Notrufuhr, Notrufsender am Band und ein flacher Bewegungsmelder nebeneinander auf einem Holztisch

Eine Notrufuhr ist eine Armbanduhr mit Notrufknopf und Mobilfunk — sie funktioniert auch außerhalb der Wohnung, und viele Modelle erkennen einen Sturz automatisch. Der Unterschied zum Hausnotruf ist nicht die Technik, sondern die Reichweite und die Frage, wer im Ernstfall antwortet.

Diese Seite ordnet die drei Wege, auf denen ein Sturz gemeldet werden kann: die Uhr am Arm, der Hausnotruf mit Sturzsensor und die Sensorik in der Wohnung. Sie taugen für unterschiedliche Leben, und keiner von ihnen ist zuverlässig genug, um allein zu stehen.

Der Satz, der auf keiner Herstellerseite steht

Kein System erkennt jeden Sturz. Auch Apple schreibt das selbst in die Bedienungsanleitung.

Erkannt werden vor allem harte Stürze aus dem Stand. Das langsame Absacken am Sessel, das Wegrutschen im Sitzen, der Sturz aus dem Bett — das sind die Fälle, bei denen die Automatik oft schweigt. Wer eine Sturzerkennung kauft, kauft eine zweite Sicherheitsleine, nicht die erste.

Die drei Wege im Vergleich

Notrufuhr Hausnotruf mit Sensor Sensorik in der Wohnung
Wo es wirkt überall mit Handynetz in der Wohnung in den Räumen mit Sensor
Am Körper tragen? ja, am Handgelenk ja, Sender oder Kette nein — der große Vorteil
Sturzerkennung je nach Modell eingebaut als Zusatzsensor je nach System
Wer antwortet Angehörige oder Zentrale Zentrale rund um die Uhr meist Angehörige per App
Aufladen täglich bis wöchentlich nein nein
Zuschuss Pflegekasse in der Regel nein ja, 27 Euro monatlich nein
Was es kostet Kaufpreis plus ggf. Mobilfunk Monatsvertrag Anschaffung, teils Abo

Die Notrufuhr — und ihr eingebautes Problem

Die Uhr ist das beliebteste der drei Systeme, weil sie nicht nach Krankenhaus aussieht. Sie zeigt die Uhrzeit, zählt Schritte, manche messen den Puls — und der Notruf ist eine Funktion unter vielen. Das nimmt dem Gerät genau das Stigma, an dem der Hausnotruf-Knopf so oft scheitert.

Ihr Problem heißt Akku. Jede Uhr mit Mobilfunk und Sensorik muss regelmäßig geladen werden, die meisten täglich, einige wöchentlich. Geladen wird abends. Damit ist die Uhr nachts nicht am Arm — und der Weg zur Toilette im Dunkeln ist eine der häufigsten Sturzsituationen überhaupt.

Die Frage, die vor dem Kauf zu klären ist

Wann wird geladen — und liegt die Uhr in dieser Zeit im anderen Zimmer?

Wer nachts sicher sein will, braucht entweder eine Uhr mit mehrtägiger Laufzeit, die man mittags im Sessel lädt, oder ein zweites System, das ohne Körperkontakt auskommt.

Der zweite Punkt, der oft übersehen wird: Wer antwortet eigentlich? Viele Uhren rufen bei einem Alarm nacheinander hinterlegte Nummern an — Tochter, Sohn, Nachbar. Das ist billig, aber es funktioniert nur, wenn jemand rangeht. Uhren mit Anbindung an eine Notrufzentrale kosten monatlich, dafür meldet sich dort immer jemand. Diese Frage entscheidet mehr über die Sicherheit als jede technische Angabe im Datenblatt.

Was die Apple Watch kann — und was nicht

Sie ist verbreitet, deshalb hier gesondert: Die Sturzerkennung der Apple Watch ist ab einem Alter von 55 Jahren automatisch eingeschaltet. Erkennt die Uhr einen harten Sturz und bleibt danach eine Minute lang unbewegt, wählt sie selbstständig den Notruf und schickt den Standort an hinterlegte Kontakte.

Das ist ein starkes Merkmal. Drei Einschränkungen gehören dazu: Der Notruf geht an die Rettungsleitstelle, nicht an eine Betreuungszentrale, die auch einfach nur nachschauen könnte. Das Modell mit Mobilfunk kostet mehr und braucht einen eigenen Tarif — ohne ihn funktioniert die Uhr außer Haus nur in der Nähe des Telefons. Und der Akku hält einen Tag.

Sensorik in der Wohnung — der unterschätzte dritte Weg

Es gibt Systeme, die gar nichts am Körper verlangen: Bewegungsmelder in Flur und Bad, Sensoren an Kühlschranktür und Bett, in einigen Wohnungen auch Radartechnik, die Stürze im Raum erkennt, ohne zu filmen.

Der Vorteil ist der ganze Punkt: Man kann nichts vergessen, was man nicht anziehen muss. Kein Akku, kein Knopf in der Schublade, kein Stigma. Solche Systeme melden nicht den Notfall, sondern das Ausbleiben des Gewohnten — wenn morgens um zehn die Kühlschranktür noch nicht offen war, geht eine Nachricht an die Tochter.

Der Nachteil: Sie kosten mehr, sie brauchen Einrichtung, und sie werfen die Frage auf, die dieses ganze Thema begleitet.

Überwachung oder Fürsorge?

Es lohnt sich, das Wort auszusprechen, das viele suchen, aber ungern sagen: Überwachung. Wer schaut, ob die Mutter aufgestanden ist, überwacht sie. Auch wenn er es aus Liebe tut.

Es gibt dazu eine einfache Grenze, und sie ist nicht technischer Natur: Wer überwacht wird, muss zugestimmt haben — und die Zustimmung muss widerrufbar sein. Ein System, das jemand nicht abschalten kann, ist keine Fürsorge mehr.

Drei Regeln, die sich bewährt haben

Erstens: Die betroffene Person entscheidet, nicht die Kinder. Auch dann, wenn die Kinder anderer Meinung sind.

Zweitens: So wenig wie möglich. Ein Bewegungsmelder im Flur beantwortet dieselbe Frage wie eine Kamera — ohne dass jemand beim Anziehen gefilmt wird.

Drittens: Kameras gehören nicht in Wohnräume. Wer den Impuls hat, eine aufzustellen, sollte zuerst prüfen, ob nicht ein Sensor reicht. In fast allen Fällen reicht er.

Erhebungen zeigen seit Jahren, dass die Sorge vor Überwachung der meistgenannte Grund ist, warum solche Technik abgelehnt wird — sie steht noch vor den Kosten. Wer das Gespräch mit dieser Sorge beginnt statt mit dem Gerät, kommt weiter.

Was ich empfehlen würde

Wenn … dann
jemand überwiegend zu Hause ist Hausnotruf. Günstiger, bezuschusst, kein Akku
jemand noch viel unterwegs ist Notrufuhr mit eigenem Mobilfunk
die Sorge vor allem der Nacht gilt Sensorik in der Wohnung, keine Uhr
der Knopf ohnehin abgelegt wird Sensorik — sie verlangt nichts
es ums Erstemal geht und der Weg noch offen ist Hausnotruf zuerst. Er ist der günstigste Einstieg und lässt sich später ergänzen

Alle weiteren Bausteine — Thermostate, Türklingel, Sprachsteuerung — stehen im Überblick Smart Home für Senioren.

Häufige Fragen zu Notrufuhr und Sturzerkennung

Zahlt die Pflegekasse eine Notrufuhr?

In der Regel nicht. Der Zuschuss von 27 Euro monatlich nach § 40 SGB XI gilt dem Hausnotruf als technischem Pflegehilfsmittel. Notrufuhren sind meist Verbraucherprodukte und werden nicht bezuschusst. Eine Anfrage bei der eigenen Pflegekasse kostet trotzdem nichts.

Erkennt eine Notrufuhr jeden Sturz?

Nein, und kein Hersteller behauptet das. Erkannt werden vor allem harte Stürze aus dem Stand. Langsames Absacken, Stürze im Sitzen oder aus dem Bett werden häufig nicht erfasst. Die Sturzerkennung ist eine Ergänzung zum Knopf, kein Ersatz.

Wie lange hält der Akku einer Notrufuhr?

Je nach Modell zwischen einem Tag und etwa einer Woche. Das ist beim Kauf das wichtigste Kriterium, das im Datenblatt steht: Eine Uhr, die nachts an der Ladestation liegt, schützt nachts nicht.

Was ist besser — Uhr oder Hausnotruf?

Wer überwiegend zu Hause ist, fährt mit dem Hausnotruf besser: günstiger, bezuschusst, kein Aufladen, und es meldet sich rund um die Uhr eine geschulte Zentrale. Die Uhr lohnt sich, wenn jemand noch viel außer Haus unterwegs ist.

Gibt es einen aktuellen Test zu Notrufuhren?

Der jüngste größere Bericht der Stiftung Warentest zu Notrufuhren stammt aus dem Februar 2024. Zu Hausnotrufsystemen gibt es seit 2018 keinen neuen Test.

Ist eine Kamera in der Wohnung erlaubt?

Zwischen Erwachsenen gilt: nur mit Zustimmung der gefilmten Person, und sie muss widerrufbar sein. In Wohn- und Schlafräumen ist eine Kamera fast immer die falsche Lösung — ein Bewegungsmelder beantwortet dieselbe Frage, ohne jemanden zu filmen.