

Der erste Schritt in den Zug – danach geht es fast von allein. (Symbolbild, mit KI erstellt)
Zwischen Enkelkind und Großeltern liegen oft ein paar hundert Kilometer. Die Eltern haben am Wochenende keine Zeit für vier Stunden Autobahn, und das Kind will trotzdem kommen. Seit August 2026 gibt es dafür wieder einen Begleitservice der Bahn – und daneben den ganz normalen Weg, bei dem das Kind allein im Zug sitzt. Beides geht. Dieser Beitrag sagt Dir, was Du vorher wissen musst.
Kinder dürfen ab sechs Jahren allein Bahn fahren. Bis zum 15. Geburtstag zahlen sie dann die Hälfte des Flexpreises oder Sparpreises. Begleitet geht es mit dem DB Junior Express: für Kinder von 6 bis 14 Jahren, 69 Euro je Strecke plus Kinderfahrkarte, freitags und sonntags auf drei Direktverbindungen. Die Verantwortung bleibt immer bei den Erziehungsberechtigten.
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Ab welchem Alter darf ein Kind allein fahren?
Die Grenze liegt bei sechs Jahren. Jüngere Kinder dürfen nur mit einer Aufsichtsperson reisen, ältere auch allein – rechtlich jedenfalls. Ob es auch richtig ist, entscheiden die Eltern.
Die Zahl allein sagt wenig. Ein Siebenjähriger kann reif genug sein und ein Zehnjähriger nicht. Hilfreicher sind drei Fragen, die sich zu Hause ehrlich beantworten lassen:
- Findet das Kind allein die Zugtoilette und kommt es allein zurück an seinen Platz?
- Spricht es eine fremde erwachsene Person an, wenn es Hilfe braucht – oder wartet es lieber stumm ab?
- Hält es zwei, drei Stunden aus, ohne dass jemand es bei Laune hält?
Wer bei allen drei Fragen zögert, wartet besser noch ein Jahr. Wer dreimal nickt, kann es wagen.
Der DB Junior Express: begleitet reisen
Am 21. August 2026 hat die Bahn einen Begleitservice gestartet, den es in dieser Form seit Jahren nicht mehr gab. Kinder von sechs bis einschließlich vierzehn Jahren fahren in einer kleinen Gruppe, betreut von pädagogisch geschultem Personal des Partners Proki Kinderevents – vom Startbahnhof bis zur Übergabe am Ziel.
Höchstens vierzehn Kinder reisen zusammen, begleitet von zwei Betreuungspersonen. Die Gruppe sitzt in einem reservierten Bereich und ist an Westen und Gepäckbändern zu erkennen. Unterwegs wird vorgelesen, gespielt und gebastelt; wenn der Fahrplan es hergibt, geht die Gruppe mit einer Betreuungsperson ins Bordbistro.
| Alter | 6 bis einschließlich 14 Jahre |
|---|---|
| Preis | 69 Euro je Strecke für die Begleitung, dazu die Kinderfahrkarte für die 2. Klasse. Der Sitzplatz in der Gruppe ist im Preis enthalten. |
| Strecken | Berlin Hbf – München Hbf, München Hbf – Köln Messe/Deutz, Frankfurt (Main) Hbf – Hamburg Hbf, jeweils in beide Richtungen. Ein- und Aussteigen an Zwischenhalten ist nicht möglich. |
| Tage | freitags und sonntags, nachmittags |
| Treffpunkt | Check-in am Startbahnhof ab 30 Minuten vor Abfahrt, Schluss 15 Minuten vorher |
| Buchung | über bahn.de oder die App DB Navigator, bis 24 Stunden vor Abfahrt. Die Plätze sind begrenzt. |
| Stornierung | telefonisch: bis 48 Stunden vorher kostenfrei oder Umbuchung; danach und bei Nichterscheinen keine Erstattung. Fällt der Zug aus, gibt es die 69 Euro zurück. |
| Servicepartner | Proki Kinderevents, Telefon 0228 76366160, freitags und sonntags von 10 bis 20 Uhr |
Ein Hinweis, der beim Buchen Nerven spart: Es sind zwei getrennte Schritte. Zuerst buchst Du den Begleitservice mit dem Sitzplatz, danach die passende Kinderfahrkarte (2. Klasse, ohne Sitzplatz) für genau diesen Zug. Wer nur eines von beidem erledigt, hat keine vollständige Buchung. Die Bahn rät zum Flexpreis, damit Du bei Änderungen beweglich bleibst.
Die Bahn bietet den Service „zunächst“ auf diesen drei Verbindungen an. Wer nicht an einer davon wohnt, nimmt vorerst den Weg ohne Begleitung – dazu weiter unten mehr. Alle Bedingungen stehen auf der Seite der Bahn zum DB Junior Express.
Die Übergabe: wer das Kind abholen darf
Am Startbahnhof übergibst Du das Kind persönlich an die Betreuungspersonen, am vorher genannten Treffpunkt. Am Zielbahnhof wird es ebenso persönlich übergeben – ausschließlich an die Person, die bei der Buchung eingetragen wurde. Die Übergabe wird digital festgehalten.
Diese Person braucht zweierlei: einen Personalausweis, dessen Name zur Buchung passt, und den Abholschein mit dem QR-Code aus der Bestätigungsmail. Ohne Ausweis gibt es keine Übergabe. Wenn Oma oder Opa das Enkelkind abholen, wird das also vor der Buchung geklärt und nicht am Bahnsteig.
Plane genug Vorlauf am Zielbahnhof ein. Ein Kind, das nach drei Stunden aussteigt und niemanden sieht, hat einen schlechten Start in das Wochenende. Hat der Zug Verspätung, verschiebt sich die Übergabe entsprechend.
Was der Service nicht leistet
Drei Dinge gehören klar gesagt, bevor jemand bucht.
Erstens: Der Service gilt nur für die Direktverbindungen auf den genannten Strecken. Ein Umstieg ist nicht vorgesehen.
Zweitens: Die Betreuungspersonen sind pädagogisch geschult, nicht medizinisch. Das Kind muss am Reisetag so gesund sein, dass es auch zur Schule gehen könnte, allein zur Toilette gehen können, ohne Einzelbetreuung in der Gruppe zurechtkommen und sich auf Deutsch oder Englisch verständigen. Und es muss selbst mitfahren wollen. Kinder, die während der Fahrt eine geplante medizinische Versorgung brauchen, können nicht mitfahren.
Drittens, und das gilt für jede Bahnfahrt eines Kindes: Die Verantwortung bleibt bei den Erziehungsberechtigten. Das Zugpersonal ist Ansprechpartner und greift bei Gefahr ein – eine Aufsichtspflicht übernimmt es nicht.
Ohne Begleitservice: der normale Weg
Die meisten Familien wohnen nicht an einer der drei Strecken. Dann fährt das Kind allein – das ist völlig üblich.
Bis zum 15. Geburtstag zahlen allein reisende Kinder die Hälfte des Flexpreises oder Sparpreises. Ein eigenes Ticket brauchen sie trotzdem; die kostenlose Mitfahrt für Kinder gilt nur in Begleitung. Die Bahn erklärt das auf ihrer Seite für allein reisende Kinder.
- Nimm eine Direktverbindung. Muss doch umgestiegen werden, plane mindestens zwanzig Minuten ein – bei einer Verspätung ist ein Kind mit fünf Minuten Umsteigezeit überfordert.
- Reserviere einen festen Sitzplatz, am besten im Familienbereich der 2. Klasse. Er liegt meist in der Zugmitte und ist außen am Wagen am Familien-Symbol zu erkennen.
- Sprich beim Einsteigen das Zugpersonal an und sag Bescheid, dass das Kind allein fährt. Das ist keine Pflicht für die Mitarbeiter, aber die meisten schauen danach ein zweites Mal hin.
- Geh nicht sofort, wenn das Kind sitzt. Warte am Bahnsteig, bis der Zug abgefahren ist – für den Fall, dass doch noch etwas ist.
Mein Tipp für Großeltern: Holt Ihr das Enkelkind selbst ab und fahrt gemeinsam zurück, kostet es nichts. Kinder von 6 bis 14 Jahren fahren im Fernverkehr kostenlos mit, wenn eine Person ab 15 Jahren sie begleitet – Verwandtschaft ist keine Bedingung. Das Kind muss nur bei der Buchung eingetragen werden.
Allergien, Medikamente, Unverträglichkeiten
Dieser Abschnitt ist der wichtigste, und er wird fast überall übergangen.
Gib Allergien und Medikamente beim Buchen des Junior Express an. Ändern lässt sich das später nur telefonisch über den Servicepartner, nicht in der App.
Und dann kommt die Frage, die sich vielen Familien stellt: Darf ein Kind mit einer Nussallergie und einem Notfallset überhaupt mitfahren? Ein Adrenalin-Pen für den Ernstfall ist keine geplante medizinische Versorgung – das spricht dafür. Zugleich sind die Begleitpersonen pädagogisch geschult und nicht medizinisch ausgebildet. Belastbar beantworten kann das nur der Servicepartner, und zwar vor der Buchung. Ruf dort an, bevor Du bezahlst: Proki Kinderevents, 0228 76366160, freitags und sonntags von 10 bis 20 Uhr.
Unabhängig davon, ob begleitet oder allein gefahren wird, haben sich diese Punkte bewährt:
- Genug eigenes Essen einpacken, damit das Bordbistro gar nicht nötig wird. Beim Junior Express geben die Eltern ohnehin den Proviant mit.
- Eine Notfallkarte in die Jackentasche, nicht in den Rucksack: Name des Kindes, die Allergie, was im Notfall zu tun ist, zwei Telefonnummern.
- Das Notfallset gehört in die Jacke oder ins Außenfach des Rucksacks – niemals in Gepäck, das oben in der Ablage liegt.
- Das Kind muss die Allergie selbst sagen können, in einem Satz, der auch bei Aufregung sitzt: „Ich habe eine Nussallergie und darf nichts essen, was ich nicht kenne.“ Dieser Satz wird zu Hause geübt.
- Und die Regel, die jedes Kind mit Allergie kennt, aber vor der Fahrt noch einmal besprochen gehört: Nichts annehmen, was andere Kinder anbieten. Auch nicht, wenn es nett gemeint ist.
Die Packliste
Das Kind trägt sein Gepäck selbst. Ein kleiner Rucksack ist deshalb leichter zu handhaben als ein schwerer Rollkoffer – besonders beim Ein- und Aussteigen. Muss mehr mit, lässt es sich getrennt vorausschicken.
Was unbedingt dabei sein muss:
- Die Fahrkarte und, beim Junior Express, die Buchungsbestätigung
- Ein Telefon mit vollem Akku und Ladekabel oder Powerbank – und die wichtigsten Nummern auch auf Papier, falls der Akku doch leer ist
- Essen und Trinken für die ganze Strecke, lieber etwas mehr, dazu etwas Bargeld
- Beschäftigung: Buch, Hörspiel mit Kopfhörern, Rätselheft, ein Kartenspiel
- Eine Jacke oder ein Pullover – in klimatisierten Zügen wird es kühl
- Bei Bedarf Medikamente und das Notfallset
- Etwas Vertrautes: Das Kuscheltier darf mit, auch mit zehn
Und ein praktischer Rat, der Ärger erspart: Beschrifte alles mit dem Namen des Kindes – Rucksack, Jacke, Trinkflasche, Kopfhörer. Was im Zug liegen bleibt, findet sich mit Namen deutlich leichter wieder.
Vorher üben
Die erste lange Fahrt sollte nicht die erste Zugfahrt überhaupt sein. Fahrt vorher einmal eine kurze Strecke gemeinsam und lasst das Kind dabei alles selbst machen: die Anzeigetafel lesen, den Wagen finden, den Platz suchen, zur Toilette gehen und zurückkommen.
Übt auch das Telefonieren. Ein Kind, das weiß, wie es Dich anruft und was es sagt, fährt ruhiger. Und vereinbart einen festen Zeitpunkt: einmal kurz anrufen oder eine Nachricht schicken, wenn der Zug losgefahren ist. Das beruhigt beide Seiten.
Was aus „Kids on Tour“ geworden ist
Viele Großeltern kennen noch den alten Begleitservice: „Kids on Tour“ lief von 2003 bis 2021, getragen von der Bahnhofsmission. In diesen achtzehn Jahren wurden rund 100.000 Kinder begleitet, jeweils eine ehrenamtliche Kraft für höchstens fünf Kinder.
Eingestellt wurde das Angebot, weil die Bahnhofsmissionen die Verluste nicht länger tragen konnten und die Einbindung in das Buchungssystem der Bahn nicht gelang; die Pandemiejahre kamen erschwerend hinzu.
Der Junior Express ist kein Nachfolger im engen Sinn. Er ist teurer, aber die Betreuung ist beruflich statt ehrenamtlich, und gebucht wird über die Bahn selbst. Was ihm bisher fehlt, ist die Fläche: Kids on Tour fuhr auf vielen Strecken, der Junior Express auf dreien.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter darf ein Kind allein mit der Bahn fahren?
Ab sechs Jahren. Jüngere Kinder dürfen nur in Begleitung einer Aufsichtsperson reisen. Ob das Kind so weit ist, entscheiden die Eltern – das Zugpersonal übernimmt keine Aufsichtspflicht.
Was kostet der DB Junior Express?
69 Euro je Strecke für die Begleitung, dazu kommt die Kinderfahrkarte für die 2. Klasse. Der Sitzplatz in der Gruppe ist im Preis enthalten.
Auf welchen Strecken gibt es den Begleitservice?
Berlin – München, München – Köln Messe/Deutz und Frankfurt am Main – Hamburg, jeweils in beide Richtungen, freitags und sonntags nachmittags. Ein- und Aussteigen an Zwischenhalten ist nicht möglich.
Kann ein Kind mit Allergie am Junior Express teilnehmen?
Allergien und Medikamente gibst Du bei der Buchung an. Kinder, die während der Fahrt eine geplante medizinische Versorgung brauchen, können nicht mitfahren. Ob ein Kind mit Notfallset teilnehmen darf, klärst Du vor der Buchung mit dem Servicepartner Proki Kinderevents, Telefon 0228 76366160.
Wer darf das Kind am Zielbahnhof abholen?
Nur die Person, die bei der Buchung eingetragen wurde. Sie zeigt einen Personalausweis, dessen Name zur Buchung passt, und den Abholschein mit dem QR-Code aus der Bestätigungsmail.
Bekommen allein reisende Kinder einen Rabatt?
Ja. Bis zum 15. Geburtstag zahlen sie die Hälfte des Flexpreises oder Sparpreises. Ein eigenes Ticket brauchen sie trotzdem.
Fährt das Enkelkind mit Oma und Opa kostenlos?
Ja. Kinder von 6 bis 14 Jahren fahren im Fernverkehr kostenlos, wenn eine Person ab 15 Jahren sie begleitet. Verwandtschaft ist keine Bedingung. Das Kind muss bei der Buchung eingetragen werden; bis zu vier Kinder passen auf ein Ticket.
Ob begleitet oder allein: Die erste Fahrt ist für die Erwachsenen anstrengender als für das Kind. Es sitzt im Zug, schaut aus dem Fenster und isst sein Brot – und steigt am Ziel aus, als wäre es nie etwas anderes gewohnt gewesen. Der Anruf, der danach kommt, ist meistens kurz. Das ist ein gutes Zeichen.
Weiterlesen auf grossvater.de
bahn.de: DB Junior Express · bahn.de: Allein reisende Kinder · Pressemitteilung der Deutschen Bahn vom 11. August 2026 zum Start des Junior Express · Wikipedia-Eintrag „Kids on Tour“.
Preise, Strecken und Bedingungen können sich ändern – vor der Buchung auf bahn.de prüfen. Anzeige: bezahlter Beitrag über ein Angebot der Deutschen Bahn.
