Opa hat viel Zeit

Kein Stress, Opa!

Wichtig ist: Da sein und Zeit haben

 Endlich! Ich war letzte Woche wieder mal bei Jonah und Samuel. Sie sind Zwillinge, 20 Monate alt und die Söhne meiner Tochter. Leider wohnen sie drei Autostunden weit weg. Ich bin noch voll berufstätig. Und Abstand halten war die letzten Monate ja auch angesagt.

Klar – ich bekomme immer wieder Fotos oder kleine Filmchen aufs Handy. Aber ich hatte sie lange nicht mehr gesehen. Und sie mich auch nicht. Ich war gespannt wie es wird. Und ich hatte den Schlafsack dabei. Ich konnte zwei Nächte bleiben. Hatte also viel Zeit. Und das war gut so!

Nach 10 Jahren Opa-Sein denke ich: Zeit ist das wichtigste, was wir Großväter mitbringen können. Die Familien heute haben einen strammen Zeitplan! Berufe der Eltern, Kita und Schule, Freunde, Verwandte und Bekannte, Musik, Sport, Kochen & Backen und andere Hobbies, ehrenamtliche Engagements der Eltern oder Jugendlichen und alles andere erfordern ein gutes Zeitmanagement.  Oft sind die Großeltern ein ruhiger Pol oder Felsen in der Brandung des Lebens von Familien. Und das ist eine schöne, und sehr wichtige Rolle! Denn aus der Ruhe können Enkel die eigene Kraft, eigene Ideen und eigene Aktivitäten entwickeln.

Bei den jüngeren Enkeln setze ich mich oft einfach dazu, auf den Boden, wo die Spielsachen liegen. Und ganz von selber kommen wir miteinander ins Spiel. Entweder ein Kind kommt auf mich zu, mit einem Auto, einem Ball, einem Spielzeugtier oder Duplo-Steinen. Oder, wenn das Kind noch Abstand mag, rolle ich einen Ball zu ihm rüber.

Manchmal fange ich auch an, etwas zu bauen. Nicht lange, und das Kind mischt sich ein. Zerlegt mit Freude, was ich gebaut habe, und wir fangen zusammen etwas Neues an: Einen Turm, eine Brücke, wo die Autos drunter durch fahren können. Oder mit den Größeren irgend eine Playmobil-Szene, eine Lego-Schiff oder eine neue Strecke für die Eisenbahn.

Die größten Geschenke, die wir Großeltern heute unseren Enkeln machen können, sind Ruhe, Rückhalt und Vertrauen. Dass die Kinder spüren: „Der Opa ist einfach da. Und mit dem Opa im Rücken, oder an der Seite, können wir die Welt entdecken.“  Anfangs im Wohnzimmer auf dem Boden, draußen im Garten oder auf dem Spielplatz. Und später auch in der freien Natur, im Wald, am Feldrand oder am Bach.

Moritz, unser Großer, legt sich zum Beispiel gerne mal in die Wiese und schaut in den Himmel. Manchmal lege ich mich dazu, und seh’ zusammen mit ihm, wie schön das Sonnenlicht durch die Baumwipfel schimmert. Oder wir entdecken Tiere, Monster und andere Gestalten in den Wolken, die am Himmel vorüber ziehen…

In der Regel musst Du Dir als Opa gar keine großen Sachen ausdenken. Auf Ideen kommen die Kinder selber, wenn sie in einer anregenden Umgebung sind. In der Wohnung braucht es dazu ein paar gute Spielsachen – am besten nicht zu viele. Auch Papier, bunte Kreiden und Stifte, oder Klebstoff sind gut zum Basteln. Und draußen reicht die Natur, so wie sie ist, oft schon aus.

Es ist für Kinder sehr förderlich, wenn sie eigene Ideen entwickeln und diese verfolgen können. Und es tut ihnen gut, dabei begleitet werden. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und den Mut, Dinge anzupacken. Deine Aufgabe als Großvater ist, für Sicherheit zu sorgen. Vielleicht hilfst Du Deinem Enkel oder Deiner Enkelin auch über das eine oder andere Hindernis hinweg, das sie noch nicht allein bewältigen. Und behutsam kannst Du dann auch Deine Ideen einbringen. Und neugierig schauen, was daraus wächst und wird…

Bei meinem Besuch, letzte Woche, waren die beiden Jungs natürlich erst mal skeptisch, welcher „fremde Mann“ da kommt. So blieben sie erst mal in der Nähe der Mama, und ich in respektvoller Distanz. Ich weiß nicht, ob die Erinnerung der Jungs in dem Alter über drei, vier Monate reicht.

„Das ist der Opa“, sagte die Mama. Aha… Das kam ihnen bekannt vor. Denn einen von der Sorte haben sie ganz in ihrer Nähe. Den sehen sie jede Woche ein, zwei mal.

Opa Boba

Und nicht lange, dann probierten sie es selber aus: „Boba?“ Da klang auch ein bisschen „Baba“ mit. Der saß übrigens im Zimmer nebenan, im Homeoffice.

Ich hab‘s ihnen dann immer wieder bestätigt: „Ja, ich bin der Opa.“ Zwischendurch rollten die Feuerwehr und ein Lastwagen über den Fußboden. Am Steuer saßen Spiderman, und ein Bauarbeiter. Schwierige Wörter für Kinder in dem Alter, aber für beide fanden die Jungs lustige Lösungen. Und bald war ich akzeptiert: „Boba!“.
Und Tags darauf blieben die beiden völlig entspannt bei mir, während die Mama den Wochenend-Großeinkauf für die Familie machte.

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