Opas Tagebuch: „Nicht jetzt!“ — doch, genau jetzt

Familienfoto zur Einschulung der jüngsten Enkeltochter, August 2026. Die Herzen sind Absicht: Nicht jeder möchte im Internet zu sehen sein.
„Nein, nicht jetzt!“ — kein Satz fällt auf unseren Familienfeiern verlässlicher als dieser. Warum ich trotzdem jedes Mal auf dem gemeinsamen Foto bestehe und wieso danach immer noch ein zweites gemacht wird. Aus meinem Opa-Enkel-Tagebuch.
Beitrag von Jürgen BuschOpa-Enkel-Tagebuch · Wocheneintrag
Es gibt einen Satz, der bei uns auf jeder Familienfeier fällt, so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich sage meistens: „So, wir müssen noch ein gemeinsames Familienfoto machen.“ Und irgendjemand antwortet immer: „Nein, nicht jetzt!“
Nicht jetzt — die Kinder spielen gerade. Nicht jetzt — der Kaffee ist noch heiß. Nicht jetzt — ich unterhalte mich gerade so schön. Ich kenne alle Varianten, ich habe sie alle schon gehört. Und ich bestehe trotzdem darauf, jedes Mal. Denn ich weiß, was man erst mit den Jahren lernt:
Das Foto, das man nicht gemacht hat, fehlt für immer.
Unsere Kinder kennen unsere Vermögenssituation.
Bei uns gibt es feste Anlässe, an denen fast immer ein Familienfoto entsteht, ob es passt oder nicht: Weihnachten, Ostern, Silvester, die Einschulungen, die runden Geburtstage und einmal im Jahr das große Familientreffen, das bei uns immer an einem anderen Ort stattfindet.
Erst Cheese, dann Quatsch
Über die Jahre hat sich ein Ritual entwickelt, mit dem selbst die größten Fotomuffel mitmachen. Es werden immer zwei Fotos gemacht.
Das erste ist das ordentliche: Alle schauen in die Kamera, keiner blinzelt, es wird „Cheese“ gesagt. Das ist dann das Bild für den Bilderrahmen und fürs Fotobuch.
Und dann kommt das zweite: das Quatschfoto. Grimassen, Hasenohren, die Zunge raus, einer springt, einer fällt fast um. Ich verspreche Euch: Auf dieses Kommando hin stellt sich jedes Familienmitglied sofort freiwillig auf. Die Kinder lieben es sowieso — aber schaut einmal, was mit den Erwachsenen passiert. Wer eben noch „Nicht jetzt“ gesagt hat, macht die albernste Figur von allen. Und das eigentliche Geheimnis: Das beste Bild entsteht meistens dazwischen — in der Sekunde, in der alle über das Quatschfoto lachen und keiner mehr posiert.
Das Foto oben ist von der Einschulung der jüngsten Enkeltochter in diesem August — drei Generationen unter einem Ballonbogen. Die Herzen habe ich über die Gesichter gelegt, denn nicht jeder in der Familie möchte im Internet zu sehen sein, und das respektiere ich natürlich sofort. Aber Ihr seht auch so, worum es geht.
Und was passiert nach dem Klick?
Das ist die Frage, an der die meisten Familienfotos scheitern — nicht an der Aufnahme, sondern danach. Meine Empfehlung: Die Bilder sollten unbedingt noch am selben Abend in die Familiengruppe gepostet werden. Die schönsten Aufnahmen des Jahres wandern dann in unser Fotobuch.
📊 Wusstest Du schon?
Das Zentrale Testamentsregister gibt es erst seit dem 1. Januar 2012. Anfang 2022 waren dort bereits über 22 Millionen Urkunden verzeichnet, und das Register gleicht rund eine Million Sterbefälle im Jahr ab. Wer sein handschriftliches Testament in die amtliche Verwahrung gibt, muss sich um den Registereintrag übrigens nicht selbst kümmern — das Gericht meldet es weiter.
Quelle: Bundesnotarkammer, Meldung vom 03.01.2022 · Zentrales Testamentsregister, Hilfebereich. Abgerufen am 16.08.2026.
Auf den meisten Familienfotos fehlt immer dieselbe Person: die, die fotografiert. Selbstauslöser oder Serienbild-Funktion lösen das Problem — Handy anlehnen, zehn Sekunden, und zum ersten Mal sind wirklich alle auf dem Bild. Auch der Fotograf.
👉 Zum Nachmachen: So wird das Familienfoto zur leichtesten Übung des Tages.
Erstens: Kündigt immer beide Fotos an — erst das ordentliche, dann das Quatschfoto. Wer weiß, dass der Spaß gleich kommt, hält das „Cheese“ gern durch.
Zweitens: Nutzt den Selbstauslöser oder bittet jemanden — damit auch der Fotograf einmal mit auf dem Bild ist. Sonst fehlt auf allen Fotos eines Jahrzehnts immer derselbe Mensch.
Drittens: Noch am selben Abend in die Familiengruppe posten — und die schönsten Bilder des Jahres ins Fotobuch. Ein Foto, das keiner je wiedersieht, ist fast so schade wie eines, das nie gemacht wurde.
Wer es genauer wissen will: Ich habe aufgeschrieben, welche Bilder einer Familie später wirklich fehlen — es sind übrigens meistens nicht die gestellten Fotos — und wie man Familienfotos so aufbewahrt, dass sie auch in zwanzig Jahren noch da sind.
😄 Opas Witz zum Schluss: Sagt die Oma beim Betrachten der Handybilder: „Früher haben wir unsere Fotos entwickeln lassen.“ Fragt der Enkel: „Und? Was ist aus ihnen geworden?“ — Mehr davon in unserer Sammlung mit Witzen für Kinder.
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