Opa und Enkelkind schauen gemeinsam in ein Dokument – Enkelkind als Erben einsetzen

Viele Großeltern möchten ihrem Enkelkind etwas hinterlassen — manchmal sogar mehr als den eigenen Kindern. Geht das überhaupt? Was ist mit dem Pflichtteil, der Erbschaftsteuer und einem minderjährigen Enkel? Hier erkläre ich dir in Ruhe und verständlich, wie du dein Enkelkind als Erben einsetzen kannst und worauf du achten solltest.

ℹ️ Bitte beachte: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Für deinen konkreten Fall sind ein Notar oder ein Fachanwalt für Erbrecht die richtige Adresse. Die genannten Werte gelten für Deutschland, Stand 2026.

Jürgen Busch

Beitrag von Jürgen Busch
09.06.2026 · Kategorie: Erben

✍️ Darf ich mein Enkelkind als Erben einsetzen?

Ja. In Deutschland gilt die sogenannte Testierfreiheit: Du darfst in deinem Testament frei bestimmen, wer was bekommt. Du kannst also ein einzelnes Enkelkind bedenken oder es sogar als Alleinerben einsetzen — auch dann, wenn deine eigenen Kinder noch leben. Die Gründe sind ganz dir überlassen, sei es, weil die Kinder bereits gut versorgt sind oder weil dir ein Enkelkind besonders ans Herz gewachsen ist.

Eine wichtige Grenze gibt es aber: den Pflichtteil deiner Kinder. Dazu gleich mehr.

📜 Erben Enkel automatisch? Die gesetzliche Erbfolge

Gibt es kein Testament, greift die gesetzliche Erbfolge. Und die sieht vor: Zuerst erben deine Kinder — die Enkel zunächst nicht. Solange das eigene Kind (also der Elternteil des Enkels) noch lebt, ist das Enkelkind von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen.

Anders ist es, wenn dein Kind bereits verstorben ist: Dann rücken dessen Nachkommen — also deine Enkel — an seine Stelle und erben gesetzlich. Möchtest du dein Enkelkind unabhängig davon bedenken, führt der Weg über ein Testament.

⚖️ Der Pflichtteil — die wichtigste Hürde

Auch wenn du per Testament alles dem Enkel vermachst: Deine Kinder haben einen Anspruch auf den Pflichtteil (§§ 2303 ff. BGB). Er entsteht immer dann, wenn die nächsten Angehörigen vom Erbe ausgeschlossen werden, und beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Ein enterbtes Kind kann diesen Anspruch gegenüber dem begünstigten Enkel geltend machen.

Ein Beispiel

Beispiel: Enkel als Erbe einsetzen

Opa ist Witwer und hat eine Tochter. Im Testament setzt er seinen Enkel (den Sohn der Tochter) als Alleinerben ein, die Tochter soll leer ausgehen. Doch die Tochter hat einen Pflichtteilsanspruch: Ihr gesetzlicher Erbteil wäre das gesamte Vermögen gewesen, der Pflichtteil ist die Hälfte davon. Der Enkel muss seine Mutter also mit 50 Prozent des Nachlasswertes auszahlen — sofern sie ihren Anspruch geltend macht.

🎁 Mit Schenkungen den Pflichtteil verringern

Der Pflichtteil lässt sich nur in wenigen Ausnahmefällen ganz ausschließen. Möglich ist ein freiwilliger, notariell beurkundeter Pflichtteilsverzicht. Ein anderer Weg sind Schenkungen zu Lebzeiten: Was du früh genug verschenkst, verringert den späteren Nachlass — und damit auch den Pflichtteil.

Wichtig ist die 10-Jahres-Regel: Eine Schenkung wird für den Pflichtteil nur dann voll ausgeklammert, wenn sie mindestens zehn Jahre zurückliegt. In den Jahren davor wird sie anteilig mitgerechnet und schmilzt um zehn Prozent pro Jahr ab. Liegt die Schenkung etwa erst drei Jahre zurück, zählen noch 70 Prozent ihres Wertes zum pflichtteilsrelevanten Vermögen. Wer größere Werte übertragen möchte, sollte also früh anfangen.

Vermögen und Geld an Enkel vererben

Opas Tipp: Möchtest du deinem Enkelkind Geld für deine spätere Bestattung zukommen lassen, ist ein Vorsorgevertrag oder eine Sterbegeldversicherung oft die bessere Wahl als eine Schenkung — sie ist zweckgebunden und dadurch besser geschützt.

💶 Wie viel Steuer zahlt das Enkelkind?

Enkel gehören zur günstigsten Steuerklasse I. Erst was über dem persönlichen Freibetrag liegt, wird besteuert. Die Freibeträge gelten gleichermaßen für Erbschaft und Schenkung (bei Schenkung alle zehn Jahre neu):

  • Enkel, deren Eltern noch leben: 200.000 € Freibetrag
  • Enkel, deren dazwischenstehender Elternteil verstorben ist: 400.000 € Freibetrag
  • Urenkel: 100.000 € Freibetrag
  • Zum Vergleich: Kinder 400.000 €, Ehegatten 500.000 €

Liegt der Wert darüber, fallen in Steuerklasse I je nach Höhe zwischen 7 und 30 Prozent Steuer auf den übersteigenden Betrag an. Der Höchstsatz von 30 Prozent greift erst bei sehr großen Vermögen. Faustregel: Je näher der Verwandtschaftsgrad, desto niedriger die Steuer.

🏦 Vertrag zugunsten Dritter über die Bank

Ein praktischer Weg für Sparguthaben ist der Vertrag zugunsten Dritter. Mit einem einfachen Formular bei deiner Bank legst du fest, dass das Guthaben auf einem Konto im Todesfall direkt an ein bestimmtes Enkelkind übergeht. Der große Vorteil: Du bleibst zu Lebzeiten allein verfügungsberechtigt und kannst das Geld weiter nutzen. Dein Enkel erhält im Erbfall das, was dann noch auf dem Konto ist — ganz unkompliziert über die Bank.

🧒 Wenn das Enkelkind noch minderjährig ist

Ein minderjähriges Enkelkind kann erben — wird das Vermögen aber bis zur Volljährigkeit von den Eltern verwaltet (§§ 1626, 1629 BGB). Wenn du nicht möchtest, dass ausgerechnet die Eltern über das Erbe bestimmen, kannst du im Testament die elterliche Vermögenssorge ausschließen (§ 1638 BGB). Das Familiengericht bestellt dann einen Ergänzungspfleger, der das Erbe bis zur Volljährigkeit verwaltet. Diese Person darfst du im Testament selbst benennen — etwa jemanden, dem du vertraust.

👶 Können Urenkel erben?

Urenkel als Erbe einsetzen und im Testament benennen

Ja. Urenkel erben über die gesetzliche Erbfolge allerdings nur, wenn sowohl dein Kind als auch dein Enkel aus dieser Linie bereits verstorben sind. Möchtest du einem Urenkel etwas hinterlassen, benennst du ihn am besten ausdrücklich im Testament. Sein steuerlicher Freibetrag liegt bei 100.000 €.

❓ Häufige Fragen

Kann ich mein Enkelkind als Alleinerben einsetzen?

Ja, dank der Testierfreiheit. Deine Kinder behalten aber einen Pflichtteilsanspruch in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils, den sie gegenüber dem Enkel geltend machen können.

Erben Enkel, wenn die Kinder noch leben?

Über die gesetzliche Erbfolge nicht — solange das eigene Kind (der Elternteil des Enkels) lebt, ist der Enkel ausgeschlossen. Per Testament kannst du dein Enkelkind aber jederzeit bedenken.

Wie hoch ist der Steuerfreibetrag für Enkel?

200.000 Euro, wenn die Eltern des Enkels noch leben. Ist der dazwischenstehende Elternteil bereits verstorben, steigt der Freibetrag auf 400.000 Euro. Urenkel haben 100.000 Euro.

Wie kann ich den Pflichtteil meiner Kinder verringern?

Über frühzeitige Schenkungen (die 10-Jahres-Regel beachten, der Wert schmilzt um zehn Prozent pro Jahr) oder einen freiwilligen, notariellen Pflichtteilsverzicht. Ganz ausschließen lässt sich der Pflichtteil nur in seltenen Ausnahmefällen.

Mein Enkel ist noch minderjährig — geht das trotzdem?

Ja. Bis zur Volljährigkeit verwalten normalerweise die Eltern das Erbe. Über einen Ausschluss der elterlichen Vermögenssorge im Testament (§ 1638 BGB) kannst du stattdessen einen Ergänzungspfleger deiner Wahl bestimmen.

Können Urenkel etwas erben?

Ja, am sichersten über eine ausdrückliche Benennung im Testament. Gesetzlich erben Urenkel nur, wenn das Kind und der Enkel aus dieser Linie bereits verstorben sind. Ihr Steuerfreibetrag liegt bei 100.000 Euro.

Haftungsausschluss

Die Informationen in diesem Beitrag sind allgemeiner Natur und dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar und behandeln nicht die Fragen oder Probleme deines individuellen Falls. Wenn du Rat für deine persönliche Situation brauchst, wende dich bitte an einen qualifizierten Anwalt oder Steuerberater.

Beitrag von Jürgen Busch · Themenschwerpunkt: Erben & Vererben · Zuletzt geprüft am 09.06.2026