Großvater und Enkelkind am Küchentisch beim Backpulver-Vulkan, daneben Gläser mit Rotkohlsaft in verschiedenen Farben

Symbolbild, mit KI erstellt — keine reale Person. Zu sehen sind zwei Versuche dieser Seite nebeneinander: der Backpulver-Vulkan und der Rotkohlsaft, der je nach Zugabe die Farbe wechselt.

🧪 Zehn Experimente, die in jeder Küche gelingen

Zehn Experimente, für die Du nichts kaufen musst. Alles, was hier gebraucht wird, steht in einer normalen Küche: Backpulver, Essig, Rotkohl, ein Glas, eine Kerze, etwas Milch. Wir haben sie mit den Enkelkindern durchprobiert — vom Vierjährigen bis zum Zehnjährigen ist für jeden etwas dabei.

Das Beste daran ist nicht der Effekt, sondern das, was danach passiert: Kinder wollen wissen, warum. Und Großeltern haben, anders als Eltern am Wochentag, die Zeit, es zweimal zu machen und dabei zu erklären.

Vorher lesen: Nichts von dem, was hier entsteht, wird getrunken oder gegessen. Bei den beiden Versuchen mit Kerze bleibt immer ein Erwachsener am Tisch. Und alles, was mit heißem Wasser zu tun hat, gießt der Erwachsene ein — nicht das Kind.

🧪 Die zehn Experimente auf einen Blick

Experiment Alter Dauer Aha-Effekt
1. Der Backpulver-Vulkan ab 4 10 Min. zischt und schäumt sofort
2. Rotkohlsaft als Zauberfarbe ab 6 30 Min. Farbe wechselt von Blau zu Rot und Grün
3. Tanzende Rosinen ab 4 5 Min. Rosinen fahren Fahrstuhl
4. Die Milchstraße ab 5 10 Min. Farben fliehen vor dem Spülmittel
5. Das Ei im Salzwasser ab 5 10 Min. das Ei steigt auf
6. Wasser im umgedrehten Glas ab 6 5 Min. Wasser bleibt oben
7. Die Kerze im Glas ab 6 10 Min. Wasser steigt ins Glas
8. Unsichtbare Tinte ab 7 20 Min. Geheimschrift wird sichtbar
9. Der Regenbogen im Glas ab 8 20 Min. vier Schichten stehen übereinander
10. Die Büroklammer schwimmt ab 7 10 Min. Metall liegt auf dem Wasser

🧒 Für die Kleinen: vier bis fünf Jahre

1. Der Backpulver-Vulkan

ab 4 Jahren · 10 Minuten

Das brauchst Du: ein Glas oder eine kleine Flasche, zwei Päckchen Backpulver, ein halbes Glas Essig, etwas Spülmittel, rote Lebensmittelfarbe (wenn vorhanden), ein tiefer Teller

So geht es:

  1. Das Glas in den tiefen Teller stellen — es läuft über, das gehört dazu.
  2. Backpulver hineingeben, einen Spritzer Spülmittel dazu, wenn vorhanden einen Tropfen Farbe.
  3. Das Kind gießt den Essig hinein und tritt einen Schritt zurück.

Was dahintersteckt: Backpulver enthält Natron. Trifft es auf Essigsäure, entsteht Kohlendioxid — dasselbe Gas, das in Sprudelwasser Blasen macht. Das Spülmittel hält die Blasen fest, deshalb wird Schaum daraus.

Opas Tipp: Den Versuch draußen oder auf einem Backblech machen. Es geht immer mehr daneben, als man denkt — und genau das finden Kinder gut.

3. Tanzende Rosinen

ab 4 Jahren · 5 Minuten

Das brauchst Du: ein hohes Glas, Mineralwasser mit viel Kohlensäure, eine Handvoll Rosinen

So geht es:

  1. Das Glas mit Mineralwasser füllen.
  2. Fünf oder sechs Rosinen hineinwerfen.
  3. Warten und zusehen — nach einer Minute geht es los.

Was dahintersteckt: An der rauen Oberfläche der Rosinen sammeln sich Gasbläschen. Sie tragen die Rosine nach oben wie kleine Schwimmflügel. Oben platzen die Bläschen, die Rosine sinkt wieder — und das Ganze beginnt von vorn.

Opas Tipp: Funktioniert auch mit trockenen Nudeln oder einem Stück Apfel. Das Kind darf raten, was am besten „tanzt“.

4. Die Milchstraße

ab 5 Jahren · 10 Minuten

Das brauchst Du: ein flacher Teller, Vollmilch (keine fettarme), Lebensmittelfarbe in zwei bis drei Farben, ein Wattestäbchen, ein Tropfen Spülmittel

So geht es:

  1. Milch in den Teller gießen, bis der Boden bedeckt ist.
  2. In die Mitte je einen Tropfen Farbe setzen, dicht nebeneinander.
  3. Das Wattestäbchen in Spülmittel tauchen und damit vorsichtig die Milch in der Mitte berühren.

Was dahintersteckt: Spülmittel zerstört die Verbindung zwischen den Fetttröpfchen in der Milch. Das Fett zieht sich blitzschnell zurück und nimmt die Farbe mit — deshalb fliehen die Farben nach außen.

Opas Tipp: Mit fettarmer Milch passiert fast nichts. Das ist selbst ein kleines Experiment: erst die eine, dann die andere.

5. Das Ei im Salzwasser

ab 5 Jahren · 10 Minuten

Das brauchst Du: zwei hohe Gläser, zwei rohe Eier, Wasser, sechs bis acht Esslöffel Salz, ein Löffel zum Rühren

So geht es:

  1. Beide Gläser mit Wasser füllen.
  2. In das eine Glas so viel Salz rühren, bis sich nichts mehr auflöst.
  3. In jedes Glas vorsichtig ein Ei gleiten lassen.

Was dahintersteckt: Salzwasser ist schwerer als Süßwasser. Ein Ei ist schwerer als Süßwasser, aber leichter als stark gesalzenes — deshalb sinkt es links und schwimmt rechts. Aus demselben Grund trägt das Tote Meer jeden Schwimmer.

🧑 Für Schulkinder: sechs bis acht Jahre

2. Rotkohlsaft als Zauberfarbe

ab 6 Jahren · 30 Minuten

Das brauchst Du: ein Viertel Rotkohl, heißes Wasser, ein Sieb, mehrere kleine Gläser, Essig, Natron oder Backpulver, Zitronensaft, Seifenwasser

So geht es:

  1. Den Rotkohl klein schneiden, in eine Schüssel geben und mit heißem Wasser übergießen (macht der Erwachsene).
  2. Zwanzig Minuten ziehen lassen, dann abgießen — der Saft ist tiefblau bis violett.
  3. Den Saft auf die Gläser verteilen.
  4. In jedes Glas etwas anderes geben: Essig, Zitronensaft, Natron, Seifenwasser. Ein Glas bleibt pur zum Vergleichen.

Was dahintersteckt: Rotkohlsaft enthält einen Farbstoff, der auf Säuren und Laugen reagiert. In Säure wird er rot bis pink, in Lauge grün bis gelb. Chemiker nennen so etwas einen Indikator — und genau so einen benutzt auch das Prüfpapier im Schwimmbad.

Opas Tipp: Ein Blatt Küchenpapier in den Saft tauchen, trocknen lassen, in Streifen schneiden: fertig ist das eigene Teststreifen-Set für den nächsten Besuch.

6. Wasser im umgedrehten Glas

ab 6 Jahren · 5 Minuten

Das brauchst Du: ein Glas, ein Blatt festes Papier oder eine Postkarte, Wasser, eine Schüssel darunter

So geht es:

  1. Das Glas randvoll mit Wasser füllen — wirklich randvoll.
  2. Das Papier auflegen und mit der flachen Hand andrücken.
  3. Über der Schüssel umdrehen, dann die Hand langsam wegnehmen.

Was dahintersteckt: Von außen drückt die Luft mit erstaunlicher Kraft gegen das Papier — stärker, als das Wasser im Glas nach unten zieht. Deshalb bleibt beides oben. Ohne Luftdruck fiele alles sofort herunter.

Opas Tipp: Beim ersten Mal über der Spüle üben. Wenn Luftblasen im Glas sind, klappt es nicht — dann noch einmal randvoll füllen.

7. Die Kerze im Glas

ab 6 Jahren · 10 Minuten

Das brauchst Du: ein Teelicht, ein tiefer Teller, ein hohes Glas, Wasser, etwas Lebensmittelfarbe, Streichhölzer (nur für den Erwachsenen)

So geht es:

  1. Wasser in den Teller gießen und einfärben, damit man es besser sieht.
  2. Das Teelicht in die Mitte stellen und anzünden — das macht der Erwachsene.
  3. Das Glas über die Kerze stülpen und ruhig halten.
  4. Zusehen: Die Flamme geht aus, und das Wasser steigt ins Glas.

Was dahintersteckt: Die Flamme verbraucht den Sauerstoff und erwärmt die Luft im Glas. Beim Abkühlen zieht sich die Luft zusammen und braucht weniger Platz — der Luftdruck von außen schiebt das Wasser nach.

Opas Tipp: Ein Erwachsener bleibt am Tisch, solange die Kerze brennt. Danach das Teelicht selbst wegräumen, nicht das Kind.

8. Unsichtbare Tinte

ab 7 Jahren · 20 Minuten

Das brauchst Du: eine Zitrone, ein Schälchen, ein Wattestäbchen oder ein Pinsel, weißes Papier, eine Lampe mit Glühbirne oder ein Bügeleisen

So geht es:

  1. Zitronensaft in das Schälchen pressen.
  2. Mit dem Wattestäbchen eine Nachricht auf das Papier schreiben und trocknen lassen.
  3. Das trockene Blatt vorsichtig erwärmen — über einer warmen Glühbirne oder mit dem Bügeleisen (Erwachsener).
  4. Die Schrift wird braun und lesbar.

Was dahintersteckt: Zitronensaft enthält Kohlenstoffverbindungen, die schon bei niedriger Temperatur verbrennen — früher als das Papier. Deshalb wird die Schrift braun, während das Blatt weiß bleibt.

Opas Tipp: Das ist der beste Auftakt für eine Schatzsuche im Garten: Die erste Botschaft muss erst sichtbar gemacht werden.

🧑‍🔬 Für die Großen: ab neun Jahren

9. Der Regenbogen im Glas

ab 8 Jahren · 20 Minuten

Das brauchst Du: vier Gläser, Zucker, Wasser, vier Farben Lebensmittelfarbe, eine Spritze oder ein Strohhalm, ein hohes schmales Glas

So geht es:

  1. Vier Gläser mit gleich viel warmem Wasser füllen.
  2. In das erste einen Teelöffel Zucker rühren, in das zweite zwei, in das dritte drei, in das vierte vier.
  3. Jedes Glas anders einfärben.
  4. Im hohen Glas mit der süßesten Lösung beginnen und die anderen vorsichtig an der Glaswand hinunterlaufen lassen — von süß nach weniger süß.

Was dahintersteckt: Je mehr Zucker im Wasser gelöst ist, desto schwerer ist es. Schweres Wasser bleibt unten, leichtes schwimmt darauf. Bewegt man nichts, bleiben die Schichten getrennt — man sieht die unterschiedliche Dichte.

Opas Tipp: Geduld ist alles: Wer zu schnell gießt, bekommt Matsch statt Regenbogen. Ein Strohhalm, den man an die Glaswand hält, hilft.

10. Die Büroklammer schwimmt

ab 7 Jahren · 10 Minuten

Das brauchst Du: eine Schüssel Wasser, mehrere Büroklammern, ein Stück Küchenpapier, ein Tropfen Spülmittel

So geht es:

  1. Die Schüssel mit Wasser füllen und ruhig stehen lassen.
  2. Eine Büroklammer auf ein kleines Stück Küchenpapier legen und beides vorsichtig aufs Wasser setzen.
  3. Das Papier saugt sich voll und sinkt — die Klammer bleibt oben liegen.
  4. Jetzt einen Tropfen Spülmittel an den Rand geben.

Was dahintersteckt: Wassermoleküle halten aneinander fest und bilden an der Oberfläche eine Art Haut. Sie trägt die Klammer, obwohl Metall schwerer ist als Wasser. Spülmittel zerstört diese Haut — und die Klammer sinkt sofort.

Opas Tipp: Auf derselben Oberflächenspannung laufen Wasserläufer über den Teich. Wer im Sommer einen sieht, kann das Experiment gleich erklären.

📋 Welches Experiment zuerst?

Wer noch nie mit einem Kind experimentiert hat, fängt am besten mit dem Vulkan an: Er gelingt immer, es passiert sofort etwas, und niemand muss lange stillsitzen. Danach die tanzenden Rosinen — ebenfalls ohne Vorbereitung.

Der Rotkohlsaft ist das Experiment, an das sich Kinder noch Jahre später erinnern, weil es aussieht wie Zauberei. Er braucht aber eine halbe Stunde Vorlauf. Am besten setzt man den Saft an, macht in der Wartezeit den Vulkan und kommt dann zurück.

Und wenn es schiefgeht: Das gehört dazu. Ein Versuch, der nicht klappt, ist kein misslungener Nachmittag, sondern die Gelegenheit für die beste Frage überhaupt — woran könnte es gelegen haben?

Wie es weitergeht: Wenn die Küchenversuche gut ankommen und Ihnen selbst nichts Neues mehr einfällt, hilft ein Experimentierbuch für das passende Alter — darin sucht das Kind selbst aus, was als Nächstes drankommt. Wer lieber fertiges Material möchte, findet beim Experimentierkasten das Richtige, und für einen ganzen Nachmittag draußen gibt die Piraten-Schatzsuche den Rahmen.

❓ Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann man mit Kindern experimentieren?

Ab etwa vier Jahren. Dann verstehen Kinder, dass etwas passiert, weil man etwas getan hat. Erklaeren muss man in diesem Alter wenig — das Staunen genuegt. Ab sechs kommt die Frage nach dem Warum dazu, ab neun koennen Kinder eine Versuchsreihe selbst planen.

Welches Experiment eignet sich fuer den ersten Versuch?

Der Backpulver-Vulkan. Er gelingt immer, es passiert sofort etwas, und man braucht nur Backpulver, Essig und ein Glas.

Sind diese Experimente gefaehrlich?

Nein, solange zwei Regeln gelten: Es wird nichts getrunken oder gegessen, und bei den beiden Versuchen mit Kerze bleibt ein Erwachsener am Tisch. Heisses Wasser giesst immer der Erwachsene ein.

Was kosten die Experimente?

Nichts, was nicht ohnehin im Haus ist: Backpulver, Essig, Rotkohl, Milch, Salz, Zucker, ein Teelicht, eine Zitrone. Lebensmittelfarbe ist schoen, aber nicht noetig.

Wie lange dauert so ein Nachmittag?

Die meisten Versuche brauchen fuenf bis zehn Minuten, der Rotkohlsaft mit Vorbereitung etwa dreissig. Fuer einen ganzen Nachmittag reichen drei bis vier Experimente — mehr wird unruhig.

Warum sind Grosseltern dafuer besser geeignet als Eltern?

Weil sie Zeit haben, es ein zweites Mal zu machen. Ein Experiment, das beim ersten Versuch misslingt, ist unter Zeitdruck ein Aergernis und ohne Zeitdruck die interessanteste Stelle des Nachmittags.

Beitrag aus der Kategorie: ExperimentierenVerantwortlicher Autor: Jürgen BuschInhalt des Beitrages habe ich auf Richtigkeit überprüft am 29.08.2026.