Ältere Hände halten ein Smartphone über einen Beipackzettel und fotografieren ihn
Was man nicht lesen kann, kann man fotografieren — und danach fragen. (Symbolbild, mit KI erstellt)

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten Händen

Beitrag von Jürgen Busch
AKTUALISIERT AM 26.09.2026 · 7 MIN. LESEZEIT · Kategorie: Digitales · Newsletter anmelden
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Es gibt einen Punkt, an dem aus einem netten Spielzeug ein Werkzeug wird. Bei mir war es der Moment, als ich begriff: Ich muss gar nicht beschreiben, worum es geht. Ich kann es zeigen.

Der Beipackzettel mit der Schrift, für die man eine Lupe braucht. Der Brief von der Versicherung mit den drei Sätzen, die niemand versteht. Die Pflanze im Beet, die niemand gepflanzt hat. Das Gerät im Keller, dessen Bedienungsanleitung seit zwanzig Jahren verschollen ist.

Für all das muss man kein Wort suchen. Ein Foto, eine Frage dazu — fertig.

Kurz gesagt

  • Im Eingabefeld sitzt links ein Pluszeichen. Darüber kommt das Foto hinein.
  • Du kannst ein Bild neu aufnehmen oder eines aus Deiner Sammlung nehmen.
  • Immer eine Frage dazuschreiben — ohne Frage weiß sie nicht, was Du wissen willst.
  • Für Papier gilt: gutes Licht, gerade von oben, lieber ein Ausschnitt als die ganze Seite.
  • Keine Fotos von Kindern, keine Ausweise, keine Kontoauszüge.

So geht es — in vier Schritten

Das Eingabefeld von ChatGPT mit dem Pluszeichen am linken Rand
Links im Eingabefeld: das Pluszeichen.

1Das Pluszeichen antippen

Öffne ChatGPT. Links im Eingabefeld — dort, wo Du sonst tippst — sitzt ein Pluszeichen. Das ist der Zugang zu allem, was kein Text ist: Fotos, Dateien, Bilder aus Deiner Sammlung.

Tippe es an. Es öffnet sich eine kleine Auswahl.

Die Auswahl zwischen Kamera und Fotosammlung
Neu aufnehmen oder ein vorhandenes Bild nehmen.

2Kamera oder Fotosammlung

Jetzt hast Du die Wahl. Kamera heißt: Du fotografierst jetzt gleich etwas. Fotos heißt: Du nimmst ein Bild, das schon auf dem Handy liegt.

Beim ersten Mal fragt das Handy, ob ChatGPT auf die Kamera oder die Fotos zugreifen darf. Das musst Du erlauben — die Frage kommt nur einmal.

Das Foto als Vorschau im Eingabefeld, darunter die eingetippte Frage
Erst das Bild, dann die Frage — hier: ein Kuscheltier, das niemand zuordnen konnte.

3Das Foto ist drin — jetzt kommt die Frage

Das Bild erscheint als kleine Vorschau über dem Eingabefeld. Und genau hier machen die meisten den einen Fehler: Sie schicken das Foto ohne Frage ab.

Dann bekommst Du eine Beschreibung dessen, was zu sehen ist — nett, aber meist nicht, was Du wolltest. Schreib also dazu, was Du wissen willst: „Was steht hier über Nebenwirkungen?“ oder „Erklär mir diesen Absatz in einfachen Worten.“ oder „Was ist das für eine Pflanze?“

Die Antwort von ChatGPT zu dem hochgeladenen Foto
Die Antwort kommt — samt Quellenangabe, und Du kannst weiterfragen.

4Die Antwort — und die zweite Frage

Nach ein paar Sekunden steht die Antwort da. Und jetzt kommt der Teil, den viele auslassen: Du darfst nachfragen.

„Und was heißt das für mich?“ — „Muss ich da etwas tun?“ — „Kürzer bitte.“ Das Foto bleibt im Gespräch, Du musst es nicht noch einmal schicken.

Wofür sich das wirklich lohnt

Acht Gelegenheiten, bei denen ich es inzwischen selbstverständlich mache. Die kursive Zeile ist jeweils die Frage, die ich dazuschreibe.

Beipackzettel

Die Schrift ist zu klein und die Sprache zu umständlich.

„Was steht hier über Nebenwirkungen, und worauf muss ich achten?“

Post von Behörde oder Versicherung

Drei Absätze Amtsdeutsch, und am Ende weiß man nicht, ob man etwas tun muss.

„Fasse das in drei Sätzen zusammen und sag mir, ob ich etwas tun muss und bis wann.“

Pflanzen im Garten

Was wächst da eigentlich, und ist es ein Unkraut?

„Was ist das für eine Pflanze, und was braucht sie?“

Geräte ohne Anleitung

Die alte Heizungssteuerung, der geerbte Fotoapparat, die Waschmaschine mit den Symbolen.

„Was bedeuten diese Symbole?“

Speisekarten im Urlaub

Griechisch, Italienisch, Kroatisch — und Hunger.

„Übersetz mir die Karte und sag mir, was ohne Fleisch ist.“

Handschriftliches

Das Rezept von der Großmutter, ein alter Brief in Sütterlin.

„Kannst Du diese Handschrift lesen und abtippen?“

Rechnungen und Verträge

Die Zeile, bei der man stutzt, aber nicht weiß, warum.

„Was bedeutet dieser Punkt genau?“

Schulaufgaben der Enkel

Nicht zum Lösen — zum Verstehen, damit man mitreden kann.

„Erklär mir den Rechenweg, damit ich ihn dem Kind zeigen kann.“

Wo ich vorsichtig bin

Drei Dinge gehören dazugesagt, sonst wäre diese Seite unvollständig.

Pilze und Beeren: nein.

Die KI erkennt Pilze erstaunlich oft richtig — und manchmal eben nicht. Bei einer Verwechslung geht es nicht um einen Schönheitsfehler, sondern um die Leber. Dasselbe gilt für Beeren und Wildkräuter. Was in den Topf soll, bestimmt ein Mensch, der sich auskennt. Für Zimmerpflanzen und Gartenblumen ist es dagegen bestens geeignet.

Gesundheit: eine Meinung, keine Diagnose.

Einen Beipackzettel erklären zu lassen ist sinnvoll. Ein Foto vom Hautausschlag oder vom Befund ist etwas anderes: Das ersetzt keinen Arzt, und die KI wird es selbst sagen. Nutze es, um Fragen für den Arztbesuch vorzubereiten — das ist der Gewinn.

Fotos von Menschen: lieber nicht.

Keine Bilder von Kindern, auch nicht von den eigenen Enkeln. Keine Ausweise, keine Kontoauszüge, keine Unterlagen mit vollständigen Namen und Adressen. Was Du hochlädst, verlässt Dein Haus — und über Fotos anderer Menschen entscheidest Du nicht allein. Das gilt besonders für Kinder, die nicht gefragt werden können.

Was ein gutes Foto ausmacht

Bei Papier kommt es auf wenig an — aber dieses wenige entscheidet, ob die Antwort taugt.

Licht von vorn, nicht von hinten. Am Fenster, aber nicht gegen das Fenster. Dein eigener Schatten darf nicht auf dem Blatt liegen.

Gerade von oben. Schräg fotografiert werden die Zeilen krumm und schwer lesbar. Handy flach darüber halten.

Lieber ein Ausschnitt als alles. Der eine Absatz, um den es geht — groß und scharf — bringt mehr als die ganze Seite in klein.

Nah genug heran. Wenn Du den Text auf dem Handybildschirm selbst nicht lesen kannst, kann die KI es meist auch nicht.

Blitz aus. Bei glänzendem Papier spiegelt er und löscht genau die Stelle, die Du brauchst.

Häufige Fragen

Kann ich mehrere Fotos auf einmal schicken?

Ja. Ein mehrseitiger Brief geht als mehrere Bilder in einer Nachricht. Schreib dann dazu, dass es zusammengehört: „Das sind drei Seiten eines Schreibens.“

Erkennt sie auch Handschrift?

Erstaunlich gut, sogar alte deutsche Schreibschrift. Bei schwer Lesbarem sagt sie, wo sie unsicher ist — und genau dort schaust Du selbst noch einmal hin.

Was passiert mit meinen Fotos?

Sie werden zur Auswertung an die Rechner des Anbieters geschickt und können dort gespeichert werden. Deshalb die Regel oben: nichts, was andere Menschen zeigt, und nichts mit vollständigen persönlichen Daten.

Geht das auch am Computer?

Ja. Dort ziehst Du die Bilddatei einfach ins Eingabefeld oder nimmst das Pluszeichen. Praktisch, wenn Du ohnehin eingescannte Unterlagen hast.

Kostet es extra?

Nein, es gehört zur Gratisfassung. Nur die Anzahl der Bilder pro Tag kann begrenzt sein.

Muss ich das Foto vorher zuschneiden?

Nein. Es schadet aber nicht, in der Fotos-App vorher grob auf die wichtige Stelle zu schneiden — dann fällt die Antwort genauer aus.

Einmal ausprobieren

Such Dir etwas Harmloses: eine Zimmerpflanze, eine Bedienungsanleitung, die Rückseite einer Konservendose. Foto machen, eine Frage dazuschreiben, abschicken. Beim ersten Mal wirst Du überrascht sein, wie genau die Antwort auf das eingeht, was Du gefragt hast.

Mit der Stimme statt mit den Fingern

Diktieren, vorlesen lassen und im Sprachmodus reden — mit Bildern erklärt.

Gute Fragen stellen

Vier Zutaten, drei Vorher-Nachher-Beispiele und neun Sätze zum Nachbessern.

KI sicher nutzen

Was nie ins Eingabefeld gehört und was mit Deinen Eingaben passiert.

Alle Bildschirmfotos stammen von einem iPhone, aufgenommen im September 2026. ChatGPT ändert sein Aussehen gelegentlich — die Reihenfolge der Schritte bleibt dieselbe. Inhalt auf Richtigkeit überprüft am 26. September 2026.