
Die Anmeldung hast du hinter dir. Das Programm ist offen. Unten blinkt ein leeres Feld und wartet. Und genau hier bleiben die meisten stehen – nicht weil die Technik schwierig wäre, sondern weil niemand sagt, was man da eigentlich hineinschreibt.
Ich habe es am Anfang auch falsch gemacht. Ich habe Stichwörter eingetippt, so wie bei Google: Geburtstagsgruß Enkel. Zurück kam etwas Brauchbares, aber Blasses. Erst als ich anfing, ganze Sätze zu schreiben und dazuzusagen, für wen und wie lang, wurden die Antworten gut. Das ist der ganze Trick. Auf dieser Seite zeige ich dir, wie er funktioniert.
Kurz gesagt
- Schreibe ganze Sätze, keine Stichwörter.
- Sage dazu, für wen es ist, wie lang es werden soll und in welchem Ton.
- Die erste Antwort ist ein Entwurf. Du darfst nachbessern lassen – beliebig oft.
- Keine Namen, Adressen, Krankheiten oder Kontodaten hineinschreiben.
- Zahlen, Namen und Jahresangaben immer nachprüfen.
Das ist kein Suchfeld
Der wichtigste Unterschied zu Google: Google will Stichwörter, weil es Seiten sucht. Die KI will Sätze, weil sie eine Aufgabe erledigen soll. Sie ist kein Karteikasten, sondern ein sehr geduldiger Mitarbeiter, der noch nie in deinem Leben war.
Das heißt auch: Sie weiß nichts. Nicht, dass dein Enkel Jonas heißt. Nicht, dass er acht wird. Nicht, dass du lieber kurz und herzlich schreibst als lang und feierlich. Alles, was in der Antwort vorkommen soll, muss vorher in der Frage stehen. Klingt nach Arbeit, ist aber der Unterschied zwischen einer Antwort, die du wegwirfst, und einer, die du abschickst.
Höflichkeit schadet nicht, hilft aber auch nicht. Du musst nicht „bitte“ schreiben und dich nicht bedanken. Es stört auch nicht. Viele – ich auch – tun es einfach aus Gewohnheit.
Vier Zutaten – und die Antwort sitzt
Du brauchst keine Fachsprache und keine Tricks. Eine gute Frage hat vier Teile. Nicht jede Frage braucht alle vier – aber je mehr davon drinstehen, desto weniger musst du hinterher nachbessern.
Der Auftrag
Was soll die KI tun?
Fang mit einem Verb an: schreibe, erkläre, fasse zusammen, vergleiche, finde, übersetze. Das ist der Kern. Ohne ihn rät die KI, was du willst.
„Schreibe einen Geburtstagsgruß.“
Der Zusammenhang
Für wen? In welcher Lage?
Hier kommt alles hinein, was die KI nicht wissen kann. Namen darfst du weglassen oder erfinden – wichtig ist das Drumherum: Alter, Anlass, Verhältnis, Vorgeschichte.
„… für meinen Enkel, er wird acht. Wir haben im Sommer zusammen ein Vogelhaus gebaut.“
Die Form
Wie lang? In welcher Gestalt?
Ohne Angabe bekommst du meistens zu viel. Sage es einfach: drei Sätze. Eine Liste mit fünf Punkten. Eine halbe Seite. Eine Tabelle. Ein Reim.
„… Höchstens vier Sätze, keine Aufzählung.“
Der Ton
Wie soll es klingen?
Das ist die Zutat, die am meisten ausmacht und die fast alle vergessen. Herzlich, sachlich, frech, feierlich, einfach, wie für ein Kind, wie in einem Brief.
„… Herzlich, aber nicht kitschig. So, wie ein Opa wirklich spricht.“
Alles zusammen
„Schreibe einen Geburtstagsgruß für meinen Enkel, er wird acht. Wir haben im Sommer zusammen ein Vogelhaus gebaut. Höchstens vier Sätze, keine Aufzählung. Herzlich, aber nicht kitschig – so, wie ein Opa wirklich spricht.“
Das sind vier Zeilen Tipparbeit. Und du bekommst etwas, das du so abschicken kannst.
Drei Beispiele: vorher und nachher
Hier steht links, was die meisten zuerst eintippen – und rechts dieselbe Sache mit den vier Zutaten. Lies beide Spalten und du siehst sofort, woran es liegt.
Ein Brief an die Versicherung
So nicht
„Brief Versicherung Schaden“
Drei Stichwörter. Die KI weiß nicht, was passiert ist, was du willst und wie förmlich es sein soll. Sie erfindet einen Allzweckbrief mit Platzhaltern.
So besser
„Schreibe einen sachlichen Brief an meine Hausratversicherung. Ein Wasserrohr im Bad ist gebrochen, der Boden im Flur ist beschädigt. Ich möchte, dass ein Gutachter kommt. Höflich, aber bestimmt, etwa eine halbe Seite. Schadennummer lasse ich frei.“
Fertiger Brief, den du nur noch um Datum und Schadennummer ergänzt.
Etwas verstehen, was man nicht versteht
So nicht
„Was ist ein ETF?“
Du bekommst eine korrekte, aber lehrbuchhafte Antwort mit Begriffen, die du dann auch nicht kennst: Index, Sondervermögen, Thesaurierung.
So besser
„Erkläre mir, was ein ETF ist. Ich bin 72 und habe mich nie mit Börse beschäftigt. Benutze keine Fachwörter, und wenn doch, erkläre sie sofort. Höchstens sechs Sätze, und bring einen Vergleich aus dem Alltag.“
Eine Erklärung, die hängen bleibt – weil sie für dich geschrieben ist.
Ein Ausflug mit den Enkeln
So nicht
„Ausflugstipps Hamburg“
Eine Liste der bekannten Sehenswürdigkeiten. Ohne Alter, ohne Wetter, ohne Entfernung – also ohne alles, was die Entscheidung ausmacht.
So besser
„Wir wollen am Sonntag einen Ausflug machen: ich, meine Frau und zwei Enkel (5 und 9). Wir starten in Lüneburg und wollen höchstens eine Stunde fahren. Es soll regnen. Nenne mir drei Ziele, jeweils mit einem Satz, warum es für beide Altersstufen passt.“
Drei brauchbare Vorschläge statt zwanzig unbrauchbarer.
Der eigentliche Trick: nachfragen
Das hier ist der Punkt, an dem bei mir der Knoten geplatzt ist. Ich dachte lange, ich müsste die perfekte Frage formulieren, und war enttäuscht, wenn die Antwort nicht passte. Dabei ist die erste Antwort nie das Ergebnis. Sie ist ein Entwurf.
Du kannst einfach weiterschreiben. Die KI behält das Gespräch im Kopf – du musst nichts wiederholen. Zwei Wörter genügen oft: Kürzer bitte. Und schon kommt dieselbe Antwort in halber Länge.
Genau das unterscheidet jemanden, der die KI benutzt, von jemandem, der sie ausprobiert hat und wieder aufgehört hat. Nicht die erste Frage. Die zweite.
Neun Sätze, die immer funktionieren
Schreib dir die auf einen Zettel und lege ihn neben das Tablet. Mehr brauchst du am Anfang nicht.
„Kürzer bitte.“
Der häufigste Wunsch von allen.
„Einfacher, bitte ohne Fachwörter.“
Wenn die Antwort zu gelehrt klingt.
„Erkläre es so, als wäre ich achtzig.“
Wirkt erstaunlich gut.
„Herzlicher.“
Oder: sachlicher, lockerer, förmlicher.
„Gib mir drei andere Vorschläge.“
Wenn nichts davon passt.
„Das klingt zu gekünstelt.“
Die KI merkt selbst, wo sie übertrieben hat.
„Nenne mir nur den zweiten Punkt genauer.“
Vertiefen statt neu anfangen.
„Frage mich, was du noch wissen musst.“
Dreht es um – die KI fragt dich.
„Woher weißt du das?“
Zwingt sie, Farbe zu bekennen.
Der Satz, der mir am meisten gebracht hat
„Frage mich, was du noch wissen musst, bevor du anfängst.“
Dann stellt die KI dir drei, vier Rückfragen – und du merkst beim Antworten selbst, was du eigentlich willst. Für alles, was länger ist als ein paar Sätze (eine Rede, ein Beschwerdebrief, ein Text für eine Einladung) ist das der beste Anfang, den ich kenne.
Was nicht in die Frage gehört
Alles, was du eintippst, verlässt deine Wohnung. Es landet auf einem Rechner, der irgendwo steht, und es kann dort gespeichert werden. Das ist kein Grund, es nicht zu benutzen – aber ein Grund, zwei Dinge zu trennen: Was die KI für die Aufgabe wirklich braucht, und was nur zufällig dazugehört.
Besser weglassen
- Vollständige Namen von Angehörigen
- Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten
- Diagnosen, Medikamente, Befunde
- Konto-, Karten- und Versicherungsnummern
- Passwörter – niemals, nirgends
- Vertragsunterlagen mit allen Daten darin
Reicht völlig
- „meine Enkelin, 9 Jahre“
- „eine Stadt in Norddeutschland“
- „ein Blutdruckmittel“
- „Schadennummer lasse ich frei“
- „mein Versicherer“ statt des Namens
- Platzhalter wie XXX, die du hinterher ersetzt
Die Antwort wird dadurch nicht schlechter. Sie kommt mit Platzhaltern, und die füllst du hinterher von Hand aus – in Sekunden. Mehr dazu auf der Seite KI sicher nutzen.
Wenn die Antwort falsch ist
Das passiert. Nicht oft, aber es passiert – und zwar auf die unangenehmste Art: Die KI erfindet etwas und schreibt es in demselben ruhigen, sicheren Ton wie alles andere. Es gibt keinen Warnhinweis. Man muss es selbst merken.
Meine Regel ist einfach: Alles, was du weitergeben oder worauf du dich verlassen würdest, prüfst du nach. Bei einem Geburtstagsgruß ist nichts zu prüfen. Bei einer Jahreszahl, einer Adresse, einem Preis, einer Rechtsfrage oder einer Gesundheitsauskunft sehr wohl.
Woran man Erfundenes oft erkennt
- Sehr konkrete Zahlen ohne Quelle („seit 1987“, „42 Prozent“)
- Namen von Büchern, Gesetzen oder Studien, die es nicht gibt
- Ein Museum oder Restaurant, das genau so heißt, wie es heißen müsste
- Antworten auf Fragen nach dem Neuesten – da ist die KI oft nicht aktuell
Zwei Nachfragen helfen: „Woher weißt du das?“ und „Bist du dir da sicher?“ Beim zweiten Satz rudert die KI oft von selbst zurück. Das ist kein Beweis, aber ein guter Hinweis. Und bei allem, was wirklich zählt: eine Minute Google hinterher. Oder die Ausflugsziele anrufen.
Sechs Schablonen zum Abschreiben
Keine fertigen Beispielsätze, sondern Gerüste: Du ersetzt die eckigen Klammern durch das, was bei dir gerade ansteht. Nach drei, vier Mal brauchst du sie nicht mehr.
Ein Brief oder eine E-Mail
Schreibe [einen Brief / eine E-Mail] an [Empfänger]. Anlass: [was passiert ist]. Ich möchte erreichen, dass [Ziel]. Ton: [höflich / bestimmt / freundlich]. Länge: [etwa eine halbe Seite]. Persönliche Daten lasse ich frei.
Etwas erklärt bekommen
Erkläre mir [Thema]. Ich habe damit noch nie zu tun gehabt. Ohne Fachwörter, und wenn doch, erkläre sie sofort. Höchstens [sechs] Sätze, mit einem Vergleich aus dem Alltag.
Einen langen Text verstehen
Ich füge gleich [einen Text / einen Brief] ein. Fasse ihn in [drei] Sätzen zusammen und sage mir dann, ob ich etwas tun muss und bis wann.
Eine Entscheidung vorbereiten
Ich überlege, ob ich [Vorhaben]. Nenne mir die [drei] wichtigsten Argumente dafür und die [drei] wichtigsten dagegen, jeweils in einem Satz. Am Ende: welche Frage sollte ich mir selbst noch stellen?
Eine Rede oder Ansprache
Ich soll bei [Anlass] ein paar Worte sagen, vor etwa [Anzahl] Leuten, ungefähr [drei] Minuten. Frage mich zuerst, was du wissen musst, und schreibe danach einen Entwurf. Ton: [herzlich, mit einem Schmunzeln].
Etwas für die Enkel
Erfinde [eine Gute-Nacht-Geschichte] für [ein Kind von 6 Jahren]. Darin sollen vorkommen: [Stichworte]. Länge: [fünf Minuten zum Vorlesen]. Sprache einfach, ohne Angst am Ende.
Häufige Fragen
Muss ich die Frage in einem Rutsch perfekt formulieren?
Nein. Das ist der größte Irrglaube. Fang an, schau was kommt, und bessere nach. Zwei Wörter reichen oft: „Kürzer bitte.“
Kann ich mehrere Fragen auf einmal stellen?
Ja, aber die Antwort wird dann lang und ungenau. Besser: eine Sache, nachfragen, nächste Sache. Die KI behält das Gespräch im Kopf.
Kann ich Rechtschreibfehler machen?
So viele du willst. Die KI liest über Tippfehler hinweg, versteht Umgangssprache und stört sich nicht an fehlenden Kommas. Diktieren geht auch – dazu das Mikrofonsymbol im Eingabefeld antippen.
Ist es schlimm, wenn ich dieselbe Frage nochmal stelle?
Nein, und es ist sogar nützlich. Dieselbe Frage bringt jedes Mal eine etwas andere Antwort. Wenn dir nichts gefällt: „Gib mir drei andere Vorschläge.“
Merkt sich die KI, was ich gestern gefragt habe?
Innerhalb eines Gesprächs ja. Ein neues Gespräch fängt bei null an. Manche Programme merken sich inzwischen auch daruber hinaus etwas – das lässt sich in den Einstellungen abschalten.
Wie lang darf eine Frage sein?
Viel länger, als du denkst. Ein ganzer Absatz ist völlig normal. Zu kurz ist das Problem, nicht zu lang.
Und jetzt einfach anfangen
Du musst nichts davon auswendig lernen. Nimm eine Sache, die diese Woche wirklich ansteht – ein Brief, ein Geschenkeinfall, eine Frage, die du nie zu stellen gewagt hast – und schreibe sie in ganzen Sätzen hin. Wenn die Antwort nicht passt: „Kürzer bitte.“ Damit hast du alles Wesentliche gemacht.
7 Beispiele zum Ausprobieren
Fertige Fragen, die du abschreiben kannst – wenn Du erst einmal sehen willst, was herauskommt.
KI sicher nutzen
Was nie ins Eingabefeld gehört, wie man Betrug erkennt und was mit Deinen Eingaben passiert.
KI-Mythen
Hört die mich ab? Macht sie mich dumm? Die ehrlichen Antworten auf die häufigsten Sorgen.
Noch nicht angemeldet?
Schritt für Schritt mit Bildern: ChatGPT auf dem iPhone oder am Computer einrichten.
Alle Beispiele auf dieser Seite habe ich selbst ausprobiert. Inhalt auf Richtigkeit überprüft am 25. September 2026.
