

Symbolbild, mit KI erstellt. Je unnützer der Inhalt, desto aufwendiger die Verpackung — das ist die halbe Miete.
Was ist Schrottwichteln? Eine Spielart des Wichtelns, bei der bewusst nichts gekauft wird: Verschenkt wird, was ohnehin im Haus steht und niemand vermisst. Ausgelost und ausgepackt wird wie beim normalen Wichteln — nur ist hier das schlechteste Geschenk das beste.
Schrottwichteln ist die einzige Form des Schenkens, bei der man sich für ein gutes Geschenk entschuldigen muss. Wer etwas Brauchbares mitbringt, hat das Spiel nicht verstanden.
Das klingt albern, und das ist es auch. Aber es löst ein Problem, das viele Runden haben: Alle sind erwachsen, alle haben genug, und trotzdem soll etwas ausgepackt werden. Wenn nichts gekauft wird, fällt der Vergleich weg — und damit die stille Frage, wer sich mehr Mühe gegeben hat.
Auf dieser Seite stehen die Regeln, die Grenze zwischen lustig und verletzend, über dreißig Ideen aus dem eigenen Haushalt und der Grund, warum kleine Kinder besser nicht mitspielen.
Auf dieser Seite
Die Regeln — in vier Sätzen
Schrottwichteln funktioniert wie klassisches Wichteln. Der einzige Unterschied steht in der zweiten Zeile.
1. Runde festlegen
Ab sechs Personen wird es gut, ab vier geht es. Alle müssen wissen, worauf sie sich einlassen — sonst bringt einer ein ernst gemeintes Geschenk mit und steht blöd da.
2. Die eine Regel
Es wird nichts gekauft. Verschenkt wird ausschließlich, was schon im Haus ist. Wer partout etwas kaufen will, hält sich an eine Obergrenze von etwa drei Euro — dann wird auch das Gekaufte zwangsläufig albern.
3. Losen oder nicht
Zwei Wege: Entweder wird wie beim Wichteln vorher ausgelost, dann kann man das Geschenk auf die Person zuschneiden. Oder alle Päckchen kommen anonym in die Mitte und werden verwürfelt — das ist die üblichere Form, weil niemand sich anstrengen muss.
4. Auspacken mit Vorlesen
Jeder packt einzeln aus und sagt einen Satz dazu: was es ist, und wozu es vermutlich einmal gedacht war. Dieser Satz ist der eigentliche Inhalt des Abends.
Über dreißig Ideen aus dem eigenen Haushalt
Die beste Quelle ist die Schublade, die man seit Jahren nicht aufgeräumt hat. Wer nichts findet, geht diese Liste durch — erfahrungsgemäß fällt einem bei jedem dritten Stichwort etwas Eigenes ein.
Die Königsklasse: Ein Gegenstand, den man selbst einmal beim Schrottwichteln bekommen hat und seither aufbewahrt. Wer den weitergibt, hat verstanden, worum es geht — und der Gegenstand bekommt eine Geschichte, die jedes Jahr länger wird.
Wo der Spaß aufhört
Schrottwichteln lebt davon, dass alle lachen. Deshalb gibt es Dinge, die nicht ins Päckchen gehören — und die Grenze verläuft nicht dort, wo man sie zuerst vermutet.
Nichts, was auf eine Person zielt. Ein Diätbuch für die Schwägerin, ein Haarwuchsmittel für den Onkel: Das ist kein Schrottwichteln, das ist eine Bemerkung im Geschenkpapier. Der Witz muss dem Gegenstand gelten, nie dem Empfänger.
Nichts Kaputtes und nichts Schmutziges. Unnütz ja, defekt nein. Ein Gerät, das nicht mehr funktioniert, ist kein Geschenk, sondern Müll, den ein anderer entsorgen muss.
Keine Lebensmittel mit abgelaufenem Datum. Klingt witzig, ist es zwei Sekunden lang, und dann steht jemand mit einer Konserve von 2019 da.
Nichts, was gefährlich werden kann. Alte Chemikalien, Medikamente, Feuerzeuge in Kinderhand.
Und nichts, was jemandem gehört, der nicht gefragt wurde. Die Vase der Großmutter ist erst dann Schrott, wenn die Großmutter das auch findet.
Das Verpacken ist der halbe Spaß
Beim Schrottwichteln steht die Mühe in umgekehrtem Verhältnis zum Inhalt. Je unnützer der Gegenstand, desto aufwendiger die Verpackung.
Bewährt haben sich: Schichten — Karton in Karton in Karton, jede Lage einzeln verklebt. Falsche Größe — ein Schlüsselanhänger in einer Umzugskiste. Falsches Material — Zeitungspapier, Paketband, Alufolie. Und Widerstand: Klebeband, das kein Ende hat. Es ist das einzige Geschenk des Jahres, bei dem Fluchen beim Auspacken ein Kompliment ist.
Ein Karton mit einem Stein darin, damit das Gewicht nicht passt, ist ein alter Trick — und funktioniert jedes Mal.
Drei Varianten
Und die Kinder?
Kurz: Kinder unter etwa zehn spielen besser nicht mit.
Der Witz beim Schrottwichteln setzt voraus, dass man versteht, warum ein Geschenk absichtlich schlecht ist. Ein Sechsjähriger versteht das nicht. Er packt aus, findet einen Kugelschreiber mit Firmenlogo und begreift nur eines: Alle lachen, und er hat nichts bekommen. Das ist der schnellste Weg, einen Nachmittag zu verderben.
Die Lösung ist einfach: zwei Runden. Die Erwachsenen schrottwichteln, die Kinder wichteln richtig — mit einer kleinen Preisgrenze und ernst gemeinten Geschenken. Beides am selben Abend, aber nacheinander. Wie das klassische Wichteln mit Kindern läuft, steht auf der Seite zum Wichteln.
Ab wann Kinder Spaß daran haben: Etwa ab zehn, zwölf Jahren — und dann sind sie oft die Besten darin. Jugendliche haben ein sicheres Gespür für die Grenze zwischen komisch und gemein, weil sie sie täglich austesten.
Häufige Fragen zum Schrottwichteln
Was ist der Unterschied zwischen Wichteln und Schrottwichteln?
Beim Wichteln wird ein echtes Geschenk gekauft, meist bis fünf oder zehn Euro. Beim Schrottwichteln wird nichts gekauft: Verschenkt wird, was ohnehin im Haus steht und niemand vermisst. Der Ablauf — losen, verpacken, gemeinsam auspacken — ist derselbe.
Wie viele Leute braucht man?
Ab vier geht es, ab sechs wird es gut. Nach oben ist bei etwa zwölf Schluss, weil das Auspacken sonst zu lange dauert — und beim Schrottwichteln ist das Auspacken die Hauptsache.
Darf man doch etwas kaufen?
Wenn die Runde es so beschließt: ja, aber mit einer harten Obergrenze von zwei oder drei Euro. Dann bleibt der Charakter erhalten, weil man für drei Euro nichts Vernünftiges bekommt.
Was, wenn jemand ein wirklich gutes Geschenk bringt?
Dann hat er das Spiel nicht verstanden, und man sagt es ihm freundlich. Beim nächsten Mal weiß er es. Ein einzelnes gutes Geschenk kippt den Abend nicht, es macht ihn nur kurz unrund.
Eignet sich Schrottwichteln für die Familienfeier?
Ja, aber nur unter Erwachsenen. Mit kleinen Kindern in der Runde funktioniert es nicht, weil sie den Witz nicht verstehen können.
Was macht man mit dem Schrott danach?
Aufheben und im nächsten Jahr weitergeben — das ist die eigentliche Tradition. Manche Gegenstände wandern seit Jahren durch dieselbe Runde, und jedes Mal ist es lustiger.
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