Ein Werkzeugkasten mit verschiedenen Werkzeugen steht offen auf einer Werkbank
Nicht: welches ist das beste? Sondern: welches nehme ich wofür? (Symbolbild, mit KI erstellt)

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten Händen

Beitrag von Jürgen Busch
AKTUALISIERT AM 27.09.2026 · 6 MIN. LESEZEIT · Kategorie: Digitales · Newsletter anmelden
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Die Frage wird mir fast immer falsch herum gestellt. Welche KI ist die beste? Darauf gibt es keine Antwort, so wenig wie auf die Frage, welches Werkzeug das beste ist. Es kommt darauf an, was Du vorhast.

Deshalb hier die Liste andersherum: nicht nach Anbietern sortiert, sondern nach Aufgaben. Du suchst, was Du tun willst, und daneben steht, womit es am besten geht.

Kurz gesagt

  • Für neunzig Prozent reicht eines. Nimm das, was auf Deinem Gerät ohnehin da ist, und bleib dabei. Ständiges Wechseln macht Dich bei allen zum Anfänger.
  • Ein zweites lohnt sich für genau drei Dinge: Bilder, Quellenangaben und sehr lange Dokumente.
  • Und für eine Aufgabe nimmst Du gar keine KI: zum Rechnen.

Die kurze Antwort

Falls Du gleich weitermachen willst: Nimm das Programm, das auf Deinem Gerät schon da ist.

  • Android-Handy? Gemini ist meist bereits installiert.
  • Windows-Rechner? Copilot steckt in Windows und im Edge-Browser.
  • iPhone oder Mac, oder unentschlossen? Dann ChatGPT – das verbreitetste, und wenn Du jemanden um Hilfe bittest, kennt der es am ehesten.

Das ist keine Ausrede, sondern ein ernst gemeinter Rat. Der Unterschied zwischen diesen Programmen ist für den Alltag kleiner als der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Frage.

Zwölf Aufgaben und was ich dafür nehme

1. Einen Brief oder eine E-Mail schreiben

Jedes. Hier gibt es kaum Unterschiede. Wichtiger als die Wahl ist, dass Du den Entwurf zwei- oder dreimal überarbeiten lässt, bis er nach Dir klingt.

2. Einen Behördenbrief verstehen

Jedes. Abtippen oder fotografieren, um eine Übersetzung in normales Deutsch bitten, und dann zwei Fragen nachschieben: Was passiert, wenn ich nichts tue? Und bis wann muss ich reagieren?

3. Etwas nachschlagen, das stimmen muss

Perplexity. Es nennt zu jeder Antwort die Quellen mit Verweis. Das macht die Antwort nicht automatisch richtig, aber es macht das Nachprüfen leicht – und darauf kommt es an. ChatGPT und Gemini können ebenfalls nachsehen, tun es aber nicht immer von allein.

4. Ein Bild erzeugen

ChatGPT oder Gemini. Beide können es kostenlos, beide begrenzen die Zahl pro Tag. Bei Gemini ist zusätzlich die Bildbearbeitung gratis – also ein vorhandenes Bild verändern statt ein neues erzeugen.

5. Ein Foto befragen

Die App von ChatGPT oder Gemini. Wichtig: Für die Kamera mitten im Gespräch brauchst Du die App. Im Browser kannst Du nur ein vorhandenes Bild hochladen.

6. Sprechen statt tippen

Alle können es – überall sitzt ein Mikrofon-Zeichen neben dem Eingabefeld. Für ein richtiges Gespräch, bei dem Du redest und eine Stimme antwortet, ist Gemini in der App am weitesten, und Copilot kann es auch im Browser.

7. Sich etwas vorlesen lassen

Dein Gerät, nicht die KI. iPhone und iPad unter Bedienungshilfen, gesprochene Inhalte. Android unter Bedienungshilfen, Vorlesen. Das liest jede Seite vor, nicht nur die Antwort der KI.

8. Ein langes Dokument durcharbeiten

Claude. Es verkraftet sehr lange Texte am Stück und verliert dabei seltener den Faden. Ein Vertrag, ein Gutachten, ein langer Bescheid – dafür nehme ich es.

9. Übersetzen

Jedes. Alle übersetzen gut, und alle können zusätzlich etwas, das reine Übersetzungsprogramme nicht können: den Ton anpassen. Übersetz das ins Englische, aber höflich und nicht steif.

10. Am Windows-Rechner arbeiten

Copilot. Nicht weil es besser wäre, sondern weil es schon da ist und in Word und Edge hineinreicht.

11. Wenn Dir der Datenschutz besonders wichtig ist

Mistral Vibe aus Frankreich. Der einzige große europäische Anbieter, mit überwiegend europäischen Rechenzentren. Achtung: Die Schalter gegen die Verwendung zum Training musst Du auch dort umlegen.

12. Rechnen

Gar keine KI. Nimm einen Taschenrechner. Diese Programme sind Sprachprogramme; bei mehrstufiger Prozentrechnung verrechnen sie sich. Wenn es doch sein muss: lass Dir den Rechenweg aufschreiben und prüf ihn.

Wann sich ein zweites Programm lohnt

Die meisten brauchen kein zweites. Es gibt aber drei Fälle, in denen ich wechsle.

Drei Gründe für ein zweites Programm

  • Die Tagesgrenze für Bilder ist erreicht. Dann erzeuge ich das nächste Bild einfach woanders. Beide sind kostenlos, beide begrenzen unabhängig voneinander.
  • Ich will die Antwort gegenprüfen. Dieselbe Frage in einem zweiten Programm stellen. Kommt zweimal dasselbe heraus, ist es meist in Ordnung. Kommt zweimal etwas anderes, hat eines geraten.
  • Eine Antwort wird verweigert. Bei Gesundheits- und Rechtsfragen sind die Programme unterschiedlich vorsichtig. Manchmal hilft es, dieselbe Frage anderswo zu stellen – oder, besser, den Zweck dazuzusagen.

Was ich nicht empfehle: aus Neugier ständig zu wechseln. Man lernt keines richtig kennen und bleibt überall Anfänger. Ein halbes Jahr bei einem Programm bringt mehr als zehn ausprobierte in derselben Zeit.

Häufige Fragen

Brauche ich für jedes ein eigenes Konto?

Ja, aber jeweils nur eine E-Mail-Adresse. Bei Claude, Perplexity und Mistral genügt das. ChatGPT verlangt häufig zusätzlich eine Handynummer, Gemini ein Google-Konto, Copilot ein Microsoft-Konto.

Kostet ein zweites Programm etwas?

Nein. Alle genannten haben eine kostenlose Fassung, die für den Alltag reicht. Genau deshalb ist ein zweites auch kein Aufwand.

Gibt es ein Programm, das alles am besten kann?

Nein, und das ist auch nicht schlimm. Die Unterschiede liegen im Detail, und im Alltag merkt man sie selten. Wer eines gut bedienen kann, ist besser dran als jemand, der fünf halb kennt.

Welches benutzt Du selbst?

Für das Schreiben und für lange Texte Claude, weil ich viel mit Text arbeite. Zum Nachschlagen Perplexity wegen der Quellen. Und für Bilder ChatGPT. Das ist aber meine Arbeitsweise und kein Maßstab – für die meisten reicht eines.

Die Anbieter im Einzelnen

Wenn Du wissen willst, was hinter den Namen steckt: sechs Assistenten mit Anmeldung, Sprachfunktion, Datenschutz und Kosten im Vergleich. Welche KI-Software passt zu mir?

Quellen

  • Eigene Erfahrung aus der täglichen Arbeit mit ChatGPT, Gemini, Claude, Copilot, Perplexity und Mistral Vibe zwischen Mai und September 2026.
  • Angaben zu Anmeldung und Tagesgrenzen: Hilfeseiten der jeweiligen Anbieter, Stand September 2026.

Die Programme ändern sich schnell. Die Zuordnung nach Aufgaben ist aber stabiler als jede Rangliste – sie folgt dem, was ein Programm grundsätzlich gut kann.

Alle Zuordnungen beruhen auf eigener täglicher Nutzung. Inhalt auf Richtigkeit überprüft am 27. September 2026.