hausnotruf Notrufuhr
Wo er wirkt in der Wohnung überall, wo Handynetz ist
Auslösung nur auf Knopfdruck Knopfdruck, viele auch mit Sturzerkennung
Wer antwortet geschulte Zentrale rund um die Uhr je nach Modell Zentrale oder hinterlegte Angehörige
Zuschuss der Pflegekasse ja, 27 Euro monatlich in der Regel nein
Laufende Kosten Monatsvertrag Kaufpreis, teils zusätzlich Mobilfunk
Aufladen nötig nein, Sender hält Jahre ja, meist täglich bis wöchentlich

Das letzte Kriterium wird unterschätzt. Eine Uhr, die jeden Abend an die Ladestation muss, ist nachts nicht am Arm — und nachts passiert ein großer Teil der Stürze.

Mein Rat: Wer überwiegend zu Hause ist, fährt mit dem Hausnotruf besser und günstiger. Wer noch viel unterwegs ist, braucht die Uhr — oder beides.

Wie der Antrag läuft

Der Weg ist kürzer, als er klingt, und der Anbieter übernimmt den größten Teil davon.

Schritt Wer macht es Dauer
Pflegegrad vorhanden? Falls nein: Einstufung beantragen Sie oder Angehörige, bei der Pflegekasse mehrere Wochen
Anbieter vor Ort auswählen und anrufen Sie ein Telefonat
Antrag auf Kostenübernahme ausfüllen meist der Anbieter, Sie unterschreiben ein Termin
Gerät wird gebracht und angeschlossen Anbieter, Hausbesuch eine gute Stunde
Funkreichweite in allen Räumen prüfen unbedingt gemeinsam beim Termin zehn Minuten

Den vorletzten Punkt bitte ernst nehmen. Lassen Sie den Monteur nicht gehen, bevor Sie den Knopf im Bad, im Schlafzimmer und — falls Sie dort hingehen — im Keller und im Garten ausprobiert haben. Ein Sender, der im Wohnzimmer funktioniert und im Bad nicht, ist ein teurer Irrtum.

Wenn die Kinder weit weg wohnen

Für erwachsene Kinder ist der Hausnotruf oft das erste Gerät, über das sie mit ihren Eltern reden — und meistens läuft das Gespräch schlecht. Es klingt schnell nach: Wir trauen dir nicht mehr zu, allein zu wohnen.

Was in solchen Gesprächen erfahrungsgemäß hilft: das Gerät nicht als Schutz vor dem Alter darstellen, sondern als das, was es ist — eine Verbindung. Nicht „damit dir nichts passiert“, sondern „damit du nicht stundenlang liegst, falls doch mal was ist“. Der Unterschied ist klein und macht viel aus.

Und noch etwas: Wer den Knopf trägt, kann länger allein wohnen bleiben. Das ist kein Argument gegen die Selbstständigkeit, sondern das stärkste dafür.

Häufige Fragen zum Hausnotruf

Was kostet ein Hausnotruf mit Zuschuss?

Das Basispaket liegt regional bei etwa 25 bis 40 Euro im Monat. Die Pflegekasse zahlt davon 27 Euro. Bei vielen Anbietern bleibt damit ein kleiner Eigenanteil oder gar keiner. Zusatzleistungen wie Bereitschaftsdienst oder ein Mobilgerät kommen extra und werden nicht bezuschusst.

Ab welchem Pflegegrad zahlt die Kasse?

Ab Pflegegrad 1. Das ist die niedrigste Stufe, und viele, die sie bekommen könnten, haben sie nie beantragt. Ohne Pflegegrad gibt es keinen Zuschuss — der Antrag auf Einstufung ist also der erste Schritt, nicht der zweite.

Erkennt ein Hausnotruf einen Sturz automatisch?

Nein. Das Basisgerät wartet auf einen Knopfdruck. Automatische Sturzerkennung bieten manche Anbieter als Zusatzsensor an, und Notrufuhren haben sie häufig eingebaut. Verlassen sollte man sich darauf nicht: Auch die besten Systeme erkennen nicht jeden Sturz.

Was passiert, wenn ich aus Versehen drücke?

Nichts Schlimmes. Die Zentrale meldet sich, Sie sagen, dass alles in Ordnung ist, fertig. Das ist ausdrücklich erwünscht — ein Fehlalarm kostet nichts und niemand ist verärgert. Wer aus Angst vor Fehlalarmen nicht drückt, hat das Gerät umsonst.

Gibt es einen aktuellen Test?

Nein. Der letzte Test der Stiftung Warentest zu Hausnotrufsystemen ist von 2018. Zu Notrufuhren gibt es einen neueren Bericht aus dem Februar 2024. Wer eine aktuelle Bestenliste anbietet, hat sie selbst zusammengestellt.

Kann Alexa den Notruf wählen?

In Deutschland nicht. Sprachassistenten dürfen hierzulande keine Notrufnummern wählen — weder 112 noch 110. Wer sich darauf verlässt, hat keinen Notruf, sondern eine Fehlannahme.