Festnetztelefon auf einem Flurtischchen, daneben ein Notizzettel mit einem handschriftlichen Wort
Eine vertraute Stimme am Telefon ist heute kein Beweis mehr.

Sicherheit bei KI hat zwei Seiten. Die eine: Was gebe ich preis, wenn ich etwas eintippe? Die andere, und die ist heute die wichtigere: Wie erkenne ich, wenn jemand KI gegen mich einsetzt? Beides lässt sich mit ein paar festen Regeln in den Griff bekommen.

In drei Sätzen
Alles, was Du eintippst, verlässt Deinen Computer — behandle das Eingabefeld wie eine Postkarte. Die gefährlichste Masche ist derzeit die nachgemachte Stimme am Telefon, und dagegen hilft ein vereinbartes Familien-Kennwort. Und wenn die KI selbst sich irrt, merkt man es nur, wenn man wichtige Angaben gegenprüft.

Was niemals ins Eingabefeld gehört

Die einfachste Regel: Schreib nichts hinein, was Du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest. Konkret heißt das:

  • Passwörter und PIN-Nummern — nie, unter keinen Umständen, auch nicht „zum Prüfen“
  • Kontonummer, IBAN, Kreditkartennummer
  • Steuer-Identifikationsnummer, Rentenversicherungsnummer, Ausweisnummer
  • Vollständige Adresse und Geburtsdatum, besonders zusammen
  • Zugangsdaten zu Online-Banking oder Behördenportalen
  • Daten anderer Menschen — Gesundheitsangaben, Fotos, Telefonnummern

Das Gute daran: Für nichts, was KI im Alltag nützlich macht, braucht sie diese Angaben. Ein Bescheid lässt sich auch ohne Aktenzeichen erklären, ein Brief auch ohne vollständige Adresse aufsetzen. Die Lücken füllst Du hinterher selbst aus.

Was mit Deinen Eingaben passiert

Jede Eingabe wird zum Anbieter übertragen und dort verarbeitet — anders funktioniert die Technik nicht. Viele Anbieter verwenden Gespräche außerdem zur Verbesserung ihrer Programme, sofern man nicht widerspricht.

Genau das lässt sich abstellen. In den Einstellungen der App findest Du unter „Datenschutz“ oder „Daten und Verbesserung“ einen Schalter, mit dem Du dieser Verwendung widersprichst. Er heißt bei jedem Anbieter anders, aber es gibt ihn bei allen großen. Der zweite nützliche Griff: den Gesprächsverlauf gelegentlich löschen.

Für europäische Nutzer gilt zusätzlich die Datenschutz-Grundverordnung — Du darfst also Auskunft und Löschung verlangen. Das ist ein Recht, kein Gefallen.

Die gefährlichste Masche: die nachgemachte Stimme

Hier trifft KI die Großeltern direkt. Aus wenigen Sekunden Tonaufnahme — aus einem Video in sozialen Netzwerken, einer Sprachnachricht, einem angenommenen Anruf — lässt sich heute eine Stimme so überzeugend nachbilden, dass selbst nahe Angehörige darauf hereinfallen.

Der Ablauf ist immer derselbe: Ein Anruf, eine vertraute Stimme, eine Notlage. Ein Unfall, eine Verhaftung, eine Kaution. Es muss sofort Geld her, und niemand darf davon erfahren. Die Stimme weint, drängt, legt nicht auf.

📞 Was in diesem Moment hilft
Auflegen. Nicht diskutieren, nicht prüfen, einfach auflegen. Dann rufst Du die Person selbst an — unter der Nummer, die Du seit Jahren gespeichert hast, niemals unter einer neu genannten. Und vereinbare in der Familie ein Kennwort, ein beliebiges Wort, das nur Ihr kennt. Wer es am Telefon nicht nennen kann, ist nicht der, für den er sich ausgibt. Das kostet nichts und wirkt gegen jede noch so gute Stimmenfälschung.

Mehr zu dieser Betrugsart und ihren Varianten steht auf der Seite über den Enkeltrick.

Gefälschte Bilder und Videos

Bilder, die es nie gegeben hat, sind heute in Sekunden gemacht. Meist geht es um Politik oder um Werbung mit erfundenen Empfehlungen bekannter Personen. Ein paar Hinweise helfen beim Erkennen:

  • Hände und Finger — oft zu viele, zu wenige oder seltsam verbogen
  • Schrift im Bild ergibt bei genauem Hinsehen keinen Sinn
  • Zähne, Brillenbügel, Ohrringe wirken „verschmiert“ oder unsymmetrisch
  • Im Video: Mundbewegungen passen nicht ganz zum Ton, das Blinzeln wirkt falsch
  • Die eigentliche Prüffrage: Berichtet eine seriöse Nachrichtenquelle dasselbe?

Verlass Dich aber nicht darauf, Fälschungen am Bild zu erkennen — die Technik wird schnell besser. Die Quelle zu prüfen, funktioniert dauerhaft.

Falsche Apps und Abo-Fallen

Die bekannten Namen locken Nachahmer an. Im App-Store finden sich Dutzende Programme, die „ChatGPT“ oder „KI-Assistent“ heißen, aber von irgendwem stammen — und nach drei Tagen ein Abo für 39,99 Euro im Monat abbuchen.

  • Auf den Anbieternamen achten, nicht auf den App-Namen: ChatGPT kommt von OpenAI, Gemini von Google, Claude von Anthropic
  • Die Zahl der Bewertungen ansehen — echte Apps haben Hunderttausende
  • Bei „Gratis testen“ immer nachsehen, was danach abgebucht wird
  • Im Zweifel über die Internetseite des Anbieters gehen statt über die Suche im Store

Wenn die KI selbst danebenliegt

Das größte Risiko im Alltag ist nicht der Betrüger, sondern der freundliche Irrtum. KI-Programme geben auch dann eine Antwort, wenn sie etwas nicht wissen — und sie klingen dabei genauso sicher wie sonst. Erfundene Gesetzesparagraphen, falsche Jahreszahlen, Bücher, die es nicht gibt.

Dagegen hilft eine einzige Gewohnheit: Was Folgen hat, wird gegengeprüft. Eine Frist, ein Preis, ein Paragraph, eine Medikamentenangabe — das schaust Du im Originalschreiben oder auf der offiziellen Seite nach. Eine Gute-Nacht-Geschichte muss niemand prüfen.

Die Regeln auf einen Blick

Situation Was Du tust
Anruf mit vertrauter Stimme und Geldforderung Auflegen, selbst zurückrufen, Kennwort abfragen
KI fragt nach persönlichen Daten Nichts eingeben — sie braucht nichts davon
Neue App mit bekanntem Namen Anbieternamen prüfen, Bewertungen zählen
Antwort mit Zahl, Frist oder Paragraph An der Originalquelle gegenprüfen
Aufsehenerregendes Bild oder Video Quelle suchen, nicht dem Bild glauben
Gespräch enthielt doch etwas Persönliches Verlauf löschen, Training in den Einstellungen abschalten
💡 Mein Rat
Wenn Du von dieser Seite nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Vereinbart in der Familie ein Kennwort. Heute noch, beim nächsten Telefonat, einmal kurz besprochen. Es dauert zwei Minuten und ist der beste Schutz, den es derzeit gegen nachgemachte Stimmen gibt — besser als jede Technik und jeder gute Rat.

Häufige Fragen

Kann die KI mithören, wenn ich sie nicht benutze?

Eine KI-App auf dem Handy hört nicht mit. Sprachassistenten wie Alexa oder der Google Assistent warten dagegen auf ihr Weckwort und schicken danach die Aufnahme an den Anbieter. Wem das unangenehm ist, der schaltet das Mikrofon am Gerät ab oder stellt das Gerät nicht ins Schlafzimmer.

Kann ich meine Gespräche löschen?

Ja. In den Einstellungen jeder App lässt sich der Verlauf löschen, einzeln oder komplett. Zusätzlich kannst Du dort widersprechen, dass Deine Eingaben zur Verbesserung des Programms verwendet werden.

Ist das eine Programm sicherer als das andere?

Die großen Anbieter unterscheiden sich weniger, als man denkt. Entscheidender ist, was Du eingibst — und ob Du die Einstellung zum Training abgeschaltet hast. Ein Überblick steht im Software-Vergleich.

Woran erkenne ich einen KI-Betrugsversuch am Telefon?

An drei Dingen, und sie treten fast immer zusammen auf: Es geht um Geld, es muss sofort sein, und niemand darf es erfahren. Dieses Muster ist älter als jede KI — nur die Stimme ist heute besser gefälscht. Sobald alle drei Merkmale da sind, legst Du auf.

Zurück zur Übersicht: Künstliche Intelligenz für Senioren. Wie Betrüger sonst noch vorgehen, liest Du beim Enkeltrick.

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Inhalt des Beitrages auf Richtigkeit überprüft am 22. September 2026.