Korb mit in braunes Papier und rote Schnur gewickelten Päckchen auf einem Wohnzimmertisch, daneben eine Schale mit gefalteten Zetteln, eine Kerze und eine Schere

Korb mit in braunes Papier und rote Schnur gewickelten Päckchen auf einem Wohnzimmertisch, daneben eine Schale mit gefalteten Zetteln, eine Kerze und eine Schere

Symbolbild, mit KI erstellt. Ein Korb, eine Schale mit Zetteln, eine Preisgrenze — mehr braucht Wichteln nicht.

Was ist Wichteln? Jeder in der Runde zieht heimlich den Namen eines anderen und beschenkt nur diesen einen — mit einer vorher vereinbarten Preisgrenze, meist fünf oder zehn Euro. Ausgepackt wird gemeinsam. Der Brauch kommt aus Skandinavien, wo er Julklapp heißt.

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten Händen
Beitrag von Jürgen Busch
AKTUALISIERT AM 15.08.2026 · 11 MIN. LESEZEIT · Kategorie: Familie
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In einer Familie mit Enkeln wird das Schenken an Weihnachten schnell unübersichtlich. Vier Erwachsene, drei Kinder, dazu die Urgroßmutter — wenn jeder jedem etwas schenkt, sind das über vierzig Päckchen, und am Ende weiß niemand mehr, was von wem kam. Wichteln räumt damit auf: Jeder schenkt einmal und bekommt einmal.

Das Schöne daran ist nicht die Ersparnis, sondern was am Tisch passiert. Wenn sieben Päckchen in einem Korb liegen und nacheinander geöffnet werden, schaut die ganze Runde zu. Bei vierzig Päckchen schaut niemand mehr hin.

Diese Seite erklärt die Regeln, die sechs gängigen Varianten und — das ist der Teil, den die meisten Anleitungen auslassen — was man ändern muss, damit es mit einem vierjährigen Enkelkind funktioniert.

Woher der Brauch kommt

Wichteln stammt aus Skandinavien. Dort heißt es Julklapp — aus „Jul“ für das Julfest zur Wintersonnenwende und „klapp“ für klopfen. Gemeint war ursprünglich, dass ein gut verpacktes Geschenk mit einem Klopfen ins Zimmer geworfen und der Werfende nicht gesehen wurde. Das Geheimnis gehört also von Anfang an dazu.

Der deutsche Name kommt vom Weihnachtswichtel, der in der Vorstellung im Hintergrund arbeitet und nicht gesehen werden will. Im Englischen heißt derselbe Brauch Secret Santa, in Portugal amigo secreto — der heimliche Freund. Alle drei Namen meinen dasselbe: Man weiß, dass man beschenkt wird, aber nicht von wem.

Die Regeln in fünf Schritten

Es gibt keine offiziellen Regeln, aber einen Ablauf, auf den sich fast alle einigen. Er dauert in der Vorbereitung keine zehn Minuten.

1. Runde festlegen
Alle, die mitmachen wollen — und nur die. Wer nicht mag, macht nicht mit; das ist keine Kränkung. Ab vier Personen wird es interessant, ab zwölf wird das gemeinsame Auspacken lang.

2. Preisgrenze vereinbaren
Üblich sind fünf oder zehn Euro, selten mehr als zwanzig. Die Grenze wird laut ausgesprochen und gilt für alle gleich — sie ist der eigentliche Sinn der Sache.

3. Losen
Namen auf gleich große Zettel, falten, in eine Schüssel, reihum ziehen. Wer sich selbst zieht, legt zurück und zieht neu. Wer nicht dabei sein kann, bekommt seinen Namen per Nachricht zugeteilt.

4. Kaufen und verpacken
Ohne Absender. Nur der Name des Beschenkten kommt auf das Päckchen — oder gar nichts, wenn die Päckchen einzeln aufgerufen werden.

5. Gemeinsam auspacken
Alle Päckchen in einen Korb, einzeln herausnehmen, einzeln öffnen, und die ganze Runde schaut zu. Ob am Ende aufgelöst wird, wer wen hatte, entscheidet die Runde. Meistens verrät es sich von allein.

Für die Familie

Die Regeln auf einem Blatt — zum Ausdrucken

Drei Seiten A4: die Regeln mit Feldern für Preisgrenze, Termin und Ort zum Ausfüllen und Abfotografieren, die sechs Spielarten im Überblick und zwölf Loszettel zum Ausschneiden. Damit wissen alle dasselbe, ohne dass jemand dreimal nachfragt.

↓ Wichtel-Zettel herunterladen (PDF)

Sechs Varianten — und für wen sie taugen

Aus dem einfachen Losen sind mit der Zeit mehrere Spielformen geworden. Die ersten beiden sind die Klassiker, die anderen vier machen aus dem Schenken ein Spiel.

Variante Wie es läuft Passt für
Klassisches Wichteln Auslosen, ein Geschenk je Person, gemeinsam auspacken. jede Runde, auch die erste
Schrottwichteln Verschenkt wird, was ohnehin im Haus steht und niemand vermisst — je unnützer, desto besser. Gern mehrfach verpackt. Erwachsene, Kollegen; Kinder verstehen den Witz noch nicht
Würfelwichteln Kein Losen. Alle Päckchen in die Mitte, reihum würfeln, bei jeder Sechs darf man sich eins nehmen. Zweite Runde mit Eieruhr: fünf Minuten lang wird bei jeder Sechs getauscht. große Runden, Kinder ab etwa sechs
Räuberwichteln Der Jüngste beginnt und nimmt ein Päckchen. Wer danach dran ist, darf ein neues nehmen oder einem anderen sein schon geöffnetes wegnehmen. Erwachsene und größere Kinder — Kleine nehmen das Wegnehmen ernst
Gedichtwichteln Statt des Namens liegt ein selbst geschriebener Vierzeiler bei, der die Person beschreibt. Erst wird geraten, dann ausgepackt. Runden, die sich gut kennen; Vorbereitung nötig
Aufgabenwichteln Im Päckchen steckt kein Gegenstand, sondern eine Aufgabe: einmal vorlesen, einmal Schlittenziehen, einmal Plätzchen backen. Familien, in denen es schon genug Dinge gibt

Die Variante, die bei uns am besten funktioniert: Klassisches Wichteln für die Erwachsenen, Würfelwichteln für die Kinder — beides am selben Abend, aber nacheinander. Die Kinder müssen dann nicht stillhalten, während sieben Erwachsene ihre Päckchen bewundern, und die Erwachsenen bekommen ihre ruhige Runde.

Wichteln mit kleinen Kindern: was man ändern muss

Wichteln ist für Erwachsene erfunden worden, und man merkt es. Drei Dinge stehen kleinen Kindern im Weg: das Geheimnis, das Warten und das Ungleichgewicht. Alle drei lassen sich entschärfen.

Das Geheimnis: nicht erzwingen

Ein Vierjähriger kann kein Geheimnis für sich behalten, und er soll es auch nicht müssen. Wer ein Kind darauf verpflichtet, macht aus dem Spaß eine Prüfung, die es nur verlieren kann. Besser: Das Kind darf es erzählen, wenn es platzt — und alle tun überrascht. Funktioniert erstaunlich gut.

Das Losen: Bilder statt Namen

Wer noch nicht lesen kann, zieht keinen Namenszettel. Statt der Namen kommen Fotos in die Schüssel — ein Bild von jedem, in gleicher Größe, gefaltet. Das Kind zieht, schaut, und ein Erwachsener flüstert den Namen dazu. Das dauert zehn Sekunden länger und nimmt dem Kind die Peinlichkeit, etwas nicht zu können.

Das Warten: die Reihenfolge umdrehen

Beim gemeinsamen Auspacken sitzen Kinder am Ende der Reihe still da und halten ein Päckchen in der Hand, das sie nicht öffnen dürfen. Das geht nicht gut aus. Kinder packen zuerst aus — dann haben sie etwas in der Hand, während die Erwachsenen dran sind.

Das Ungleichgewicht: keine gemischte Runde ohne Not

Wenn Kinder und Erwachsene in einem Topf sind, kann ein Kind das Geschenk für einen Erwachsenen ziehen und ratlos vor der Aufgabe stehen. Zwei getrennte Runden lösen das: Die Kinder wichteln untereinander, die Erwachsenen untereinander. Wer beides mischen will, hilft dem Kind beim Aussuchen — und lässt es das Päckchen selbst einpacken. Der Klebefilm sitzt schief, und genau das ist das Geschenk.

Wie viel Geld ist üblich?

Fünf oder zehn Euro sind der Normalfall, zwanzig ist die Ausnahme. Wichtiger als die Höhe ist, dass die Grenze vorher und laut vereinbart wird. Sonst kauft einer für fünf, ein anderer für dreißig, und das Auspacken wird unangenehm für beide.

In Familien mit Enkeln bewährt sich eine kleine Abweichung: für die Kinder eine eigene, niedrigere Grenze — drei oder fünf Euro. Ein Kind soll ein Geschenk aussuchen dürfen, das es selbst versteht, und das kostet selten mehr. Die Vorstellung, ein Sechsjähriger müsse für zehn Euro etwas Erwachsenentaugliches finden, führt am Ende dazu, dass die Mutter es kauft.

Eine Regel, die viel Ärger spart: Die Preisgrenze ist eine Grenze, keine Vorgabe. Wer für vier Euro etwas Passendes findet, hat es richtig gemacht — nicht gespart. Wenn das in der Runde einmal ausgesprochen wird, hört das stille Aufrunden auf.

Geschenkideen, die in der Preisgrenze bleiben

Das eigentliche Problem beim Wichteln ist nicht das Geld, sondern die Beliebigkeit: Man sucht etwas für jemanden, den man vielleicht kaum kennt, und landet bei Socken. Drei Fragen helfen: Verbraucht es sich? Erzählt es etwas? Braucht es keinen Platz? Wer zwei davon mit Ja beantworten kann, liegt richtig.

Bis fünf Euro

Ein gutes Gewürz, das man sich selbst nicht kauft. Eine Tafel Schokolade aus einer kleinen Manufaktur. Samentütchen für den Balkon. Ein Kartenspiel. Für Kinder: Stickerbogen, ein Springseil, eine Taschenlampe.

Bis zehn Euro

Ein Buch aus dem Ramschregal, das trotzdem gut ist. Eine gute Handcreme. Ein Kaffee aus einer Rösterei am Ort. Für Kinder: ein kleines Bauset, ein Hörspiel, eine Lupe, ein Stempelset.

Bis fünfzehn Euro

Hier fängt an, was man behält: eine ordentliche Küchenschere, ein Notizbuch mit gutem Papier, eine kleine Thermoskanne. Für Kinder: ein Gesellschaftsspiel für zwei, eine Kinderkamera aus Pappe, ein Set zum Basteln.

Was fast immer daneben geht

Duftkerzen, Tassen mit Sprüchen, Duschgel-Sets, alles mit „Weltbester“ darauf. Nicht weil es schlecht wäre, sondern weil es die Runde schon dreimal gesehen hat. Und bei Kindern: Süßigkeiten als einziges Geschenk — die sind nach zwei Minuten weg, und dann sitzt das Kind mit leeren Händen da, während die anderen noch spielen.

Was in der Praxis schiefgeht

Die Runde ist nicht festgelegt. Am Abend steht plötzlich jemand im Raum, der nicht mitgelost hat, und geht leer aus. Deshalb: Liste, nicht Gedächtnis. Ein, zwei kleine Reservepäckchen im Schrank kosten wenig und retten den Abend.

Die Preisgrenze steht nur im Chat. Wer sie nicht gelesen hat, kauft nach Gefühl. Einmal am Telefon nachfragen genügt.

Es wird zu früh aufgelöst. Wenn beim ersten Päckchen schon klar ist, wer wen hatte, ist der Rest des Abends ohne Spannung. Die Auflösung gehört ans Ende — oder gar nicht.

Ein Kind bekommt etwas, das ein Erwachsener ausgesucht hat. Man merkt es sofort, und das Kind merkt es auch. Lieber etwas Schlichteres, das das Kind wirklich selbst gewählt hat.

Quellen

Herkunft, Julklapp und die Aufstellung der Spielformen nach dem BrauchWiki der Universität Augsburg; die Regeln zu Würfel-, Räuber- und Gedichtwichteln sowie die üblichen Preisgrenzen nach swb Magazin. Abgerufen am 15.08.2026.

Häufige Fragen zum Wichteln

Ab wie vielen Personen lohnt sich Wichteln?

Ab vier. Darunter weiß jeder sofort, wer wen hat, und das Geheimnis fällt weg. Nach oben wird es ab etwa zwölf Personen zäh, weil das gemeinsame Auspacken dann eine Stunde dauert — dann lieber Würfelwichteln, da läuft es parallel.

Ab welchem Alter können Kinder mitmachen?

Ungefähr ab vier. Jüngere Kinder verstehen das Losen noch nicht und warten nicht gern. Ab vier geht es, wenn man mit Fotos statt Namenszetteln lost und die Kinder zuerst auspacken lässt. Ab sechs klappt auch Würfelwichteln.

Was ist der Unterschied zwischen Wichteln und Julklapp?

Es ist derselbe Brauch. Julklapp ist der skandinavische Name und die ältere Form; „Wichteln“ ist die deutsche Bezeichnung, abgeleitet vom Weihnachtswichtel. Im Englischen heißt es Secret Santa.

Muss am Ende aufgelöst werden, wer wen hatte?

Nein, und oft ist es schöner, wenn nicht. Die Runde entscheidet das vorher. Wird aufgelöst, dann am Schluss — sonst ist die Spannung nach dem ersten Päckchen weg.

Was tun, wenn jemand vergisst, ein Geschenk mitzubringen?

Dann sitzt eine Person ohne Päckchen da, und das ist der unangenehmste Moment des Abends. Zwei neutrale Reservepäckchen im Schrank — eine Tafel Schokolade, ein Kartenspiel — lösen das geräuschlos.

Kann man wichteln, wenn die Familie über mehrere Orte verteilt ist?

Ja. Gelost wird per Nachricht, die Päckchen gehen mit der Post, und ausgepackt wird gemeinsam per Video. Wichtig ist nur, dass alle Päckchen bis zum verabredeten Termin angekommen sind — also zwei Wochen vorher losschicken, nicht eine.

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Beitrag aus der Kategorie: FamilieVerantwortlicher Autor: Jürgen BuschInhalt des Beitrages habe ich auf Richtigkeit überprüft am 15. August 2026.