mit Enkeln raus ins Grüne

Warum die Natur den Menschen so gut tut

Opa Gert hat einen Garten. Für seine Enkel, Großstadtkinder mit Balkon, ist das ein Paradies. Da gibt es Bäume zum Klettern, eine Wiese zum Kicken, Büsche um sich zu verstecken und eine Feuerstelle. Es gibt Sand und Wasser zum Matschen und Modellieren, zwei Hütten mit allem, was man zum draußen Leben braucht. Von Nüssen, Äpfeln, Kirschen und Beeren ganz zu schweigen. Hin und wieder schauen Fuchs und Hase vorbei. Und im letzten Sommer gab es die erste Nacht in Zelten.

Egal ob Kindergeburtstag, Familienfest oder einfach nur ein Nachmittag, wo es in der Wohnung zu eng wird: Draußen geht mit Kindern vieles einfacher. Zumindest wenn sie die richtigen Klamotten dafür anhaben. Bei Nässe sind Gummistiefel und einigermaßen wasserdichte Kleidung wichtig und bei Kälte ausreichend warme Sachen. Wärme ist nicht so das Problem: Wenn es Kindern warm wird, fliegt der Anorak halt ins Eck.

Opa mache doch einfach einen Waldtag mit deinem Enkel

Seit einiger Zeit machen Kindergärten regemäßig „Waldtage“. Manche Kindergärten sind mit Bauwagen und großer Zeltplane komplett ins „Outdoor“ gezogen. Und den meisten Kindern tut das gut: Sie werden entspannter, Konflikte untereinander werden weniger und sie können sich leichter auf etwas konzentrieren.
Ich weiß von einem Kinder- und Jugendpsychiater, der schickt auch die Eltern konfliktbelasteter Familien erst mal für vier bis fünf Stunden ohne Handy (!) in den Wald. Und er erzählt in einem seiner Bücher von den beruhigenden und sortierenden Wirkungen, die das hat.
Jeder von uns kennt das auch aus eigener Erfahrung: Eine halbe Stunde Fußweg über die Felder, nach einem stressigen Meeting, und Du kommst ganz anders zuhause an, als wenn Du mit dem Auto fährst.

Aber warum ist das so?

Unter freiem Himmel – das ist unser ursprünglichster Lebensraum. Jahrtausende haben Menschen überwiegend im Freien gelebt, gearbeitet, ausgeruht, sich getroffen und gefeiert. Auch gereist wurde bis vor hundert Jahren allermeist zu Fuß.
Und jeder von uns hat viele Situationen im Freien in Erinnerung, in denen er sich gut gefühlt hat: Unterm Sternenhimmel. Wenn morgens die Sonne aufgeht oder abends unter. Wenn einem der Wind ins Gesicht bläst. Wenn leiser Regen die trockene Erde erfrischt. Wenn der Bussard ruft, oder ein Käuzchen, wenn wir das Rauschen eines Baches hören oder in die Brandung des Meeres schauen.

Was sagen die Naturpädagogen?

Erlebnis- und Naturpädagogen gehen davon aus, dass wir in unserem Innern, in unserer Seele „archetypische Bilder“, Ur-Bilder von vielem tragen, was sich draußen in der Natur findet.
Wenn wir dann vor einem besonderen Baum stehen, oder ins Dunkel eines Tannenwaldes treten, wenn wir am Meer sitzen, oder hoch auf einem Berg, dann entsteht eine Resonanz zwischen z.B. dem „äußeren Meer“ und dem „Meer in unserer Seele“. Diese Resonanz lässt uns inne halten, still werden, manchmal erschauern, uns geborgen fühlen oder seltsam berührt. Meist ist uns das nicht bewusst. Kindern erst recht nicht. Aber diese Resonanzen machen die Natur für alle Menschen zu einem wohltuenden und auch heilsamen Raum.
Die Jahreszeiten, die kommen und wieder gehen, und mit ihnen Knospen, grüne Blätter, Blüten, Früchte oder Tiere, geben unserer Seele einen Rhythmus. Die Tageszeiten und das Wetter mit all ihren Stimmungen haben Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Wenn wir Menschen draußen sind, sind wir einfach „in unserem Element“.

Gehe einfach raus ins Grüne

Wenn wir Erwachsenen ihnen genügend Schutz sicherstellen, sind die meisten Kinder gerne draußen. Mit den Kleineren beginnt das Abenteuer unmittelbar vor der Haustür. Schnecken, Käfer, Pfützen, Steinchen, eine Wiese mit allem, was da wächst, ein Eichhörnchen, das den Baum rauf klettert, eine Krähe, die sich an einem weggeworfenen Brötchen gütlich tut. Du brauchst keinen bestimmten Plan, wenn ein Kind auf Entdeckungsreise ist. Geh einfach mit!

Mit größeren Kindern ist natürlich der Wald interessant. Oder das Ufer eines Flusses oder eines Sees. Die Meeresküste ist natürlich etwas Besonderes, oder ein Felsen zum Klettern. Attraktiv sind besondere Bäume, Quellen und Brunnen, Kuhlen, in denen man sich verstecken kann, Höhlen, schräge Wiesen zu Kullern. Gut ist, wenn man bei all dem Taschen oder einen Rucksack dabei hat. Es kann auch ein Leiterwagen sein. Denn es gibt soooo viel zu finden und auf- oder einzusammeln.

Auch Werken, Schnitzen, Bauen (z.B. ein Staudamm im Bach, oder ein Tipi aus herumliegenden Ästen) und gestalten lässt sich draußen vieles. Einmal, bei einem Fest in Opa Gerts Garten (es war vermutlich im Mai an Finas sechstem Geburtstag) hatten wir am Schluss alle bunte Blumenkränzchen in den Haaren.

Meiner Meinung nach ist jeder Opa gut beraten, wenn er mit seinen Enkelinnen und Enkeln öfter mal raus geht. Am besten von Anfang an, wenn sie noch klein sind. Du kannst auch einen Ball mitnehmen, denn eine Wiese zum Spielen findet sich immer.
Aber oft ergeben sich auch von selbst „Projekte“, wenn die Umgebung möglichst natürlich, wenig gefährlich und doch „wild“ ist. Toll ist es natürlich, wenn Opa gerne campt und ein Zelt hat. Oder wenn er ein Boot hat und ein See in der Nähe ist. Auch zusammen durch die Natur Radeln, kann viel Spaß machen, und bringt noch Bewegung und Sport ins Miteinander. Vor allem, wenn es dem Enkel gelingt, an der Steigung den Opa endlich mal hinter sich zu lassen.

Manch ein Opa kennt sich gut mit Beeren und Wildfrüchten aus, oder Mit Blättern von Pflanzen, die man essen kann. Ein anderer weiß, wo der Ameisenlöwe seine Beute macht, oder der Zaunkönig brütet. Aber es reicht auch, einfach selber gerne draußen zu sein.

Und wenn einen dann ein Platzregen überrascht, man sich vor einem Gewitter in Sicherheit bringen muss oder wenn man sich am sumpfigen Bach „Kellerfeuchte“ in die Gummistiefel holt…
… dann hat man hinterher was zu erzählen!

Und für Schlimmeres, wie Spreißel im Finger, blutige Stürze, einen Bienenstich oder einen Zeckenbiss, hat Opa eine kleine Notfallapotheke im Rucksack und ein Smartphone (siehe -> digitales Wissen) in der Jacke.

Frühling und Natur draußen

Der Frühling hat begonnen.
Die Natur ist erwacht.
Es wird wärmer draußen.
Aufgrund der Ansteckungsgefahr sind unsere Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt.
Und Outdoor ist, auch was Ansteckungsgefahren angeht, allemal besser, als Indoor.

Also: Nichts wie raus!

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