Großvater und Enkelin sitzen am Küchentisch einander gegenüber und unterhalten sich, der Großvater hört lachend zu

Großvater und Enkelin sitzen am Küchentisch einander gegenüber und unterhalten sich, der Großvater hört lachend zu

Symbolbild, mit KI erstellt — keine reale Person. Der Moment, um den es hier geht: ein Wort gefallen, das man nicht kennt — und nachgefragt statt weggehört.

Was heißt das denn jetzt schon wieder? Dieses Wörterbuch erklärt rund vierzig Ausdrücke, die Jugendliche 2026 tatsächlich benutzen — jeweils mit Bedeutung, einem Beispielsatz und der Angabe, ob Du das Wort selbst sagen kannst oder besser nur verstehst. Die Kurzfassung: verstehen ja, nachplappern nein.

Jürgen Busch, Autor von grossvater.de – Schwarzweiß-Porträt mit gefalteten Händen

Beitrag von Jürgen Busch
AKTUALISIERT AM 16.08.2026 · 10 MIN. LESEZEIT · Kategorie: Digitales
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Es gibt einen Satz, den man als Großvater lieber nicht sagt: „Sprich doch mal richtig.“ Er ist verständlich, er ist gut gemeint, und er beendet das Gespräch zuverlässig.

Jugendsprache ist nämlich kein schlechteres Deutsch. Sie ist ein Erkennungszeichen — eine Art Ausweis dafür, zu wem man gehört. Und weil sie das ist, muss sie sich ständig ändern: Sobald die Erwachsenen ein Wort benutzen, ist es für Jugendliche unbrauchbar geworden. Das ist keine Unart, das ist die Funktion.

Daraus folgt beides: Man muss nicht mithalten — und man kommt trotzdem weit, wenn man die vierzig Ausdrücke kennt, die länger halten als eine Saison. Genau die stehen unten.

Die eine Regel, bevor es losgeht

Verstehen ja. Selbst benutzen fast nie. Das ist der ganze Trick, und er ist wichtiger als jede einzelne Vokabel.

Ein Großvater, der „Digga, das ist ja mal peak“ sagt, erntet kein Lachen, sondern Fremdscham — und zwar genau die Sorte, für die es ein eigenes Wort gibt: cringe. Ein Großvater, der beim dritten unbekannten Wort fragt „Moment, was heißt das?“, bekommt eine Erklärung, ein bisschen Nachsicht und die Rolle, die er wirklich haben will: jemand, dem man etwas beibringen darf.

Die Ausnahme. Ein oder zwei Wörter darfst Du übernehmen — aber nur die, die auch im Erwachsenendeutsch angekommen sind, etwa cringe oder Ragebait. Alles, was nach Jugendslang klingt, klingt im Mund eines Siebzigjährigen wie eine Verkleidung. Und Kinder erkennen Verkleidungen sofort.

In der letzten Spalte der Tabellen steht deshalb bei jedem Wort, was dafür gilt: Ja heißt, Du kannst es sagen. Nur verstehen heißt, es gehört ins Ohr, nicht in den Mund. Besser nie heißt, dass das Wort abwertend ist oder eine Bedeutung hat, die Du nicht transportieren willst.

Lob und Begeisterung

Der größte Teil der Jugendsprache besteht aus immer neuen Wegen zu sagen, dass etwas gut ist. Die alten nutzen sich ab, deshalb kommen dauernd neue nach.

Wort Was es heißt So klingt es im Satz Selber sagen?
peak Das Beste vom Besten, der Höhepunkt. Englisch für Gipfel. „Der Kuchen war echt peak.“ Ja
stabil Beeindruckend, richtig gut gemacht. „Stabil, dass Du das hingekriegt hast.“ Ja
Aura Ausstrahlung. Man kann Aura-Punkte gewinnen oder verlieren — meist scherzhaft. „Er ist hingefallen. Minus tausend Aura.“ Ja
GOAT Abkürzung für greatest of all time, der Beste aller Zeiten. „Oma ist die GOAT.“ Ja
slay Etwas großartig gemacht haben. Kommt aus der Modewelt. „Die Präsentation hast Du geslayt.“ Nur verstehen
sheesh Ausruf des Staunens, gedehnt gesprochen. „Sheeeesh, das war knapp.“ Nur verstehen
gute Käse Lob. Der Grammatikfehler ist Absicht und gehört dazu. „Neues Fahrrad? Gute Käse.“ Nur verstehen
süper Türkisch für super, knapp und meist trocken gesprochen. „Wie war die Klausur?“ – „Süper.“ Nur verstehen

Ablehnung und Spott

Diese Gruppe ist für Großeltern die wichtigere. Nicht weil man sie selbst braucht, sondern weil man hören können sollte, wann gerade über jemanden geurteilt wird — und wann über einen selbst.

Wort Was es heißt So klingt es im Satz Selber sagen?
cringe Fremdschämen. Das Gefühl, wenn jemand sich unfreiwillig peinlich verhält. „Papa hat getanzt. War cringe.“ Ja
mid Mittelmäßig, enttäuschend. Vernichtender als es klingt. „Der Film war mid.“ Nur verstehen
basic Gewöhnlich, ohne eigenen Geschmack. „Voll basic, das Outfit.“ Nur verstehen
goofy Albern, tollpatschig — meist liebevoll gemeint. „Der Hund ist so goofy.“ Ja
Ick Der Moment, in dem einem jemand plötzlich unsympathisch wird, ohne guten Grund. „Er hat den Kellner angeschnauzt — sofort Ick.“ Nur verstehen
Ratio Wenn die Antwort auf einen Beitrag mehr Zustimmung bekommt als der Beitrag selbst. „Der wurde komplett ratioed.“ Nur verstehen
Alman Spott für überkorrektes, regelverliebtes deutsches Verhalten. „Er hat den Rasen mit dem Lineal gemäht — typisch Alman.“ Besser nie

Menschen und Rollen

Wort Was es heißt So klingt es im Satz Selber sagen?
Digga Anrede unter Freunden, wie früher „Alter“. Kommt aus Hamburg. „Digga, wo bleibst Du?“ Nur verstehen
Bro / Bruder Kumpel — auch ohne jede Verwandtschaft. „Alles gut, Bro.“ Nur verstehen
Bestie Beste Freundin oder bester Freund. „Das ist meine Bestie.“ Nur verstehen
Crush Die Person, in die man verliebt ist — meist heimlich. „Sie ist mein Crush.“ Ja
Macker Achtung, Bedeutungswechsel: Früher ein angeberischer Typ, heute häufig einfach der feste Freund oder ein Vertrauter. „Mein Macker kommt gleich vorbei.“ Nur verstehen
NPC Aus Computerspielen: eine Figur, die der Rechner steuert. Auf Menschen gemünzt: jemand ohne eigene Meinung. „Er redet wie ein NPC.“ Nur verstehen
Sigma Ein betont eigenständiger Typ. Wird fast immer ironisch benutzt. „Voll der Sigma.“ Nur verstehen
Simp Jemand, der sich für eine Person zu weit verbiegt. Abwertend. „Sei kein Simp.“ Besser nie

Gefühle und Zustände

Wort Was es heißt So klingt es im Satz Selber sagen?
lost Ratlos, orientierungslos, überfordert. „Ich bin komplett lost in Mathe.“ Ja
Crashout Die Fassung verlieren, ausrasten, emotional durchdrehen. „Wenn der Bus jetzt nicht kommt, geh ich Crashout.“ Nur verstehen
Delulu Von delusional: sich etwas einbilden, unrealistisch hoffen. Meist über sich selbst gesagt. „Ich bin delulu, aber vielleicht schreibt er ja zurück.“ Nur verstehen
salty Beleidigt, eingeschnappt. „Der ist immer noch salty wegen gestern.“ Nur verstehen
triggern Eine starke Reaktion auslösen. Kommt ursprünglich aus der Psychologie, wird heute viel beiläufiger benutzt. „Das triggert mich.“ Nur verstehen
das crazy Allzweck-Antwort, wenn man nichts Rechtes sagen will. Jugendwort des Jahres 2025. „Und dann hat er gekündigt.“ – „Das crazy.“ Nur verstehen
Schere Fehler eingestehen: „Sorry, mein Fehler.“ Kommt aus dem Spielebereich, oft mit Fingergeste. „Schere, ich hab mich nicht gemeldet.“ Nur verstehen
67 Ein Insider-Witz ohne feste Bedeutung. Das ist keine Lücke in dieser Erklärung — das ist die Pointe. „Wie viele kommen?“ – „67.“ Nur verstehen

Wenn Dir jemand „67“ entgegenruft. Nicht nach der Bedeutung fragen — es gibt keine, und das Nachfragen ist Teil des Spaßes. Die souveräne Antwort ist ein Schulterzucken. Solche inhaltsleeren Insider-Wörter gibt es in jeder Generation; sie funktionieren nur, solange die Erwachsenen sie ernst nehmen.

Netz, Handy, Spiele

Diese Begriffe sind keine Mode, sondern Technik. Sie halten länger als der Rest — und sie erklären oft, warum ein Kind gerade unbedingt ans Handy muss.

Wort Was es heißt So klingt es im Satz Selber sagen?
Story Ein Beitrag, der nach 24 Stunden von selbst verschwindet. „Hast Du meine Story gesehen?“ Ja
Streak Eine Serie: Auf Snapchat schicken sich zwei Leute jeden Tag ein Bild. Reißt die Kette, ist sie weg. Das ist der häufigste Grund, warum ein Kind abends noch einmal ans Handy muss. „Ich verlier sonst meinen Streak.“ Ja
ghosten Den Kontakt abrupt und ohne Erklärung abbrechen. „Sie hat mich geghostet.“ Ja
FOMO Von fear of missing out: die Angst, etwas zu verpassen. „Ich hab voll FOMO.“ Ja
Ragebait Inhalte, die absichtlich Wut auslösen sollen, damit Menschen sie kommentieren und weiterverbreiten. „Nicht drauf reagieren, das ist Ragebait.“ Ja
Skin Ein Kostüm im Spiel. Bringt keinen Spielvorteil, kostet aber Geld. „Der neue Skin kostet 20 Euro.“ Ja
Lootbox Eine Überraschungskiste gegen Geld — man weiß vorher nicht, was drin ist. „Ich hab drei Lootboxen aufgemacht, nichts Gutes dabei.“ Ja
Robux / V-Bucks Spielinterne Währungen von Roblox und Fortnite. Sie stehen zwischen dem Euro und dem Kauf — und genau das ist ihr Zweck. „Ich brauch noch 800 Robux.“ Ja
touch grass Wörtlich „fass Gras an“ — geh mal raus. Spott unter Jugendlichen selbst. „Digga, touch grass.“ Nur verstehen

Wörter, bei denen Du hinhören solltest

Die meisten Ausdrücke sind harmlos. Diese hier sind es nicht immer. Es geht nicht darum, Alarm zu schlagen — sondern darum, den Unterschied zwischen einem Spaßwort und einem Signal zu kennen.

Wort Was es heißt Warum es hier steht
Snitch Verräter, Petzer. Wenn ein Kind sagt „ich bin doch kein Snitch“, weiß es meist etwas, das es für sich behält. Kein Grund zum Verhör — aber ein guter Moment, ruhig zu bleiben und zuzuhören.
Beef Ein Streit, oft über längere Zeit. Beef in der Klasse ist der Vorraum von Mobbing. Nachfragen, wer beteiligt ist, lohnt sich.
Talahon Abwertende Bezeichnung für junge Männer, meist mit Migrationshintergrund, anhand ihrer Kleidung. Das Wort ist umstritten und wird auch als Beleidigung benutzt. Verstehen ja — in den Mund nehmen auf keinen Fall.
goonen Ein Ausdruck aus dem Umfeld exzessiven Pornokonsums. Er stand 2025 auf Platz zwei beim Jugendwort des Jahres. Wenn das Wort fällt, ist es kein Kinderwitz. Man muss nicht darüber reden — man sollte aber nicht ahnungslos mitlachen.
cap / no cap „Cap“ heißt Lüge, „no cap“ heißt: ehrlich, kein Scherz. Harmlos, aber nützlich: Es sagt Dir, ob gerade eine Geschichte ausgeschmückt wird oder nicht.

Das Jugendwort des Jahres

Seit 2008 lässt der Langenscheidt-Verlag ein Jugendwort des Jahres wählen. Es ist der bekannteste Gradmesser — und er wird oft überschätzt.

Jahr Wort Bedeutung
2025 das crazy Allzweck-Antwort, wenn einem nichts einfällt.
2024 Aura Ausstrahlung, Charisma.
2023 goofy Albern, tollpatschig.
2022 smash Interesse an jemandem haben.
2021 cringe Fremdscham.
2020 lost Ahnungslos, orientierungslos.

Für 2026 stehen zehn Wörter zur Wahl: 67, Crashout, Digga, Du bist gut genug, gute Käse, Macker, Peak, Ragebait, Schere und Süper. Die Bekanntgabe des Siegers ist für den 10. Oktober 2026 auf der Frankfurter Buchmesse angekündigt.

Warum Du die Liste mit Vorsicht lesen solltest. Abstimmen darf im Internet jeder, nicht nur Jugendliche. Entsprechend landen dort regelmäßig Wörter, die kaum ein echter Vierzehnjähriger benutzt. Die Liste ist ein Stimmungsbild — kein Wörterbuch. Was in Deiner Familie wirklich gesprochen wird, weißt nur Dein Enkel.

Wie Du danach fragst, ohne dass es peinlich wird

Es gibt einen Unterschied zwischen zwei Fragen, die fast gleich klingen.

Das geht schief: „Was soll das denn heißen?“ — darin steckt ein Urteil, und das Kind hört es.

Das funktioniert: „Das kenn ich nicht. Sag noch mal.“ — darin steckt Neugier, und die geht fast nie schief.

Drei Dinge, die sich bewährt haben:

Frag im Vorbeigehen, nicht im Verhör. Beim Abtrocknen, im Auto, beim Spazieren. Ein Gespräch, das gegenüber am Tisch beginnt und mit „wir müssen mal reden“ eröffnet wird, ist verloren, bevor es anfängt.

Lass Dir etwas beibringen. Ein Kind, das dem Großvater ein Wort erklärt, ist für zwei Minuten der Erwachsene. Das ist ein Geschenk, das Du sonst nirgends machen kannst.

Merk Dir eins und frag beim nächsten Mal danach. Nichts zeigt echtes Interesse deutlicher als eine Nachfrage vierzehn Tage später. Das ist der ganze Unterschied zwischen Höflichkeit und Aufmerksamkeit.

Häufige Fragen

Soll ich Jugendwörter selbst benutzen?

In der Regel nicht. Verstehen öffnet das Gespräch, Nachplappern schließt es. Ausnahme sind Wörter, die längst im Erwachsenendeutsch angekommen sind — etwa cringe oder Ragebait.

Mein Enkel benutzt ständig englische Wörter. Verlernt er Deutsch?

Nein. Jugendsprache ist eine zusätzliche Ebene, kein Ersatz. Dieselben Jugendlichen schreiben in der Schule Aufsätze und mit der Oma vollständige Sätze. Die Sprachwissenschaft beobachtet das seit Generationen — auch „dufte“ und „knorke“ waren einmal Jugendsprache.

Woher weiß ich, ob ein Wort harmlos ist?

Am Tonfall der Runde. Wird gelacht und weitergeredet, ist es Spaß. Wird es still oder wechselt jemand das Thema, war es etwas anderes. Im Zweifel später unter vier Augen nachfragen, nicht vor den Geschwistern.

Wie oft ändert sich das alles?

Die Modewörter jährlich, teils schneller. Die technischen Begriffe — Story, Streak, Skin, Lootbox — halten länger, weil dahinter eine Funktion steckt und keine Mode. Wer sich nur die technische Hälfte merkt, hat den größeren Teil des Nutzens.

Was mache ich, wenn ich ein Wort peinlich oder verletzend finde?

Sagen, dass Du es so empfindest — einmal, ruhig, ohne Verbot. „Das Wort mag ich nicht, sag das bitte nicht bei mir.“ Das ist eine zulässige Grenze und etwas anderes als eine Erziehungsmaßnahme, für die die Eltern zuständig sind.

Quellen

Die Bedeutungsangaben sind Gebrauchsbeschreibungen, keine Definitionen: Jugendsprache ist regional und in jeder Freundesgruppe etwas anders. Wo sich Quellen widersprechen — etwa bei Macker, das je nach Umfeld „fester Freund“ oder „angeberischer Typ“ bedeutet — steht das im Text.

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Beitrag aus der Kategorie: DigitalesVerantwortlicher Autor: Jürgen BuschInhalt des Beitrages habe ich auf Richtigkeit überprüft am 16. August 2026.