Aufgeklapptes MacBook auf dem Frühstückstisch, auf dem Bildschirm eine Rückfrage des Chat-Programms zur Erinnerungsfunktion

Die Frage, bei der ich kurz innegehalten habe. Mein Frühstückstisch, ein Montagmorgen im September.

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten Händen Beitrag von Jürgen Busch

OPA-ENKEL-TAGEBUCH · WOCHENEINTRAG

Heute früh, zwischen Kaffee und Zeitung, hat mich mein Rechner etwas gefragt. Ob ich die Erinnerung einschalten möchte. Das Programm solle sich künftig merken, was ich ihm erzähle — aus den Chats, den Dateien, den verbundenen Apps. Und darunter stand, ehrlicher als ich erwartet hatte: Die Erinnerung kann vertrauliche Informationen enthalten, die du angibst.

Da habe ich die Tasse abgestellt.

Jeden Morgen lese ich beim Frühstück die Süddeutsche, und jeden Morgen finde ich darin einen Beitrag über Künstliche Intelligenz. Mal geht es um Arbeitsplätze, mal um Schulen, mal um einen Konzern, der Milliarden verbaut. Was ich fast nie finde, ist ein Satz darüber, was das für uns bedeutet — für die, die morgens nicht mehr ins Büro gehen.

Genau da liegt der Punkt. Wer im Berufsleben steht, kommt an dieser Technik nicht vorbei. Sie liegt auf dem Schreibtisch, sie steckt im Programm, der Chef erwartet sie. Wer nicht mehr im Berufsleben steht, begegnet ihr einfach nicht. Niemand legt sie einem hin. Man muss selbst aktiv werden.

Die drei Sätze

Wenn ich im Bekanntenkreis davon anfange, höre ich fast immer einen von drei Sätzen.

„Das neue Zeug brauche ich nicht.“ — Stimmt. Brauchen tut man es nicht. Ich habe auch dreißig Jahre ohne Handy gelebt. Nur kenne ich inzwischen niemanden mehr, der es wieder hergeben würde.

„Die KI macht mir Angst.“ — Den Satz nehme ich ernst, er hat einen wahren Kern. Es gibt Betrug mit geklonten Stimmen am Telefon, es gibt Antworten, die frei erfunden sind, es gibt Firmen, die mehr über uns wissen wollen als nötig. Nur schützt Angst davor nicht. Wissen schützt. Wer versteht, wie so ein Programm arbeitet, merkt auch, wann es ihn anschwindelt.

„Das kann ich nicht mehr.“ — Der ärgert mich am meisten, weil er fast immer falsch ist. Man tippt eine Frage ein, so wie man sie einem Menschen stellen würde. Mehr ist es nicht. Keine Befehle, keine Kürzel, kein Kurs. Wer eine WhatsApp schreiben kann, kann das auch.

Und was habe ich nun geantwortet?

Ich habe die Erinnerung eingeschaltet. Weil ich will, dass das Programm weiß, wie ich schreibe, und dass ich für Großeltern schreibe und nicht für Ingenieure. Das spart mir jedes Mal fünf Sätze Erklärung.

Aber ich weiß seither auch: Was ich da eintippe, ist nicht weg, wenn ich das Fenster schließe.

Also habe ich mir eine kleine Regel gemacht, und die ist nicht kompliziert. Keine Kontonummern. Keine Passwörter. Keine Versichertennummer, kein Geburtsdatum der Enkel, keine Adresse meiner Kinder. Nichts, was ich einem freundlichen Fremden am Nebentisch im Café auch nicht erzählen würde. Das ist der ganze Maßstab. Er reicht.

Und was ich sehr wohl hineingebe: Briefe, die ich formulieren muss. Die Post von der Krankenkasse, für die ich früher einen halben Vormittag gebraucht habe. Versicherungsbedingungen, die offenbar niemand verständlich schreiben will. Reisepläne. Und wenn mir für den Kindergeburtstag nichts einfällt, zwanzig Ideen, von denen drei brauchbar sind. Das reicht ja auch.

Was das Ding nicht ist: ein Arzt, ein Anwalt, ein Steuerberater. Es klingt immer überzeugt, auch wenn es Unsinn erzählt. Wer das weiß, dem passiert nichts.

Wie es weitergeht

Im Oktober und November halte ich dazu an drei Vormittage bei NEW GENERATION einen Mitmach-Workshop. Die Termine, die Anmeldung und was eine Diplomarbeit von 1975 damit zu tun hat, stehen auf meiner persönlichen Seite unter IT und KI.

Wie ich überhaupt dazu gekommen bin, habe ich hier schon einmal erzählt. Und alles, was ich seitdem gelernt habe — womit man anfängt, was es kostet, worauf man achten muss —, sammle ich Stück für Stück im Ratgeber für Großeltern.

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Neugier ist ein guter.

Bis zur nächsten Woche — euer Opa Jürgen

Inhalt des Beitrages auf Richtigkeit überprüft am 21. September 2026.

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