Opa zum Anfassen
Ein Opa zum Anfassen

Es tut einfach gut – ein Opa zum Anfassen zu sein

Du bist draußen unterwegs und eine kleine warme Hand legt sich vertrauensvoll in Deine große. Und mit einem fragenden „Opa?“ wendet sich Dein Enkelkind an Dich …
Das sind Augenblicke, da wird mir richtig warm ums Opa-Herz. Ein Geschenk, für das ich nichts tun muss. Nur da sein.

Oder am Kaffeetisch:
Früher oder später rutscht meine Enkelin von ihrem Platz auf meinen Schoß. Ganz selbstverständlich wirst Du in Anspruch genommen.
Als Opa, als Mann, als Quelle für Rückhalt und Wohlbefinden. Nebenbei wird vielleicht Dein weicher Bauch erkundet. Oder es kommt die Frage: „Opi – warum hast Du nur einen Ohrring?“. Der Älteste erforscht gerne meine eher bescheidenen Muckis und fühlt sich stark. Oder er untersucht die Fältchen, Sehnen und Äderchen auf meiner „Opa-Hand“.

Beim Vorlesen auf dem Sofa, beim Spielen mit Lego oder Bauklötzen oder im Freibad auf der Picknick-Decke: Immer wieder gehen die Kleinen auf Tuchfühlung.
Manchmal sanft und anlehnungsbedürftig. Gerne aber auch ein bisschen ruppig und mit einer Einladung zum Balgen. Und das tut beiden gut, dem Opa und dem Enkel!

Körperkontakt braucht Respekt
Körperkontakt braucht Respekt

Vertrauen ist die Grundlage für alles!

Als Pädagoge weiß ich, wie wichtig es für Kinder ist. Körperliche Nähe zu spüren. Verlässlich zu spüren: Da ist einer, der hält mich und er hält mir Stand.
Ganz am Anfang ist das natürlich die Mama.
Wenn ein Kind dann beginnt, sich aus der engen Zugehörigkeit zur Mama zu lösen, ist der Nächste im häufigsten Fall der Papa. Dieser „Dritte im Bunde“ ist enorm wichtig, damit die erste soziale Aufgabe eines Kindes gelingen kann: Die Loslösung aus der Symbiose mit der Mutter. Die Entdeckung: „Mama und ich – wir sind zwei. Und ohne Mama bin ich auch nicht gleich verloren. Da ist noch jemand für mich da.“

Das Erleben von körperlicher Zuwendung ist in den ersten Lebensjahren auf einer ganz tiefen Ebene wichtig, damit in einem Menschen Vertrauen in die Welt, Vertrauen in Menschen und Vertrauen ins Leben entstehen können. Das Urvertrauen. Und damit eng verbunden, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Einige Religionspädagogen sehen einen ganz engen Zusammenhang zwischen dem „Urvertrauen“, das ein Kind erlebt bzw. entwickelt, und der Möglichkeit, im weiteren Leben auch „Gottvertrauen“ zu entwickeln. „Vertrauen ins Leben“, in ein Leben, das einen Sinn hat, auch wenn es Dir manchmal voll gegen den Strich geht.

sexuelle Berührung von Kindern verboten
Stopp!

Kindliches Vertrauen ist immer auch gefährdet!

Keine Frage: Wenn dieses vorbehaltlose und arglose Vertrauen, das Kinder einem entgegen bringen, enttäuscht wird, ist das bitter für ein Kind.
Eine Katastrophe – und schlicht zum Kotzen – ist es, wenn das Bedürfnis eines Kindes nach körperlicher Nähe vom Opa oder anderen Erwachsenen missbraucht wird.
Erschütternd oft lesen wir in den Medien von Übergriffen erwachsener Männer, Väter, Opas, Onkels, Nachbarn, Stiefväter, die ihre sexuelle Not und Unreife gewaltsam an wehrlosen Kindern ausleben. Und immer wieder wird dabei auch naiv oder blind ein „Einvernehmen“ phantasiert. Ich gebe zu, das ist jetzt kein angenehmes Thema. Aber es muss auf den Tisch, wenn wir von körperlicher Nähe sprechen.
Denn „unterm Tisch“ passieren leider immer noch zu viele Schweinereien…

Du – Opa – bis der Erwachsene!

Du bestimmst die Situation. Du hast eine Ahnung davon, was Kindern gut tut, und was nicht. Vielleicht erinnerst Du Dich ja an Situationen von körperlicher Nähe mit Deinen Opas oder anderen Erwachsenen, die für Dich stimmig, und andere, die für dich unangenehm oder widerlich waren. Du – Opa – trägst als Erwachsener die Verantwortung dafür, wie Du das Miteinander zwischen Dir und Deinen Enkeln gestaltest. Du trägst die Verantwortung dafür, dass sie Freude am Leben und Zutrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln.
Deine Enkel sind eigenständige kleine (oder auch schon größere) Personen, die vor allem Deinen Schutz und Deine Fürsorge brauchen. Darüber hinaus Deine Anregungen und Deine Ermutigung. Im besten Fall bist Du Deinen Enkeln ein großer und viel älterer Freund, der etwas vom Großen und Ganzen des Lebens weiß. Und vieles auch nicht… ;-)

Respekt und etwas Demut

Bei aller Liebe und Zuneigung, die Du fühlen magst: Zunächst bist Du Deinen Enkeln gegenüber zu Respekt verpflichtet! Respekt bedeutet: Dass Du Kinder als eigenständige Persönlichkeiten annimmst, die – wenn sie es mögen, mit Deiner Hilfe – einen eigenen Weg ins Leben finden. Und ein Bestandteil dieses Respekts ist die Demut. Sie kann Dich lehren, Dich nicht so wichtig zu nehmen. Kinder wissen selbst, wie viel Nähe sie brauchen können. Und wenn sie keine Nähe wollen, haben sie erst mal recht!

„Stacheligel haben’s gut, weil die keiner küssen tut“, heißt es in einem Kinderlied.
https://www.youtube.com/watch?v=8AzgfE_LV04

Und Kinder sind halt beides: Mal Kuschelbären und mal Stacheligel. So wie Opa auch. Und das ist gut so!

Am besten ist es in der Regel, die Kinder  den Abstand und die Nähe selbst bestimmen zu lassen. Oft reicht es Enkeln, wenn Du als Opa irgendwo in Reichweite bist. Unsere größeren Enkel tauchen manchmal ganz ab, in ihre eigenen Spiel- und Phantasiewelten. Da würde ich nur stören. Und das möchte ich nicht. Irgendwann kommen sie bestimmt, und wollen was von mir: Eine Antwort, ein bisschen Hilfe bei einem Problem, eine Runde Kuscheln, oder Kräfte messen…

Manchmal haben sie auch einfach Hunger.

Dann essen wir was zusammen.

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